Von Einbahnstraßen und Erziehung

Auf Streife mit der städtischen Ordnungspolizei

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Halt an der B 448: Alle 14 Tage laden Thorsten Manus (links) und sein Kollege Jan Messow die Bilder der Geschwindigkeitsmessanlage zur Auswertung herunter.

„Da kommt schon der nächste“, sagt Thorsten Manus und deutet auf den quietschgelben Fiat, der den beiden Ordnungspolizisten entgegenkommt – gegen die Fahrtrichtung der Einbahnstraße.

Obertshausen – An der Kreuzung kurz vor ihnen biegt der Kleinwagen ab, Manus schaltet das Blaulicht an und einige Meter weiter halten sie das Auto an. Sie komme von außerhalb und habe einen Arzttermin, sagt die ältere Dame. Dass sie inzwischen gleich an mehreren Verkehrszeichen vorbeigefahren ist, die auf die aktuelle Einbahnstraßenregelung rund um Birkenwald- und Schubertstraße hinweisen, sei ihr gar nicht aufgefallen. Kein Einzelfall, berichtet Manus Kollege Jan Messow. In diesem Fall belassen es beide bei einer Belehrung. „Das liegt in unserem Ermessensspielraum, solange es sich nur um eine Ordnungswidrigkeit handelt“, erläutert Manus. Zumal die Ermahnte in diesem Fall die Unachtsamkeit offensichtlich bedauere.

Leider erleben er und seine drei Kollegen im Außendienst das immer öfter genau andersherum. Ein respektvoller Umgang miteinander fehle zunehmend. „Von Beschimpfungen bis Angriffen ist da alles dabei“, berichtet Jan Messow. „Unserem Kollegen haben sie dabei auch schon mal das Hemd zerrissen:“ Manus ergänzt: „Sicher, dass wir nicht bei jedem beliebt sind, liegt natürlich in der Natur unseres Jobs.“ Frustrierend sei der vor allem immer dann, wenn er und seine Kollegen für Dinge verantwortlich gemacht werden, auf die sie gar keinen Einfluss haben.

„Man kann die Leute immer schwerer einschätzen“, bemerkt Manus. Sei es der große und auf den ersten Blick bedrohlich wirkende Kerl, der den Beamten gelassen und höflich begegnet, oder der ältere Herr, der wegen eines Knöllchens im Halteverbot Anstand und Erziehung komplett vergisst und sie mit wüsten Beschimpfungen angeht.

Das gilt beinahe jedes Mal, wenn Manus und Messow an einer Tür klingeln. Auch an diesem Tag haben sie eine lange Liste mit Adressen dabei, die im Laufe der Streifentour abzufahren sind. „Das Meiste sind Ermittlungsaufträge für andere Behörden“, erläutert Manus. Dabei handelt es sich in der Regel um Adressen- oder Fahrerermittlungen. „Beispielsweise wenn ein behördliches Schreiben nicht zugestellt werden kann, weil die Adressaten umgezogen sind, aber sich nicht umgemeldet haben“, informiert Jan Messow. Dann müssen sie an der letzte Adresse nachsehen, die Nachbarn befragen und dies nicht selten mehr als einmal. „Das kostet natürlich viel Zeit, die uns an anderer Stelle fehlt“, sagt er. Dazwischen klingelt immer wieder das Handy und die Kollegen aus dem Innendienst geben weitere Aufträge durch.

So etwa über jenen Autobesitzer, der seit einiger Zeit ohne TÜV-Plakette unterwegs ist und über den sich Nachbarn bereits mehrfach beschwert haben. „Da waren wir schon mal“, erinnert sich Messow. Da hatten sie einen Mängelhinweis auf die Windschutzscheibe geklebt. Davon hat sich der Besitzer offensichtlich wenig beeindrucken lassen und den knallroten Aufkleber einfach abgekratzt, ohne die Betriebserlaubnis erneuern zu lassen. Das Auto finden die beiden am Straßenrand abgestellt, vom Besitzer, der im Haus gleich daneben wohnt, fehlt jedoch jede Spur. Er bekommt nun Post und die Tour geht für die Ordnungspolizisten weiter.

Weit kommen sie jedoch nicht, denn keine 100 Meter weiter im Hasenwinkel steht ein KIA an einer engen Stelle im Halteverbot. „Oft werden wir dabei von Passanten angesprochen und gleich auf den nächsten Fall hingewiesen.“

Zusätzlich müssen die Mitarbeiter des städtischen Ordnungsamts auch gemeinsame Verkehrsaktionen mit der Polizei, Gaststättenkontrollen und eine Vielzahl anderer Aufgaben erfüllen. Und auch ein Besuch der Blitzer an der B 448 gehört diesmal dazu – natürlich nicht ohne Absicherung und Warnweste auch für den Zaungast von der Zeitung. Die Fotos laden wir in der Regel alle zwei Wochen runter“, erläutert Thorsten Manus und verbindet die Anlage mit dem Laptop. Rund 400 Fotos sind es diesmal allein in Fahrtrichtung Offenbach. Wobei ein nicht unbeträchtlicher Teil davon wegfalle, da es sich dabei um Einsatzfahrten von Polizei und Rettungsdiensten handele, ergänzt sein Kollege. Mit den Bildern im Gepäck geht es zurück ins Büro. „Die spielen wir dann ins System ein und die Kollegen kümmern sich um die Auswertung.“ Und die Zeit, die der Rechner für die Übertragung braucht, nutzen sie, um im Büro die nächste Tour zu besprechen. Ein ganzer Stapel mit Verwaltungs-Aufträgen liegt schon wieder bereit.

VON THOMAS HOLZAMER

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