HINTER DEN KULISSEN

Wünsche werden möglichst erfüllt: Zu Gast bei Bestatter Otmar Becker und Katrin Faltus

Vater und Tochter: Otmar Becker und Katrin Faltus leiten den Familienbetrieb.
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Vater und Tochter: Otmar Becker und Katrin Faltus leiten den Familienbetrieb.

Von der Wurstküche bis zur Leichenhalle. In den kommenden Wochen werfen wir in loser Reihenfolge einen Blick in Räume und auf Orte, zu denen nicht jeder Zutritt bekommt. Heute gewähren uns Otmar Becker und seine Tochter Katrin Faltus Einblick in die Arbeit eines Bestattungsunternehmens.

Obertshausen – Otmar Becker Bestattungen ist ein Familienunternehmen und besteht bereits seit 1876. „Damals war es noch eine Schreinerei“, erläutert Becker. „So etwas wie ein Bestattungsunternehmen gab es damals noch nicht.“ Heutzutage umfasst der kleine Familienbetrieb zehn Mitarbeiter. Neben Faltus und Becker arbeiten noch Marlies Groh und Robert Sparr im Büro. Weitere drei Mitarbeiter sind im Außendienst tätig und erledigen beispielsweise Überführungen, Trauerfeiern oder Friedhofsarbeiten. Zudem beschäftigt die Firma drei Aushilfskräfte.

Wenn ein Mensch verstirbt, nehmen meist die Angehörigen Kontakt zum Bestattungsunternehmen auf. Dabei spiele die Uhrzeit keine Rolle, wie Beckers Tochter berichtet. „Es kommt auch schon vor, dass der Anruf nachts oder am frühen Morgen erfolgt“, sagt Faltus.

Wenn ein Mensch gerade zu Hause verstorben ist, muss das Bestattungsunternehmen auf den Arzt warten, der den sogenannten Leichenschauschein ausstellt. „Erst dann dürfen wir die Leiche zu uns überführen und einstellen“, schildert Katrin Faltus den Ablauf. Einstellen bedeutet, dass der Leichnam in einer der insgesamt acht Kühlzellen aufbewahrt wird.

Todeszeitpunkt spielt bei Bestattungsart eine Rolle

Im Anschluss erfolgt das Trauergespräch mit den Angehörigen. Dabei werden Personalien des Verstorbenen aufgenommen wie die Religion oder die Anzahl der Kinder, aber auch zahlreiche organisatorische Dinge geklärt. „Wir fragen dann beispielsweise ab, wie viele Sterbeurkunden vom Standesamt ausgestellt werden müssen“, berichtet die Geschäftsführerin. „Ohne Sterbeurkunde kann man nämlich niemanden abmelden.“

Abgemeldet werden muss der Verstorbene beispielsweise von der Renten- oder der Krankenkasse. Dies sind alles Wege, die das Bestattungsunternehmen für die Hinterbliebenen erledigt. Des Weiteren müssen auch die Formalitäten und Wünsche für die Beerdigung an sich geklärt werden. Das beginnt mit der Frage der Bestattungsart, über die Auswahl des Sarges oder der Urne bis hin zur Gestaltung der Trauerfeier. „Wir versuchen auf möglichst alle Wünsche einzugehen“, sagt Faltus.

Bei der Entscheidung, welche Bestattungsart in Frage kommt, spielt der Todeszeitpunkt eine wichtige Rolle, wie Vater und Tochter erläutern. So dürfe eine Erdbestattung nur maximal eine Woche nach dem Tod erfolgen. Bei einer Feuerbestattung sei die Zeitspanne größer. Zudem ist eine Erdbestattung ein höherer Aufwand, wie Becker beschreibt. „Alle Friedhofsarbeiten, wie das Öffnen und Schließen des Grabes werden komplett von uns durchgeführt“, sagt er. Da sein Unternehmen über entsprechende Maschinen verfügt, gehört der Familienbetrieb zu den wenigen, die solche Aufgaben nicht extern vergeben müssen.

Rücksicht auf Bedürfnisse der Angehörigen sei wichtig

Bevor der Leichnam eingesargt wird, haben die Hinterbliebenen im Normalfall die Möglichkeit den Verstorbenen noch einmal in der firmeneigenen Trauerhalle zu sehen.

Wenn die Angehörigen den Toten sehen möchten, bereitet der Betrieb den Leichnam auf und macht ihn etwas ansehnlich. „Das machen wir jedoch nur auf Wunsch“, stellt Becker klar.

Bei einer Erdbestattung besteht zudem die Möglichkeit, dass der Verstorbene die Lieblingskleidung angezogen bekommt. „Ich kann mich erinnern, dass einmal der Wunsch bestand, dass eine Verstorbene pinke Fingernägel bekommt“, erinnert sich Katrin Faltus, die diesen Wunsch erfüllt hatte.

Generell sei es dem Unternehmen sehr wichtig, auf die Bedürfnisse der Angehörigen Rücksicht zu nehmen. Daher habe man auch eine eigene Trauerhalle, die den Hinterbliebenen zur Verfügung stehe. „Das wichtigste ist, dass die Leute hier an keine Zeit gebunden sind“, stellt Otmar Becker klar. „Es gab es schon, dass Angehörige zwei Stunden hier saßen und einfach Abschied genommen haben.“

Auf diesen Freiraum und die Anpassung an die Wünsche der Angehörigen, sollte ein Bestatter große Rücksicht nehmen, findet Katrin Faltus und sagt abschließend: „Eine Trauerfeier ist etwas Einmaliges – da darf nichts schief gehen.“ (Von Jan Max Gepperth)

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