Mit Malle-Hits und guter Laune

Obertshausens Kleingärtner trotzen beim Feiern dem Regenwetter

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Livemusik vom Duo Metronom Music: Mit vielen Hits zum Mitsingen lassen Elke und Udo Fengler die Besucher beim Gartenfest den Regen vergessen.

Draußen prasselt der nächste Schauer auf die Pergola und die Pavillons, doch die Gäste bekommen davon wenig mit. „Die Hääändeee zum Himmeeel“, fordern Elke und Udo Fengler auf, und einige an den Plätzen recken die Arme in die Höhe.

Obertshausen – „Du hast mich tausendmal betrogen“ folgt und das Publikum des Duos Metronom Music brüllt dreimal kräftig „Ja!“. Die Stimmung rund um den Hans-Möser-Platz ist prächtig, und kein Regen mag die gute Laune beim Sommerfest des Kleingärtnervereins Obertshausen trüben.

Bei den Mitgliedern sorgt das Wetter für ein lachendes und ein weinendes Auge. Die Böden brauchten noch viel mehr Niederschlag, bestätigt KGV-Vorsitzender Siegfried Wilz. Den Erfolg der Feier schmälert die Nässe freilich – aber nur ein bisschen: Fast so viele Besucher wie gewohnt treffen sich zum „Hessischen Abend“ auf der Anlage am Rembrücker Weg, darunter ganze Gruppen aus anderen Vereinen. Die Jedermänner der TGO etwa sind an ihren grasgrünen Trainingsanzügen zu erkennen.

Auch die Gartenfreunde aus Steinau an der Straße sind einmal mehr dabei. Die Gemeinschaft dort ist rund 60 Jahre alt – die Hälfte davon unterhält sie gute Kontakte nach Obertshausen, wie auch ein „Freundschaftsband“ in der Halle bekundet. Ein Hobbygärtner, der von der Kinzig an die Rodau gezogen war, stellte die Verbindung her. Nach einem Generationswechsel auf beiden Seiten halten nur noch wenige Aktive den regen Austausch aufrecht, berichtet Wilz. Ähnlich ist es mit den regelmäßigen Fahrten in die österreichische Partnerstadt Laakirchen, die seit Beginn der Verschwisterung ein „Renner“ waren. Heute stoßen sie kaum noch auf Interesse.

„Wir haben viele junge Familien mit Kindern“, erläutert der Vorsitzende, „die haben andere Ziele“. Auch mit Meiningen sei es schwierig geworden. Reisten vor einigen Jahren noch mehrere Auto-Gesellschaften vom Landsberg Richtung Hochbeune und umgekehrt, machen sich heute nur noch einzelne Thüringer auf den Weg. In der Theaterstadt an der Werra gibt es sage und schreibe 24 Kleingartenvereine. Gleich nach der Wende trafen die Hessen das Team von einem Gelände unterhalb der Burg, das allerdings nur elf Gärten umfasste.

Die Gastgeber zählen stolze 97 Parzellen. Von jedem Pächter müssen acht Arbeitsstunden pro Jahr erbracht werden, die meisten werden beim Sommerfest geleistet. Über die drei Tage verteilt „Schichtleiter“ Walter Schirholz stolze 800 Stunden Helferdienste. Problematisch war das bisher nicht, jetzt aber müssen die neuen Mitglieder, Eltern mit schulpflichtigen Kindern, während der Sommerferien in den Urlaub starten. Und diesmal fällt die Veranstaltung am zweiten Juli-Wochenende wieder in die unterrichtsfreie Zeit.

Die Fenglers sind inzwischen bei brasilianischen Rhythmen angelangt, „Nossa, Nossa“, sie spielen Helene Fischers „Atemlos“ und Ballermann-Hits von „Mallorca-König“ Jürgen Drews. Zünftig-festlich klingt’s am Sonntag, an dem das Blasorchester der TGS Hausen traditionell den Frühschoppen begleitet.

An den Theken servieren sie neben dem bei Festen üblichen Grillgut auch Handkäs’ mit Musik, Rippchen mit Kraut sowie Mettbrötchen. Der Samstag bietet wie immer Spundekäs’ und ungarisches Langos, am Sonntag bereiten Schirholz und einige Kameraden aus Kroatien ein Spanferkel zu, das nach sechsstündigem Brutzeln am Spieß mittags durch die Reihen getragen wird.

„Durch die Feste können wir die Kosten für die Gärten günstig halten“, erklärt Wilz den wirtschaftlichen Vorteil des Feierns. Zuletzt haben sie eine indirekte LED-Beleuchtung für die Pergola angeschafft, als nächstes soll es ein neuer Anhänger fürs Spülmobil sein. Der KGV, der in zwei Jahren seinen 50. Geburtstag feiert, gehört zu den engagiertesten in der Stadt. Er stellt einen Maibaum auf, beteiligt sich an der Kerb, gestaltet ein Erntedank- und ein Helferfest, ist beim Weihnachtsmarkt dabei und unternimmt Ausflüge.

VON MICHAEL PROCHNOW

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