Naturschützer hoffen auf Erhalt der Flächen südlich der A 3

Lebensraum für Mensch und Tier

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Sprechen sich für den Flächenerhalt aus: Peter Erlemann (Mitte von links) und Joachim Aßmuth vom Nabu-Vorstand in Obertshausen. 

Der denkende Mensch ändert seine Meinung, heißt es so schön im Volksmund. Und so ähnlich formuliert es auch eine der Teilnehmerinnen beim Vor-Ort-Termin zum Thema neues Gewerbegebiet. 

Obertshausen – Zu diesem hatte Bürgermeisterkandidat Manuel Friedrich nach dem Bekanntwerden der Magistrats-Pläne zur Entwicklung des künftigen Gewerbegebiets südlich der A 3 kurzerhand an den Rembrücker Weg eingeladen. Dort erfahren die rund 20 Besucher, darunter auch einige Parlamentsvertreter, von Peter Erlemann und Joachim Aßmuth vom Vorstand des Naturschutzbundes (Nabu) in Obertshausen näheres über die Bedeutung der Flächen für die Natur.

Rund drei Jahre sind seit dem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung ins Land gezogen, auf der Fläche entlang der Autobahn zwischen dem Gewerbegebiet Herbäcker im Westen und dem Rembrücker Weg im Osten Raum für weitere Gewerbeansiedlungen zu schaffen. Lediglich die Grünen hatten seinerzeit gegen das Vorhaben votiert. Nun hat der Magistrat auftragsgemäß entschieden, das Gebiet zusammen mit einem Investor im Treuhandverfahren zu entwickeln, ein entsprechendes Ausschreibungsverfahren zur Suche nach einem passenden Partner soll in Kürze starten (wir berichteten).

Kreuzung war Fehlplanung 

Doch nicht bei jedem Bürger stößt der Plan auf Zustimmung. So auch beim Rundgang am Rembrücker Weg. „Wir haben doch schon jetzt dauernd Stauprobleme in Obertshausen, das wird doch dann noch schlimmer“, befürchtet eine Anwohnerin. „Die Kreuzung Richtung Autobahn und Heusenstamm war damals schon eine absolute Fehlplanung“, schimpft ihr Mann. Wenn dazu noch der Verkehr in und aus dem künftigen Gewerbegebiet komme, sei Chaos vorprogrammiert, sind sie sicher.

Wenig begeistert von weiteren Gewerbeflächen sind auch Obertshausens Naturschützer. „Wir haben uns ja schon damals 2007 dazu geäußert, als es um die Aufnahme der Hochbeune als mögliches Gebiet für eine Bebauung in den Flächenverbundplan ging“, erinnert Erlemann. Das überwiegend als Ackerfläche genutzte Areal sei für viele Bürger der Stadt ein wichtiges Naherholungsgebiet und nicht zuletzt als Puffer und Kaltluftentstehungsfläche bedeutend für das Kleinklima Obertshausens.

Gedanken machen sich die Nabu-Aktiven zudem um den Vogelschutz. „Zwei Zählstellen gibt es in diesem Gebiet, an denen regelmäßig die Bestände ermittelt werden“, informiert Erlemann. Diese seien bereits in den vergangenen Jahren zurückgegangen. „Einige Arten wie den Kiebitz sieht man schon jetzt nicht mehr“, bedauert er.

„Wir müssen dringend mehr für Flächenschutz und Entsiegelung tun“

Besonders hart treffe die zunehmende Versiegelung von Flächen die sogenannten Agrarvögel, also jene Arten, die ihren Lebensraum vor allem entlang von landwirtschaftlich genutzten Feldern und Wiesen haben. So brauchen beispielsweise Turmfalken und die ebenfalls in Obertshausen zu beobachtende Schleiereule offene Flächen für die Jagd auf Beute. „Auch die Feldlärche, die früher eigentlich jeder gekannt hat, ist in Hausen bereits weg.“ Durch die Pläne drohten nun weitere Brut- und Jagdgebiete für die Tiere wegzufallen.

Zumal auch durch die zunehmende bauliche Verdichtung im Stadtgebiet immer mehr Grün verschwinde, wirft eine Frau ein. Bereits jetzt sei die Bebauung in Deutschland und vor allem im Rhein-Main-Gebiet extrem dicht, ergänzt Joachim Aßmuth und fordert: „Wir müssen dringend mehr für Flächenschutz und Entsiegelung tun.“

„Auch wir als SPD haben damals dafür gestimmt und uns damit an unseren Koalitionsvertrag gehalten“, erläutert Friedrich und räumt ein, über das Thema Verkehr habe man sich zu diesem Zeitpunkt vor drei Jahren vermutlich noch nicht zur Gänze Gedanken gemacht.

„Man kann ja auch mal einen Schritt zurückgehen, wenn man sieht, dass etwas inzwischen keinen Sinn mehr macht“, hofft eine Anwohnerin und schlägt damit in die gleiche Kerbe wie Landtagsabgeordnete Kathy Walter. „Wir wollen die Rücknahme des Beschlusses“, fordert sie stellvertretend für Obertshausens Grüne.

Das Argument zusätzlicher Arbeitsplätze und steigender Gewerbesteuereinnahen für die Stadt lasse sich auch nur bedingt in Feld führen, ist sich Naturschützer Aßmuth sicher. „Nicht jedes Unternehmen zahlt Gewerbesteuer, wenn es hierher kommt“, mahnt er an. Zudem würden oft tatsächlich weit weniger Arbeitsplätze geschaffen als von den Interessenten zuvor in Aussicht gestellt, erinnert er.

VON THOMAS HOLZAMER

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