INTERVIEW

Kein normales Arbeiten: Bürgermeister Manuel Friedrich lässt sein erstes Jahr Revue passieren

Manuel Friedrich hat am 24. Juni 2020 sein Amt angetreten.
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Manuel Friedrich hat am 24. Juni 2020 sein Amt angetreten.

Obertshausen – Heute vor einem Jahr hat Manuel Friedrich sein Amt als Bürgermeister von Obertshausen angetreten. Im Gespräch mit der Offenbach-Post lässt der Rathauschef sein erstes Jahr Revue passieren und spricht über Erwartungen sowie Herausforderungen im Amt.

Herr Friedrich, Sie sind nun ein Jahr im Amt. Wie fühlt sich das an?
Gut und stimmig, ich bin weiterhin voller Tatendrang. Aber es war auch ein sehr intensives und spannendes Jahr mit wechselnden Herausforderungen nach über einem Jahr „Corona“.
Welche Herausforderungen sind das genau?
Die größte Herausforderung ist und bleibt die angespannte Finanzsituation. Schon vor der Pandemie gab es einen Investitions- und Sanierungsstau, der sich nun verschärft und Gestaltungsspielräume weiter einschränken wird. Wir stehen vor einer jahrelangen Haushaltskonsolidierung, die meine ganze Amtszeit betreffen wird. Daher brauchen wir eine enge und verlässliche Zusammenarbeit mit der Stadtverordnetenversammlung.
Haben Sie eine Vorstellung, wie Sie das erreichen können?
Die Prioritäten müssen noch deutlicher gesetzt werden. Dazu müssen wir schauen, was wir uns als Stadt noch leisten können und wo mit Sicherheit Abstriche gemacht werden müssen.
Wo könnten denn diese Prioritäten liegen?
In der Stadtentwicklung. Wir haben in Obertshausen viele Projekte auf dem Tisch liegen wie ein neues Rathaus, die Fröbelschule oder den Klimaschutz. Diese sind jahrelang diskutiert und vorbereitet worden, jetzt müssen sie auch umgesetzt werden.
Die Erarbeitung des Klimaschutzkonzepts kommt langsam ins Rollen. Wieso ist es so wichtig für Obertshausen?
Weil es eine Herausforderung für die gesamte Stadt ist, es nur gemeinsam angegangen werden kann und jeder Einzelne von uns sich persönlich einbringen kann. Es geht beispielsweise um die Begrünung, die Mobilität aber eben auch die Energieeffizienz.
Sehen Sie hier denn auch finanzielles Einsparpotenzial?
Kurzfristig nicht, aber perspektivisch. Bestes Beispiel sind hier unsere beiden Rathäuser. Im Bereich Energieeffizienz und -verbrauche werden wir deutliche Einsparungen vornehmen.
Da sprechen Sie einen interessanten Punkt an. Wie steht es denn um den Neubau?
Die erste Hürde wird jetzt mit der Entscheidung über den Standort genommen. Jetzt müssen die Finanzierung und der Zeitrahmen für das Projekt geklärt werden.
Apropos Finanzierung. Der Haushalt für 2021 wurde nun genehmigt, ist jedoch mit Auflagen verbunden. Können Sie hierzu etwas sagen?
Es freut uns, dass die Genehmigung vorliegt. Die Auflagen betreffen die Haushaltsreste und die Überarbeitung des vereinfachten Haushaltssicherungskonzepts. Die Genehmigungsbehörden sehen vor, dass die Haushalte bis 2024 wieder ausgeglichen sein sollen. Das ist schon eine sportliche Vorgabe.
Damit haben Sie eine große Aufgabe vor der Brust. Gibt es noch andere Dinge, auf die Sie großen Wert legen?
Ich bin angetreten, um die Verwaltung zu öffnen und sie transparenter zu machen. Dies war ein klarer Punkt, den ich gesehen habe. Wenn wir klarer und offener kommunizieren, können wir auch die Akzeptanz der Bürger für manche Projekte steigern.
Was ist dabei die große Herausforderung?
Oft sind die Themen sehr komplex. Das ist auch durch zusätzliche Aufgaben so, die den Kommunen von Bund und Ländern aufgetragen werden. Zudem muss man immer schauen, was leistbar ist. Es bringt nichts, den Leuten Versprechungen zu machen, die unmöglich einzuhalten sind.
Haben Sie durch Ihre Arbeit ein anderes Verständnis dafür bekommen, was umsetzbar ist?
Von meinem ersten Amtsjahr waren wir sieben Monate im Lockdown. Man kann es also nicht als normales Arbeiten bezeichnen. Aber durch das Amt hat sich der Eindruck bestätigt, dass manche Projekte im öffentlichen Bereich einfach viel länger dauern als im Privaten.
Woran liegt das?
Oft sind wir gefangen in allgemeinen bürokratischen Strukturen. Wenn es nach uns ginge, würden wir gern manche Vorhaben viel schneller auf die Schiene setzen. Aber das liegt eben nicht an der Arbeit unserer Verwaltung. Ein großes Dankeschön möchte ich an mein Verwaltungsteam für die tägliche Arbeit während dieser außergewöhnlichen Zeit aussprechen.
Haben Sie zum Abschluss noch einen Ausblick für die Zukunft?
Ich denke, dass sich vor allem im Kinder- und Jugendangebot, die besonders stark von der Pandemie getroffen waren, noch etwas tun wird. Ideen gibt es hier meinerseits viele. Trotz klammer Kassen hoffen wir, auf einige Wünsche eingehen zu können. Ich will hier – wie angekündigt – neue Wege gehen.

Das Gespräch führte Jan Max Gepperth.

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