Start im Waldpark für Oktober geplant

Awo informiert Eltern über neue Waldkindergarten-Gruppe 

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Die zukünftige Leiterin der neuen Gruppe, Ulrike Gunne (stehend), erläuterte den Eltern unter anderem die Bedeutung eines festen Rhythmus für die Kinder.

Obertshausen - Am 1. Oktober startet die Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Hausener Waldpark Ste. Geneviéve des Bois eine neue Waldkindergartengruppe. Die Fachbereichsleiterinnen Bianca Weinert und Ute Hemme-Unger stellten interessierten Eltern nun deren Konzept vor. Von Michael Prochnow 

Eine Frühstücksschachtel mit Eichenlaub darin, ein kleiner Rucksack, aus dem glattes Astholz ragt und an dem ein dreckiges Gummi-Sitzkissen hängt, ein Ganzkörper-Regenanzug, Tücher und Bilderbücher liegen auf dem Linoleum im Gesellschaftsraum des Bürgerhauses. Die Besucher hocken nicht in strengen Stuhlreihen, sondern im Sitzkreis um die Utensilien eines Waldkindergarten-Kinds. Mehr als 30 Mütter und Väter zeigen am Mittwochabend Interesse an dem Konzept der Waldkita.

„Wir arbeiten viel mit den Händen“, erläutert Bianca Weinert. Es sei wichtig, dass die Kleinen selbstständig aktiv sind, darum gebe es keine vorgefertigten Spielsachen, sondern Bastelmaterial aus der Natur und viel freie Zeit zum Experimentieren. „Die Impulse kommen von den Kindern, und der Wald bietet alles, was sie brauchen.“ Die speziell geschulten Erzieherinnen haben die Entwicklung ihrer Schützlinge im Blick. „Sie sind nie alleine, immer in einer Gemeinschaft“, betont die Pädagogin.

Die Natur gebe den Rhythmus vor, was wann gemacht wird, sagt Ulrike Gunne, die schon seit einigen Jahren für die Awo tätig ist. „Man kann die komplette Bildungsarbeit im Wald machen, die Stille hören, alle Sinne, die Grobmotorik und Bewegung anregen“.

Gunne wird die Leitung der neuen Gruppe im Waldpark übernehmen. Dazu kommen eine weitere Fachkraft und eine pädagogische Hilfskraft. „Die Gruppe hat einen Tages- und einen Wochenrhythmus, die Kinder begrüßen sich mit Liedern im Morgenkreis und verabschieden sich ebenso im Abschlusskreis“, schildert die Leiterin.

Um dem Nachwuchs Orientierung zu geben, seien eine Struktur, Wiederholungen und ein fester Tagesablauf nötig. So gebe es beispielsweise in der Awo-Gruppe der Nachbarstadt Heusenstamm einen Schnippeltag mit Rohkost, einen Ausflugs- oder Bachtag. Auch die Sprachförderung mit Liedern, Büchern, Spielen und Märchen sei Bestandteil der Erziehung.

Diesem Element komme eine wachsende Bedeutung zu, weil auch immer mehr Migranten ihren Nachwuchs zu den „wilden Erdbären“ & Co. schicken wollen. Der Druck bei der Suche nach einem Kindergartenplatz sei mittlerweile so stark, dass manche Sprösslinge schon gleich nach der Geburt angemeldet werden, berichtet Rudolf Schulz vom Awo-Vorstand. Diese Situation habe auch das Interesse am Waldkindergarten gesteigert.

So können Eltern das kindliche Selbstbewusstsein stärken

Für den Start liegt rund ein Dutzend Voranmeldungen vor, maximal 20 Mädchen und Jungen können aufgenommen werden. Der neue Standort werde am alten Waldfestplatz nahe der Grillhütte liegen, informierte Schulz. Die Betreuung findet wie in allen Awo-Einrichtungen von 8 bis 13 Uhr statt. Mit Mittagstisch mit vegetarischen und biologisch angebauten Zutaten geht’s bis 14 Uhr (ab Januar und fünf Euro pro Tag). In der zweiten Hälfte der Schulsommerferien ist geschlossen, das Angebot von Notgruppen sei im Gespräch. Im Winter pausieren die Kindergärten vom 23. Dezember bis zum 13. Januar.

Zwar sind die Kitabeiträge in Obertshausen abgeschafft, die Awo verlangt jedoch 250 Euro Aufnahmegebühr, die in keinem Fall zurückerstattet wird. 150 Euro müssen pro Elternteil und Jahr für den Förderverein gezahlt werden. „Bei uns laufen Projekte, die nicht von jeder Stadt gefördert werden“, informiert Schulz. Das Geld fließe auch in die Aus- und Fortbildung des Teams. Jede Gruppe werde von zwei Auszubildenden begleitet.

Über die Winterzeit brauchen sich Eltern keine Gedanken machen. „Der Organismus kann sich gut auf Kälte einstellen“, unterrichten die Erzieherinnen, und „Kinder haben weniger Probleme mit dem Winter als Erwachsene“. Dann nutzen sie Feuerstellen, bereiten ein Feuerfrühstück. „Manche Kinder tragen eine Wollschicht mehr, andere brauchen keine Handschuhe“, beobachten die Frauen. Der Zwiebel-Look sei immer das Beste, man hat immer noch eine Schicht zum Ablegen oder Drüberziehen.

Schlechter sei ein nasskalter Dauerregen, aber auch solche ganz seltenen Tage könne man gut aushalten, meinte Bianca Weinert. „Mit den Widerständen wächst man“, und für alle Fälle stehe ein Bauwagen bereit.

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