Garage voller Treter

Kolpingfamilie sammelt neue und alte Schuhe für den guten Zweck

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Rund 300 Paar Schuhe stapeln sich derzeit in der Garage: Georg Glater (links) und Heinz-Jürgen Grab sortieren die Paare für Frauen, Männer und Kinder.

Obertshausen – Auf Neudeutsch nennt man es wohl Win-win-Situation, ein Unterfangen, von dem alle Beteiligen profitieren. Die einen schaffen neuen Platz im Schrank und haben das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Die anderen erhalten dringend benötigte Fußbekleidung.

Seit fünf Jahren unterstützt die Kolpingfamilie Obertshausen bereits die Aktion „Mein Schuh tut gut“, die vom Kolpingwerk Deutschland mit Sitz in Köln organisiert wird.

Schon seit einigen Tagen steht das Telefon von Walter und Renate Kretschmer kaum noch still. Immer wieder rufen Bekannte, aber auch Wildfremde an, um ihre ausgedienten, aber noch gut erhaltenen Treter loszuwerden. Sie alle haben die Nummer des Ehrenvorsitzenden und der anderen Vorstandsmitglieder in der Zeitung gelesen, denn die rühren stets fleißig die Werbetrommel. Kaum einer kommt mit einem einzigen Paar, manche bringen tüten- und kistenweise Schuhe in den Hain.

Die Garage ist zur Hälfte gefüllt. Bis zu 31 Kilo der Spenden dürfen sie in einen der genormten Kartons verpacken, die dann auf Anruf hin vom Paketdienst abgeholt werden, erläutert Vorsitzender Heinz-Jürgen Grab. Auch er und Vorstandsmitglied Georg Glater sammeln daheim die Gaben, rund 300 Paar stapeln sich derzeit wieder in Kretschmers Garage. Sie werden in ein Recycling-Werk nach Geesthacht gebracht und dort sortiert.

Und es ist fast alles dabei: Mode für Damen, Leichtes für Frühling und Sommer, Wärmendes mit Fellbesatz gegen die Kälte. Auch Sport- und Kinderschuhe fehlen nicht. „Manche Damen habe einen Tick“, stellt Grab fest und lächelt, „die sammeln Schuhe, tragen manche nur einmal“. Viele Spenden erhalten die Kolpinger auch von Haushaltsauflösungen. „Nach Todesfällen wollen Angehörige die Habseligkeiten des Verstorbenen erst nicht anrühren und schaffen oft erst Jahre später Platz.“

Wichtig ist den Helfern auch das Konzept ihres Dachverbands: Die Spenden werden nur in Länder gebracht, in denen sie keine Konkurrenz zu einer bestehenden Schuh-Herstellung schaffen. Die Sommermodelle gehen überwiegend an Kleinunternehmer in afrikanischen Staaten, die Wintersachen eher in kältere Gebirgsregionen in Südamerika und Asien. So vermeiden die Geber nicht nur Müll und schonen Rohstoffe, sie sichern den Händlerfamilien auch ein Einkommen. Und den Käufern, dass sie gute Ware erhalten.

Noch bis Dienstag können Schuhe nach Anruf bei Kretschmers, z 06104 49163, oder bei Grabs, z 06104 490449, abgegeben werden. Und auch die nächste Spendensammlung ist schon geplant: Bereits seit 28 Jahren sammeln die Christen im Sinne des Sozialpriesters Kolping auch Kleidung, das nächste Mal wieder am 21. September, und für den Kinderkleiderkorb permanent. VON MICHAEL PROCHNOW 

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