Kurzfristige Verbesserung

Koalition will zeitnah zusätzliche Betreuungsplätze schaffen

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Im vergangenen August wurden die ersten Container fürs Provisorium an der Rodaustraße aufgestellt.

Ob Krippe, Kindergarten oder Tagesmutter – dass Obertshausen bei der Zahl der U3- und Ü3-Betreuungsplätze hinter dem Großteil der übrigen Kommunen im Kreis Offenbach hinterherhinkt, ist kein Geheimnis.

Obertshausen – Für eine Entlastung soll vor allem das geplante Familienzentrum sorgen, mit dessen Bau in diesem Monat begonnen wurde. Bis zu 80 U3-Plätze sollen dort nach der geplanten Eröffnung entstehen. Doch bereits jetzt steht fest: Das wird nicht reichen. Denn neben den Plätzen für unter Dreijährige ist in den vergangenen Monaten vor allem die Warteliste bei den Plätzen für Drei- bis Sechsjährige. Und so denkt man im Stadtparlament bereits über den Bau einer weiteren Kita nach.

Um die angespannte Situation zeitnah zumindest ein bisschen zu entlasten, soll nach dem Willen der Koalition aus CDU und SPD noch in diesem Jahr ein weiteres Provisorium geschaffen werden. Dabei sollen auch die Erfahrungen einfließen, die die Stadt bereits mit dem Ende des vergangenen Jahres eröffneten Gebäude in Containerbauweise an der Rodaustraße (wir berichteten) gesammelt hat, heißt es im dementsprechenden Antrag für die Stadtverordnetenversammlung (SVV) kommenden Donnerstag. Als Platz für das weitere Provisorium sei ebenfalls das Grundstück an der Rodaustraße denkbar, wie CDU-Mitglied Karina Döbert-Haase in der Sitzung des Sozialausschusses ergänzt.

„Hierzu sind die vorhandenen Haushaltsmittel und eventuelle Haushaltsausgabereste voll auszuschöpfen“, heißt es in dem Antrag, den die Koalition noch vor Bekanntwerden des drohenden Millionen-Einbruchs bei den Gewerbesteuereinnahmen eingebracht hatte.

Insgesamt 300.000 Euro seien im Haushalt für die Schaffung zusätzlicher Betreuungsplätzen angesetzt, informiert Obertshausens Erster Stadtrat Michael Möser. Davon seien noch rund 220.000 Euro übrig. Voraussetzung für die Verwendung dieser Mittel sei jedoch, dass es sich dabei um eine Investition handeln müsse. Eine Lösung auf Mietbasis, wie beim bereits eröffneten Container-Provisorium an der Rodaustraße, sei daher nicht möglich.

Möser bestätigt auch den sprunghaften Anstieg bei der Nachfrage nach Ü3-Plätzen. „Wir haben derzeit einen enormen Zuspruch, vor allem bei jungen Familien, die von außerhalb zuziehen“, erläutert er. So würde beispielsweise allein der Zuzug durch die neuen Wohnungen an der Bauerbachstraße beinahe ausgereichen, um eine komplett neue Kindergartengruppe zu füllen. Gerade diese Zuzüge durch die voranschreitende Nachverdichtung seien so gut wie nicht vorhersehbar. „Bei einem Neubaugebiet kann man das eher planen“, erläutert er.

Die Notwendigkeit einer zeitnahen Lösung sieht man auch bei den übrigen Fraktionen. „Und wir müssen bereits jetzt daran denken, dass aus U3 schnell Ü3 und später Schulkindbetreuung wird“, erinnert Rudolf Schulz, Fraktionsvorsitzender der Bürger für Obertshausen.

„Dass Plätze fehlen, ist keine Überraschung, und wir sind uns wohl einig, dass das Provisorium eher lang- als kurzfristig bleiben wird“, ist sich Grünen-Fraktionschef Klaus-Uwe Gerhardt in der Sitzung des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses zwei Tage später sicher. Die Frage sei jedoch, ob und in welcher Höhe noch Mittel zur nötigen Finanzierung übrig seien. An dieser Stelle gelte es zunächst, genaue Zahlen zu kennen. Auch FDP-Fraktionsvorsitzende Elke Kunde, betonte, ihre Fraktion werde das Ansinnen der Koalition unterstützen, regte jedoch an, dass der Magistrat zunächst ein Konzept samt dazugehörigen Kosten vorlegen solle, über das die SVV dann beschließen könne.

Daher möchten die Grünen mit einem Änderungsantrag kommende Woche zunächst den Magistrat mit der „zeitnahen“ Entwicklung eines Maßnahmenkatalogs beauftragen, der aufzeigen soll, wie sich kurz- und mittelfristig bedarfsgerecht Kita-Plätze schaffen lassen. Zudem soll geprüft werden, ob Bundes- oder Landesmittel für den weiteren Ausbau in Anspruch genommen werden könnten.

Gedanken um die finanzielle Situation macht man sich angesichts des drohenden Nachtragshaushalts auch bei der GroKo. „Wir bringen den Antrag ein, auch wenn ob der neuen Situation sicherlich zwei Herzen in einer Brust schlagen“, bringt es Jutta Kegelmann (CDU) auf den Punkt. Doch, da ist sich das Bündnis aus CDU und SPD sicher, die zusätzlichen Plätze braucht die Stadt dringend.

Von Thomas Holzamer

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