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Fast wie eine Blutbahn: Maingau Energie gewährt Einblick in das Gasnetz

Ein Labyrinth aus Rohren: Sowohl die gelben als auch die grünen Rohre bilden jeweils eine Übergabestation.
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Ein Labyrinth aus Rohren: Sowohl die gelben als auch die grünen Rohre bilden jeweils eine Übergabestation.

Von der Wurstküche bis zur Leichenhalle. In den kommenden Wochen werfen wir in loser Reihenfolge einen Blick in Räume und auf Orte, zu denen nicht jeder Zutritt bekommt. Heute gewährt Georg Haß, Technischer Leiter des Obertshausener Energieunternehmens Maingau Energie, Einblicke in eine Gasübergabestation und erläutert, wie das Unternehmen seine Kunden beliefert.

Obertshausen – Große gelbe, grüne und graue Rohre schlängeln sich durch das Innere der Station – vom Boden bis hinauf zur hohen Decke zieht sich das Rohrlabyrinth und bringt das durchfließende Gas zu seinem Bestimmungsort.

Das Netz der Maingau Energie ist vergleichbar mit einer Blutbahn. Das sogenannte Hochdrucknetz schließt dabei einen Ring über eine Länge von ungefähr 75 Kilometern. Es ist – stark vereinfacht – vergleichbar mit der Hauptschlagader. An dieses Netz sind insgesamt drei sogenannte Übergabestationen angeschlossen.

Zwei dieser Übergabestationen befinden sich in Rodgau-Jügesheim, eine weitere in Lämmerspiel. Innerhalb einer solchen Station übergeben die Lieferanten ihr Gas an die Maingau – daher der Name Übergabestation. „Das besondere bei der Maingau ist dabei, dass wir eine redundante Anlieferung haben“, erläutert Haß. Das bedeute, dass man eine Lieferung an den Kunden immer sicherstellen könne, da es stets eine Absicherung gibt. „Kann ein Lieferant nicht die nötige Menge liefern, können wir immer noch auf einen zweiten zurückgreifen“, sagt der Technische Leiter.

Das Gas wird mit einem Druck zwischen 60 bis zu 80 bar – je nach Lieferant – angeliefert. Innerhalb der Übergabestation wird es noch einmal gefiltert und erwärmt, da anschließend der Druck auf etwa 12 bar verringert werden muss. Hintergrund ist der sogenannte Joule-Thomson-Effekt, bei dem sich das Gas, wenn sich der Druck verringert, abkühlt.

Ist der Druck gesenkt, kann dem Gas ein Duftstoff zugesetzt werden – es wird odoriert. Dies hat den Grund, dass man potenzielle Gaslecks über den Geruch schnell bemerken kann. „Laut Hersteller wird der Duftstoff ab 3 Milligramm pro Kubikmeter bereits wahrgenommen – wir nehmen aber 4,8 Milligramm“, berichtet Haß und stellt klar, dass die Sicherheit der Kunden wichtiger sei.

Kompetenter Führer: Georg Haß arbeitet seit 20 Jahren in der Branche.

Im Anschluss werden die Gase der Lieferanten gemischt und der Brennwert des Gemischs durch den Prozess-Gaschromatographen gemessen. Dies ist sehr wichtig, da dieser Brennwert das ist, was den Kunden in Rechnung gestellt wird.

Das odorierte und unter dem Druck von 12 bar stehende Gas wird anschließend in das Mittel- beziehungsweise Niederdrucknetz geschickt.

Um in das Mitteldrucknetz, das fünf Kilometer lang ist, gespeist zu werden, muss das Gas auf 700 Millibar gedrosselt werden. Insgesamt gibt es in dem Belieferungsgebiet der Maingau Energie, das zusammen um die 17 500 Haushalte umfasst, zwei Gebiete, die über ein solches Netz verfügen: das Gewerbegebiet an der Heusenstammer Straße in Obertshausen und der Dudenhofer Gewerbegebiet in Rodgau.

Das Niederdrucknetz hingegen umfasst insgesamt zirka 580 Kilometer und hat einen Druck zwischen 50 und 90 Millibar. Insgesamt ist es mit 61 Stationen verbunden, die das Gas in die einzelnen Haushalte liefern. Um den Vergleich mit der Blutbahn erneut heranzuziehen: Das Niederdrucknetz ist also vergleichbar mit den Kapillaren, die das Blut bis in die Spitzen der Organe und Glieder transportieren. Zusätzlich zu den erwähnten 61 Stationen, gibt es noch zehn weitere, die sich zwar in Privatbesitz befinden, aber trotzdem von der Maingau betreut werden.

Die meisten ihrer Arbeiten übernimmt die Maingau Energie zudem selbst, was laut Haß, für einen Versorgungsbetrieb ungewöhnlich ist. „Wir verlegen 90 Prozent unserer Rohre selbst“, sagt der Technische Leiter. Aus diesem Grund brauche man stets qualifiziertes Personal, da die Maingau über die höchste Zulassung für einen Schweißereifachbetrieb verfüge. „Die Schweißer werden halbjährlich überwacht und müssen alle drei Jahre eine Prüfung ablegen“, schildert Haß die hohe Qualifikation, die seine Mitarbeiter mitbringen müssen. Daher freut sich die Maingau Energie auch stets über fähige Bewerber, die Teil des Teams werden wollen. (Von Jan Max Gepperth)

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