Vorzüge eines Familienunternehmens

Wenn Umsicht Erfolg verspricht

Familienunternehmen in der siebten Generation: Geschäftsführer Frank Becker kann auf 200 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Heute ist Holzland Becker Deutschlands größter Holzfachmarkt. Foto: p
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Familienunternehmen in der siebten Generation: Geschäftsführer Frank Becker kann auf 200 Jahre Firmengeschichte zurückblicken. Heute ist Holzland Becker Deutschlands größter Holzfachmarkt.

Am Beispiel von Holzland Becker lassen sich die Vorzüge eines Familienunternehmens aufzeigen. Das Streben nach langfristiger Sicherung der Firma zwingt zu vorsichtigem und ausbalanciertem Handeln in einer Einheit mit Risiko und Haftung. Geschäftsführer Frank Becker hat das Prinzip zum Erfolg geführt.

Obertshausen – Holzland Becker in Obertshausen, nach eigenen Angaben Deutschlands größter Holzfachmarkt, blickt auf eine in 200 Jahren von sieben Generationen gepflegte Tradition zurück. Geschäftsführer Frank Becker nennt denn auch im Gespräch anlässlich des runden Geburtstages konsequent und schlüssig vor allem die Vorzüge eines mittelständischen Familienunternehmens als Grund für dessen Überleben im Haifischbecken voller Baumarkt-Konzerne und Online-Portale.

Und er lenkt zugleich den Blick mit einer ungewöhnlichen wie mutigen Aussage aufs nächste runde Jubiläum: „Das werden wir beziehungsweise unsere Nachkommen nicht feiern können, wenn es uns nicht gelingt, unser Geschäftsmodell immer wieder neu zu erfinden. Sonst ist unsere Firma in ein paar Jahren nur noch Durchschnitt und in zehn Jahren weg vom Fenster.“

Die glasklare, ungeschönte Analyse passt zu Frank Becker, der Region und Fachwelt schon 2012 verblüffte, als er das riesige und für die damaligen Holzland-Geschäftsvolumina viel zu große Honda-Gelände in Offenbach als Lager- und Bürostandort erwarb. Becker: „Gesucht habe ich damals nach einer Halle mit etwa 4000 Quadratmetern, da kam das etwa zehnmal größere Honda-Gelände auf den Markt. Das war auf den ersten Blick einige Nummern zu groß für uns. Bei dem dann aufgerufenen Preis habe ich es trotzdem gekauft. Dieses Risiko wäre kein anderer Holzhändler eingegangen. Ich als allein haftender Familienunternehmer habe da freier agieren können.“

Letztlich hat sich Beckers Risikobereitschaft auch bei vorangegangenen Standort-Investitionen ausgezahlt. Die inzwischen etwa acht Fußballfelder großen Lagerflächen in Offenbach und Obertshausen werden fürs stark gewachsene Geschäft benötigt, um gegenüber der Konkurrenz die riesige Sortimentstiefe auszuspielen. Ein Beispiel: 800 Sorten Parkett hat Holzland Becker auf Lager, der durchschnittliche Baumarkt etwa 50 Sorten. Das sind Welten. Als die beiden wichtigsten Warengruppen neben den Böden führt Frank Becker Innentüren und Holz im Garten wie Zäune, Terrassendielen und Gartenhäuser an.

Die einzige Konstante sei der Wandel, sagt Becker und belegt das mit der Unternehmenshistorie: Zimmerei, Sägewerk, Paneelproduktion, Holzgroßhandel, dann zusätzlich Holzeinzelhandel und obendrauf Onlineshops. Der rote Faden im Holzhandel, beginnend in den 80er Jahren: Baumärkte, SB-fähige Produkte wie Fertigparkett, Normtüren (Holzeinzelhandel). Seit 15 Jahren entwickelt sich der Gesamtmarkt hin zu Onlineshops, wobei Frank Becker davon überzeugt ist, langfristig mit dem Unternehmen nur überleben zu können, wenn Online- wie Offline-Marktmechanismen beherrscht werden. Den aktuellen Online-Anteil am Geschäft beziffert er mit „gesunden 50 Prozent“. Damit das stationäre Geschäft auch eine Zukunft hat, setzt Becker in seinen Fachmärkten unter anderem auf eine bessere Präsentation der Ware, eine kompetente und eine Orientierung gebende Beratung im intransparenten Preis- und Qualitätsdschungel austauschbarer Angebote und auf individuell zugeschnittene Lösungen.

Neben der preissenkenden Einkaufsmacht ist „der strategisch günstige Einkauf einer unserer Erfolgsfaktoren“, sagt Becker. Ungeachtet dessen gelte es, stationär aus dem Preisvergleich herauszukommen, indem auf Eigenmarken, seltene Sortierungen und Sonderposten gesetzt werde.

Das alles müsse auch eine gewisse Experimentierfreude begleiten, indem auch Angebote außerhalb des Holzsortiments getestet würden. Becker verweist dabei auf die Megatrends zum Laminat vor 25 Jahren, zu WPC-Terrassendielen vor zehn Jahren und zu Vinylböden oder Bambusparkett heute. Becker zur Entwicklung von Geschäftsmodellen: „Die meisten Projekte werden komplexer und teurer, aber wir haben sowieso keine Alternative. Abwarten ist die schlechteste Option. Wir müssen nur versuchen, etwas mehr gute als schlechte Entscheidungen zu treffen. Und selbst das ist schon schwer genug.“

Aber Becker ist guten Mutes, als gut geführtes Familienunternehmen auch weiterhin die Vorteile gegenüber Großkonzernen oder Start-ups ausspielen zu können. „Wir vergleichen unser Handeln mit dem deutschen Wald, für den das Prinzip der Nachhaltigkeit gilt. Nur wer das Gleichgewicht von Einschlag und Aufforstung wahrt, garantiert einen langfristig gesunden und ertragreichen Wald für folgenden Generationen. Und so wollen wir unser Unternehmen gut aufgestellt an unsere Kinder und Enkel weitergeben.“ Das sei eben langfristig in Generationen gedacht, nicht in Quartalen, so Becker, der sich um seine Nachfolge keine Sorgen zu machen braucht. Die beiden Söhne stehen bereits in den Startlöchern. Sie kennen die Bedeutung des familiären Zusammenhalts und die Last der gesellschaftlichen Verantwortung, die ein regional verwurzeltes und dem Standort über die Führung persönlich eng verbundenes Familienunternehmen zu übernehmen hat, was den Umgang mit Auszubildenden, Mitarbeitern, Lieferanten, Dienstleistern, Kunden sowie die Rolle als Sponsor betrifft.

Im Gegensatz zu Kapitalgesellschaften im Streubesitz investieren Familienunternehmer ihr eigenes Geld. Darauf spielt Becker an, wenn er sich von der Risikobereitschaft beispielsweise von Start-ups distanziert. Aufgrund der hohen Quote gescheiterter Gründer sieht Becker sein Unternehmensmodell deshalb von diesem Segment auch nicht bedroht. Die Voraussetzung für viele weitere erfolgreiche Jahre von Holzland Becker sind also gegeben.

Die ausgeprägte Liebe zum Werkstoff Holz wird vielleicht nicht ausreichen, weil ja neue Geschäftsmodelle gefunden werden müssen. Becker: „Wir reden jetzt nicht von einer großen Idee. Wir reden von vielen Dingen wie neuen Warengruppen, neuen Sortimenten, neuen Marktplätzen, die wir erst einmal im Kleinen ausprobieren. Ich werde also nicht auf die Idee kommen, dass wir in fünf Jahren Hubschrauber bauen.“

VON FRANK PRÖSE

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