Ein Platz für Kinder und Mütter

Laura Single unterstützt mit „Malaika Africa“ ein Hilfs-Projekt in Tansania

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Ein Lächeln für die Gäste: Der Besuch aus Deutschland ist in Malaika stets willkommen.

Der Geländewagen rollt über dunklen, glatten Asphalt. Neben der Ausfallstraße verlaufen weitere Straßen für Anwohner und Kunden der kleinen Läden, für Radfahrer und die vielen Fußgänger. 

Obertshausen  / Arusha – Bananenstauden, Palmen und andere Bäume mit dunkelgrünem Blattwerk säumen den Weg, den ein Motorradfahrer mit einer staubigen Maschine weist. Ziel ist das Dorf Malaika, was „Engel“ auf Suaheli bedeutet. Und das zugleich eine Hilfsorganisation in der tansanischen Serengeti ist, die Laura Single aus Obertshausen mitgründete.

Inzwischen hat der Wagen mit den Mzungu, den Weißen, Arusha verlassen. Allerdings nicht Richtung Osten, wo es „normale“ Tansania-Touristen hin zum Kilimandscharo zieht, sondern hinein in die Serengeti. Nach einem Kreisel im Niemandsland geht’s auf einer festen Schotterpiste weiter. Die schlicht gemauerten Gebäude zwischen den Bäumen ziert die knallbunte Reklame der Mobilfunkanbieter. Eine junge Frau in ebenso farbenfrohen Gewändern hält sich ein Smartphone ans Ohr, ein Junge in verschlissenen Hosen treibt eine Herde Ziegen vor sich her, ein junger Mann schiebt ein mit Säcken überladenes Fahrrad über die Piste.

Farben der Massai 

Die Besucher um die Obertshausenerin Laura Single kommen von einem Marktplatz mit hölzernen, improvisierten Ständen. Die sogenannte Straße wird schmäler, holpriger, die Behausungen der Bewohner weniger. Fast noch eine Stunde führt die Reise die Besucher über staubige, holprige Feldwege, bis Malaika sichtbar wird: ein Platz mit einem Zaun drum und einem kleinen Gebäudekomplex drauf. Davor stehen fast 40 Mädchen und Jungen in den blauen Hemden und olivfarbenen Röcken und Hosen ihrer Schuluniform, dahinter Frauen mit langen Kleidern und Umhängen in kräftigen Farben und Mustern, wie es die Massai lieben.

Frischgebacken kommen die kastenförmigen Mandasi aus dem neu angeschafften Ofen. 

Vermutlich warten sie so schon länger auf ihre Gäste, aber was ist schon eine Stunde in der Weite der Savanne. Und bei gut 30 Grad im Schatten. Die Kinder singen aus Leibeskräften fröhliche Melodien, auch die Frauen schmettern Lieder. Daneben umarmen sich Gäste und Gastgeber herzlich. Laura Single kommt regelmäßig zu Besuch. Die Flugbegleiterin und Entwicklungshelferin hat Soziologie und afrikanische Ethnologie studiert. Die aktive Christin aus der Waldkirche war 2013 für ein Freiwilliges Soziales Jahr in Arusha. Dabei lernte sie die Frauen Florida und Sarah kennen, die in einer umgebauten Garage Waisenkinder versorgten.

Brote aus dem nagelneuen Ofen 

Gemeinsam entwickelten sie das Projekt in Malaika. Das Gelände war bald angekauft, ein Häuschen mit winzigem Büro, Lager und Schlafraum mit Doppelbetten für ein paar wenige Kinder. Inzwischen hat sich viel getan: Stolz präsentiert Florida Mandasi, kleine, kastenförmige Brote, die sie aus dem nagelneuen Ofen holt. Den konnten Laura Single und ihre Mitstreiter vom Erlös des Stands auf dem Obertshausener Weihnachtsmarkt kaufen.

Die Mandasi sollen nicht allein die Kinder für ihren kilometerweiten Schulweg stärken, sondern auch verkauft werden. Das gilt auch für die Eier der Hühner, die schon bald auf dem Gelände gackern sollen. Vorbereitet ist zudem ein tiefer Brunnen, um Mensch und Tier mit dem lebensnotwendigen Wasser zu versorgen. Sozialarbeiterin Florida und „Mama Sarah“ wollen künftig in Seminaren die Frauen über Aids, Hygiene und gesunde Ernährung informieren.

Als „Versammlungsraum“ dienen ein paar Dutzend Monoblöcke, über den Plastikstuhl-Reihen ist ein großes Segel gespannt. Das müssen Männer, die mit dem Häuptling des Massai-Stammes gekommen sind, später ganz schnell mit langen Messern lösen, weil sich eine Windhose nähert und kräftig den roten Sand aufwirbelt. Die Mzungus machen sich derweil auf den Weg zurück in die Stadt.

Infos unter malaika-africa.info

VON MICHAEL PROCHNOW

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