FDP will Möglichkeiten prüfen

Zuhause über dem Discounter: Potenzial für neuen Wohnraum

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Aldi, Lidl und dm: Die Dächer der drei Märkte im Gewerbegebiet an der Feldstraße könnten potenziell Platz für neuen Wohnraum bieten.

Unten einkaufen, oben schlafen – die Idee ist sicherlich nicht neu. Doch was etwa bei den City-Filialen vieler Supermärkte und Discounter in Deutschlands Großstädten längst die Regel ist, könnte auch in kleineren Gemeinden Schule machen.

Obertshausen – Denn auf der Suche nach zusätzlichem Platz für dringend benötigen Wohnraum bietet der Blick nach oben, also die Aufstockung bestehender Gebäude, enormes Potenzial. Das finden auch Obertshausens Freidemokraten und möchten den Magistrat beauftragen, zu prüfen, welche eingeschossigen Gebäude mit Einzelhandelsnutzung im Stadtgebiet für ein solches Vorhaben geeignet wären. Und ob je nach Standort das Baurecht eine solche Möglichkeit gestatte. Ziel der Prüfung, so erläutert FDP-Fraktionsvorsitzende Elke Kunde in der Sitzung des Ausschusses Umwelt, Verkehr und Bauen, sei aufgrund der Ergebnisse mit den jeweiligen Eigentümern die Machbarkeit einer solchen Idee ausloten zu können.

Keine neue Idee in Obertshausen

Neu sei die Idee auch in Obertshausen nicht. „Das war vor Jahren schon einmal Thema, als es um die Aufstockung des Marktplatz-Obertshausen-Geländes für ein Kreishaus ging“, erinnert sie. Die Prioritäten hätten sich inzwischen in Richtung Wohnungsbaus verlagert. Dazu verweist die FDP-Fraktion auf eine Studie der TU Darmstadt zum Thema „Wohnraumpotenziale in urbanen Lagen“, die das Potenzial auf bundesweit rund zwei Millionen zusätzliche Wohnungen schätzt.

Dabei gelte es jedoch, auch die Vorgaben des Baurechts zu beachten, die sich inzwischen geändert haben, gibt Erster Stadtrat Michael Möser zu bedenken. So liegen etwa die in Frage kommenden Filialen von Aldi, Lidl, Penny und Co. allesamt in Gewerbegebieten. Dort sei eine Wohnbebauung nach dem Baurecht nicht zulässig. Die beispielsweise an der Feldstraße gelegenen Wohnhäuser stammten aus einer Zeit, als das Baurecht dies noch zugelassen habe und genießen dadurch Bestandsschutz, ergänzt er.

Wohnbebauung im Gewebegebiet unzulässig

Zudem müsse man auch die vorhandene Infrastruktur beachten. Bereits jetzt finde an vielen Stellen im Ort eine Nachverdichtung statt, auf die die Stadt nur begrenzt Einfluss nehmen könne. Dabei sei beispielsweise zu berücksichtigen, wie viel Verkehr einzelne Gebiete vertragen.

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Ähnlich sieht man es bei den Bürgern für Obertshausen. Man müsse sich Gedanken machen, an welchen Stellen zusätzlicher Wohnraum sinnvoll und gewollt sei, erläutert deren Fraktionsvorsitzender Rudolf Schulz. Die Frage sei auch, ob sich die zukünftigen Bewohner über einem Supermarkt wohlfühlen würden, denn dieser müsse regelmäßig durch Lkw beliefert werden, erinnert Christel Wenzel-Saggel (Bündnis 90 / Die Grünen).

Das will man bei der FDP jedoch nicht gelten lassen. „Wir wollen zusätzlichen Wohnraum, aber wollen nichts zubauen“, kritisiert Fraktionsmitglied Axel Kuhn. „Einen Tod müssen wir sterben“, ist er sich sicher. Weiteren Gesprächsbedarf gibt es indes bei den übrigen Fraktionen, eine Beschlussempfehlung für ihre Kollegen in der Stadtverordnetenversammlung geben die Ausschussmitglieder somit nicht.

Von Thomas Holzamer

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