Fallzahlen fast unverändert

Polizei freut sich über höhere Aufklärungsquote

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Heusenstamms Polizeichef Harry Keckeis ärgert sich vor allem über die Zahl der Sachbeschädigungen.

Gestiegen ist sie schon mal nicht, die Zahl der Fälle, die Erster Polizeihauptkommissar Harry Keckeis und seine Kollegen im vergangenen Jahr verzeichnet haben. Exakt 1103 zählt die Kriminalstatistik für 2018 und damit drei weniger als im Jahr zuvor.

Obertshausen –  Nennenwert sei dies jedoch trotzdem, erläutert der Leiter der für Obertshausen zuständigen Polizeistation in Heusenstamm. Nämlich dann, wenn man die sogenannte Häufigkeitszahl, die die Zahl der Vorkommnisse je 100 000 Einwohner hochrechnet, betrachtet. Denn auch die Einwohnerzahl der Kleinstadt mit Herz ist im selben Zeitraum um rund 250 Personen gestiegen, sodass der Rückgang etwas deutlicher werde. Gestiegen ist auch die Aufklärungsquote, die von rund 54 auf knapp 60 Prozent kletterte.

Zugleich, so Keckeis, sei zu beobachten, dass bei vielen Bürgern das Empfinden zwischen tatsächlicher und gefühlter Sicherheit auseinanderdrifte. Wie etwa beim Thema Einbruch. So verzeichnet die Statistik bei den Diebstählen aus Geschäftsräumen und Wohnungen im vergangenen Jahr einen leichten Rückgang. Zudem bleibe es inzwischen in mehr als der Hälfte der verzeichneten Fälle beim Versuch, informiert er. „Daran merkt man auch, dass immer mehr Eigentümer ihre Wohnräume inzwischen besser schützen und beispielsweise einbruchsgeschützte Fenster einbauen. Gleichzeitig gingen auch die Täter, die nicht selten aus dem näheren Umfeld stammten, teils geradezu dilettantisch vor, wie unlängst die Einbrüche bei Friseuren in Obertshausen gezeigt habe. Dabei hatte der Täter aus einem Geschäft Friseurutensilien erbeutet, die er später ausgerechnet den Mitarbeitern einer weiteren Filiale im Ort verkaufen wollte und dabei aufflog (wir berichteten).

Halbiert hat sich auch die Zahl der Diebstähle aus Fahrzeugen von 44 auf zuletzt 22 Fälle. Dafür beobachte man nun verstärkt, dass Bauteile wie Außenspiegel, Radkappen oder Markenembleme ab- und ausgebaut werden. „Alles Teile, die sich gut im Netz verkaufen lassen“, erläutert Keckeis.

Gesunken sind die Fallzahlen auch beim Diebstahl von Krafträdern – um die Hälfte auf neun – sowie bei den Fahrrädern um rund 13 Prozent auf 83 Fälle. Dabei freut den Ersten Hauptkommissar vor allem die hohe Zahl der geklärten Fälle, die mit ein paar aus dem Vorjahr bei 85 liegt. Dies liege nicht zuletzt an der Verbesserung der Videoüberwachung, etwa rund um den S-Bahnhof, erläutert er.

Weiterhin hoch waren im vergangenen Jahr allerdings jene Taten, die den erfahrenen Kriminalbeamten besonders ärgern – die Sachbeschädigungen. Diese seien meist sogenannte Sekundentaten wie abgetretene Autospiegel, eingeworfene Scheiben oder Kratzer. Vor allem Beschädigungen an Fahrzeugen stiegen 2018 um 40 Prozent auf 91 gemeldete Fälle. „Da ist auch die Aufklärungsquote gering“, sagt Keckeis. „Wir haben nur dann überhaupt eine Chance, wenn sich die Betroffenen oder eventuelle Zeugen schnell bei uns melden“, appelliert er.

Zur Vorsicht mahnt der Polizeichef auch rund um das Thema Betrug. So gebe es ständig neue Maschen. „Sie glauben gar nicht, auf was die Leute alles hereinfallen“, bedauert Keckeis. Auch „Klassiker“ wie Enkeltrick und falsche Polizisten, die Bargeld und Wertgegenstände in „Sicherheit“ bringen wollen, hielten sich hartnäckig. „Dabei kann ich wirklich nur raten, da misstrauisch zu sein, und im Zweifel lieber selbst bei der örtlichen Polizeistation anzurufen und den Fall zu melden“, sagt er.

VON THOMAS HOLZAMER

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