Was tun, wenn jemand Hilfe braucht?

Im Zweifel die 110 wählen

Obertshausen - Wo fängt Hilfe an und wann ist Nicht-Hilfe unterlassene Hilfeleistung? An wen wenden, wenn man auf der Straße plötzlich um Hilfe gebeten wird? Nicht jeder weiß, mit Notfällen umzugehen. Eine Leserin wandte sich mit einem Erlebnis an unsere Zeitung. Von Ronny Paul 

Frank Naujoks, ärztlicher Leiter des Kreis-Rettungsdienstes, und Gregor Fanroth, stellvertretender Leiter der allgemeinen Gefahrenabwehr des Kreises, geben anhand des geschilderten Falles Hinweise, wie zu handeln ist.

Unterwegs zu einem abendlichen Termin winken der Leserin an einer Straßenkreuzung zwei ältere Damen zu. Sie hält an und sieht, wie die beiden einen 90-jährigen Mann stützen, der kraftlos wirkt und nicht imstande scheint weiterzulaufen. Die Frauen bitten sie, den Mann, der nur 300 Meter weiter wohnt, nach Hause zu fahren. Er habe seinen Ausflug überschätzt. „Ich habe, da nur Platz für einen Mitfahrer in meinem Auto ist, nicht helfen können“, erklärt die Obertshausenerin, die ihren Namen, weil sie sich so hilflos gefühlt habe, nicht genannt sehen möchte. Beim Senior ist zuhause auch niemand erreichbar, weswegen die Frau einen Taxifahrer herbeiwinkt. Der fährt allerdings weiter, ohne zu helfen. Ein weiterer Autofahrer hält schließlich an, hievt den Mann mit der Frau ins Auto. Sie fährt hinterher, um ihn vor seiner Haustür gemeinsam wieder aus dem Pkw zu heben.

Was hätte ich tun können?

Unsere Leserin bedrückten danach etliche Fragen: „Hätte ich die 112 rufen können, die Caritas, das Rote Kreuz? Oder einfach weiterfahren, weil ich nicht hätte helfen können? Wäre das unterlassene Hilfeleistung gewesen?“ Auch in ihrem Freundeskreis seien die Meinungen stark auseinandergegangen. Sogar so weit, dass man ihr geraten habe, als Frau niemals im Dunkeln anzuhalten.

Fanroth lobt: „Im geschilderten Fall war es absolut richtig von ihr anzuhalten.“ Das Schlimmste sei, keine Hilfe zu holen. Der Taxifahrer müsse schon gute Gründe zur Weiterfahrt gehabt haben, ansonsten sei das unterlassene Hilfeleistung. „Der erste Schritt, sofern nicht klar ist, ob der Mann akute gesundheitliche Probleme hat: Die 110 anrufen.“ Die Polizei untersuche den Mann vor Ort und entscheide dann, ob er medizinische Hilfe benötige. In so einem Fall werde die 112 hinzugerufen, die den Mann vor Ort versorge und bei Bedarf ins Krankenhaus bringe. Sei der Mann körperlich stabil, würden die Polizeibeamten ihn nach Hause fahren und sich vergewissern, dass er dort alleine zurechtkommt, erklärt Fanroth. „Wichtig ist, aufmerksam sein, gucken was zu tun ist und Hilfe holen“, rät er. „Und immer da bleiben, bis Hilfe eingetroffen ist.“

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Sollte es dem Mann sichtbar schlecht gehen, empfiehlt Naujoks, sofort die 112 zu verständigen: „Die Sanitäter verschaffen sich einen Überblick, geben im Notfall telefonische Anweisungen, bis Einsätzkräfte vor Ort eintreffen.“ Der ärztliche Leiter weiter: „Ist der Mensch bewusstlos, sofort Wiederbelegungsmaßnahmen einleiten: „Lieber ein paar gebrochene Rippen riskieren als einen toten Menschen.“ Naujoks ergänzt: „Man kann nichts Schlimmes anrichten.“ Es gelte nicht der Spruch: Wer bestellt, bezahlt, stellt er klar: „Dem Notrufzeugen entstehen keine Kosten.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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