Erziehung

Obertshausen: Welpenschule - Spielerisch Gehorsam lernen

Neugierig erschnüffeln die kleinen Vierbeiner, in welchen der Töpfe und Schalen die begehrten Leckerlis versteckt sind.
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Neugierig erschnüffeln die kleinen Vierbeiner, in welchen der Töpfe und Schalen die begehrten Leckerlis versteckt sind.

Huhn mit Fisch, Huhn mit Käse, Huhn mit Banane, Huhn mit Pasta. Gänseleber, Carpaccio, Hasenwürfel. „Erziehung funktioniert mit Belohnung“, lehrt Veronika Trapp. Und ihre Schüler sind nunmal keine Vegetarier. Die Sportwartin im Verein für Deutsche Schäferhunde (SV) leitet auch die Welpenstunde in der Ortsgruppe Hausen-Obertshausen. Auf dem Übungsgelände an der Badstraße vergessen die kleinen Vierbeiner für ein Leckerli alle Angst und schnuppern neugierig in Rohre, Kästen und Blumentöpfe hinein.

Obertshausen - In den bunten Geräten auf dem Rasen haben Trapp und ihr Team die begehrten Fleisch- und Wurstwürfel versteckt. „Das Spiel fördert den Einsatz des Geruchssinns“, erläutert die Fachfrau weiter. Acht Hunde im Alter ab der 12. Woche lernen sich gerade beim Toben und Tollen näher kennen.

Wochenlang durften sie nur Gassi gehen, weil Herrchen und Frauchen Abstand halten mussten. Jetzt können sie endlich ihre Artgenossen wieder ausgiebig beschnuppern. Die kleinen Racker flitzen quer über den Rasen, raufen sich und untersuchen im nächsten Moment ein buntes Plastikhütchen. Andere rennen mutig in eine Stoffröhre, ohne das Licht am Ende des Tunnels zu sehen.

Während der Platzsperre hat Veronika Trapp Anleitungen für Übungen verschickt, die Zwei- und Vierbeiner daheim praktizieren können. „Aber auf dem Platz sind sie sie aufmerksamer, finden mehr Ablenkung als zu Hause“, erläutert die Pädagogin. „Im freien Spiel sollen sie üben, mit anderen Hunden zurechtzukommen“, das fördere die Sozialisation des Nachwuchses.

„Die Rasse spielt keine Rolle, manche können sich nicht riechen, aber keiner wird ausgeschlossen“, betont die Kursleiterin. Mit ihren Assistenten Gabi Becker, Vanessa Schönfeld und Andreas Dorschu eröffnet sie den jungen Hunden reichlich Gelegenheit, Kontakte zu knüpfen. „Wenn sie durchgeimpft sind, also normalerweise mit drei Monaten, können sie zur Welpenstunde kommen.“

Manche der Kleinen sind wegen der Pandemie-Pause eigentlich schon zu alt, gehören in die Folgekurse, erläutert die Trainerin. Mit ihnen probieren sie dann Slalomlauf, bewältigen einen Parcours mit Sprüngen über Plastikfolie, Gitter, Kiesel sowie Gras und lernen, sich beim Öffnen eines Regenschirms oder neben einer fallenden Eisenkette neutral zu verhalten. Bei der nächsten Lektion gehen die Junghunde an der Leine in den Straßenverkehr, kurz mit in eine Kneipe und in die Stadtmitte. Selbst einen Tierarztbesuch simulieren die Trainer. „Dabei lernen die Hundeführer auch, ihren Lieblingen ins Maul zu schauen und mal den Finger rein zu legen, wenn der Vierbeiner etwas Schlechtes gefressen hat“, schildert die Sprecherin. In der vorerst letzten Stunde beginnen Mensch und Hund, mit Befehlen wie „Sitz!“, „Platz!“ und „Fuß!“ umzugehen. Das Tier wird abgelegt und darf erst auf Kommando wieder zu Frauchen oder Herrchen rennen.

Die Welpenstunde beim SV startet meistens zweimal im Jahr, weil der Nachwuchs zumeist im Januar, Februar oder Oktober geboren wird. Vorsitzender Ewald Renner hat auch die wirtschaftliche Situation des Vereins im Blick. „Durch die Absage von Turnieren und Prüfungen fehlt uns eine vierstellige Summe in der Kasse.“

Immerhin, die Angebote für Junghunde, Schutzdienst, Gruppentraining, Begleithunde und Welpen dürfen wieder laufen. Und alle hoffen, dass eine mögliche zweite Corona-Welle noch ein bisschen auf sich warten lässt. (Michael Prochnow)

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