Geflügelter Besuch am Angelsee

Nil- und Kanadagänse: Gefahr beim Überqueren der Straße

+
Fühlen sich auch in Obertshausen sichtlich wohl: In letzter Zeit kommen immer mehr Kanada- und Nilgänse an das Gewässer der Kleinstadt mit Herz und vertreiben die Tiere vor Ort.

Sie kommen vom Heusenstammer See am Goldberg und fühlen sich auch in Obertshausen sichtlich wohl: Nil- und Kanadagänse. Das Überqueren der Straße stellt dabei eine Gefahr für Vögel und Autofahrer dar. Auch die anderen Tiere werden verdrängt.

Obertshausen – Es ist kein weiter Weg von Heusenstamm nach Obertshausen – genauer gesagt vom See am Goldberg zum Gewässer auf der anderen Straßenseite. Das haben längst auch die Nil- und Kanadagänse erkannt und starten ihren Ausflug aus der Schloss- in die Nachbarstadt. Und zwar nicht über die nächste Ampel, sondern – wie soll es auch anders sein – auf dem direkten Weg. Das ist gefährlich. Für die Vögel und auch für die Autofahrer. „Ein Glück ist die Straße gut einsehbar und die Autofahrer nehmen viel Rücksicht, wenn eine Gänsefamilie den Weg kreuzt“, schildert Dietmar Tinat, Schutzgebietsbetreuer des Sees am Goldberg und Forstpate der Heusenstammer Waldjugend. „Trotzdem ist das natürlich gefährlich.“ Bestätigen kann das auch der stellvertretende Vorsitzende des Nabu-Ortsverbandes Obertshausen, Joachim Aßmuth. „Vor drei bis vier Jahren gab es zwischen Angelsee und Heusenstamm leider einige Unfälle mit den Vögeln, die die Straße überqueren“, bedauert er.

Doch wieso machen sich die Gänse immer häufiger auf den Weg in die Stadt der zwei Rathäuser? „Sie haben in beiden Gebieten beste Bedingungen zu brüten“, erläutert Tinat. „Das Problem ist jedoch, dass die Tiere ständig von Spaziergängern gefüttert werden – dabei brauchen die Vögel das gar nicht.“ Das Wissen, schnell und einfach an Nahrung zu kommen, sei verlockend – und wird von Generation an Generation übergeben. „Die Jungtiere bekommen es von den Eltern mit und prägen sich das ein“, sagt Tinat. Die stärkere Population der Gänse sorgt widerrum für Probleme mit den anderen Tieren rund um den See. „Sie dominieren“, sagt Tinat. „Die Arten, die hier hergehören werden verdrängt.“ So gehe nach und nach die Population der Enten zurück. „Sie setzen sich gegen die aggressiven Gänse nicht durch“, sagt Aßmuth.

Es ist nicht das erste Mal, dass der stellvertretende Nabu-Vositzende in Kontakt mit den kräftigen Vögeln kommt. „Wir vermuten, dass es einen ähnlichen Fall in Hausen gab, bei dem die Nilgänse einen Weißstorch vertreiben wollten. Wir können zwar nicht zu 100 Prozent bestätigen, dass diese Gänse Schuld waren, aber die Vermutung liegt nahe.“ Deshalb appellieren die Naturschützer noch einmal an alle, die rund um den Angelsee unterwegs sind, das Füttern unbedingt zu vermeiden. „Die invasiven Tiere sind uns natürlich ein Dorn im Auge, besonders wenn sie gefüttert werden und bleiben“, betont Aßmuth. Tinat sagt, dass Essensreste auch teilweise im Wasser und am Rand liegen bleiben würden – das könnte Ratten anlocken. „Und das kann niemand vor Ort gebrauchen.“

Untereinander würde es bei den Gänsen keine Probleme geben. „Sie akzeptieren sich“, fasst Tinat zusammen. „Die Nilgänse sind etwas aggressiver, und eigentlich sind beide Nahrungskonkurrenten, aber sie halten es nebeneinander aus. Also einen Kampf habe ich zwischen beiden noch nicht gesehen.“ Leider sei es mittlerweile normal, die Tiere zu füttern. „Die freut es natürlich, weil sie dann nicht mehr so lange suchen müssen.“ Unnötig sei es aber insofern, als dass die Vögel in der Natur genug Nahrung finden. „Deshalb kann ich nur hoffen, dass es sich herumspricht, dies bitte zu unterlassen“, sagt Tinat.

VON PATRICK EICKHOFF

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare