Einzelmeisterschaften des Turngaues Offenbach-Hanau

309 Sportlerinnen  kämpfen in Obertshausen um den Sieg 

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Hochkonzentriert absolvieren die jungen Mädchen ihre Übungen an den verschiedenen Geräten während der Einzelmeisterschaften des Turngaues Offenbach-Hanau.

Turnen ist oft Mädchensache. Nur wenige männliche Talente üben sich in diesem Sport, entsprechend groß sind die Wettbewerbe für weibliche Aktive.

Obertshausen – Exakt 309 junge Sportlerinnen messen sich daher bei den Gau-Einzelmeisterschaften des Turngaues Offenbach-Hanau in der Sporthalle Rodaustraße an Barren, Boden, Balken und im Sprung.

Norbert Heil strahlt. Der Trainer der Turngemeinde Obertshausen (TGO) ist sehr zufrieden mit „seinen“ Schülerinnen. Beim Pferdsprung gibt Annika Faust im schwarz-weißen Trikot des Vereins gerade eine besonders gute Figur ab, holt 16,45 von 17 möglichen Punkten. Klar, für Stuttgart reicht das nicht – dort finden im Oktober die Weltmeisterschaften statt. Die Vereine in der Region fühlen sich dem Breitensport verpflichtet, erläutert Steffi Häfner.

Die Vorsitzende der Turnerjugend im Gau und Fachbereichsleiterin Geräteturnen freut sich über hohe Motivation und die guten Ergebnisse auf regionalem Niveau. Diesmal haben sich etwas weniger Aktive als in den vergangenen Jahren angemeldet, Steffi Häfner führt das auf den neuen Startpass zurück. Über einen solchen muss inzwischen jede Turnerin verfügen, er wird – ähnlich wie bei den Fußballern – mit einer Jahresmarke versehen, schildert die Sprecherin.

Wer auf Hessen-Ebene antreten möchte, müsse den Anforderungen der Leistungsklasse genügen. Am Barren bedeute das etwa einen Holmwechsel, in der Leistungsklasse zwei werde ein „Flugelement“ erwartet. Am Boden sei für die Stufe P5 eine Rolle vorwärts vorgesehen, ein Handstand, abrollen, eine halbe Drehung auf einem Bein, Rad, Rückwärts-Rolle und Spreizsprung. Jede Übung habe eine bestimmte Wertigkeit. Zehn Punkte gebe es für eine gelungene Übung plus maximal die Zahl der Gruppe – bei P5 also 15.

Die Organisatoren haben an jedes Gerät ein doppeltes Kampfgericht gestellt, was die Abläufe flüssiger gestaltet, zeigt die Vorsitzende. Trotzdem müssen die Kandidatinnen in strenger Haltung geduldig vor den Richterinnen verharren. Die Schwarz-weißen sind mittlerweile am Barren angelangt. Nach einer knappen Verneigung wendet sich die Turnerin dem Gerät zu.

Sie springt auf das untere Holz, stemmt sich mit den Armen auf das obere, schwingt ein paar Mal hin und her und mit gespreizten Beinen nach vorne. Beim Absprung bemühen sich die jungen Frauen um einen akuraten Stand mit erhobenen Armen. Das gelingt auch der Obertshausenerin, erleichtert lächelt sie und wird von den Freundinnen mit offenen Armen aufgenommen.

Alle Starterinnen wirken sehr konzentriert. Dass nebenan am Barren geprüft wird und von der Mitte der Halle immer wieder flotte Melodien vom Bodenturnen herüber dringen, scheint nicht zu stören. Und auch im Einzel-Wettbewerb wirkt der Zusammenhalt der Mannschaft, die jeden Auftritt gespannt verfolgt. Manche Gruppen schleppen riesige Kuscheltiere von einem Gerät zum nächsten – als Talismane. Doch auch sie wissen, dass allein intensives Training zum Erfolg führt.

Die ganz Großen ihrer Disziplin stehen täglich zweimal in der Halle, erläutert Steffi Häfner. Doch davon sind die Mädchen in der Halle weit entfernt – zum Glück, finden nicht nur die Eltern. Das Turnen habe nicht an Beliebtheit verloren, allein die Schule erschwere die Arbeit der Vereine. Die Schüler haben kaum noch frei verfügbare Zeit. Noch schwieriger sei es, Trainer zu finden. Durch Ausbildung und Beruf seien viele treue Mitglieder nicht mehr verfügbar.

Von Michael Prochnow

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