Grabfeld für Totgeborene

Wo „Sternenkinder“ Platz finden

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Auf dem Friedhof Im Birkengrund haben Jugendliche ein Feld errichtet, auf dem Fehlgeburten und Embryonen, die schon im Mutterleib gestorben sind, bestattet werden können.

Obertshausen - Jugendliche errichten auf dem neuen Friedhof ein Feld, auf dem Totgeborene bestattet werden können. Von Michael Prochnow 

Parkettsteine führen von den Rändern der Ellipse zu ihrem Inneren, das ein Apfelbaum inmitten schwerer Felsbrocken markiert. In den Strahlen aus Beton leuchtet blauer Glassplitt, der an Tränenströme erinnert. Die Ellipse erinnert an ein Ei, Symbol des Lebens. In dem Rollrasen zwischen diesen Linien sollen „Sternenkinder“ ihren Platz finden, Fehlgeburten und Embryonen, die schon im Mutterleib gestorben sind. „Poetisch ausgedrückt sind es Kinder, die den Himmel erreicht haben, noch bevor sie das Licht der Welt erblicken durften“, erläutert Oskar Mürell vom Ordnungsamt der Stadt.

Das Sternenkinderfeld befindet sich auf der Südseite des Neuen Friedhofs Im Birkengrund in Obertshausen. Etwa 15 Mitglieder der Katholischen Jugend Hausen und Obertshausen haben es am Samstag unter Anleitung von Gartenbauingenieur Peter Kleinschmitt und Hilfestellung aus dem Bauhof angelegt. Der Obertshausener Bildhauer Christoph Schindler, der selbst lange in der kirchlichen Jugendarbeit aktiv war, stand dem Projekt beratend zur Seite.

Mit viel Talent, großem Engagement und Erfahrung von 72-Stunden-Aktionen verwirklichten die jungen Christen das Vorhaben innerhalb eines Tages.

Mürells Dank gilt auch der Familie Veliu von der Gaststätte La Fattoria an der Kantstraße. Sie habe die Verpflegung für das Bau-Team gestiftet. Die Kommune habe kaum 1000 Euro für das segensreiche Vorhaben zahlen müssen.

Anerkennung durch Gesellschaft fördern

„Für Eltern, deren Kind vor der Geburt stirbt, brechen Fragen auf nach dem Sinn und Warum in ihrer ganzen Radikalität. Die zaghaft beginnende Entwicklung eines Menschenlebens und alle damit verbundenen Hoffnungen, Wünsche und Zukunftsperspektiven werden durch den Tod jäh zerstört“, versuchte Mürell die Situation der Betroffenen zu schildern. „Sich von jemandem zu verabschieden, der noch nicht richtig angekommen ist, fällt meist schwer, da eine gemeinsame Vergangenheit mit dem verstorbenen Kind mit gemeinsamen Erfahrungen und Erlebnissen überhaupt nicht besteht.“

Die Bedeutung eines Grabes für diese Kinder gehe darum über den Sinn einer üblichen Bestattung hinaus. Das Sternenkinderfeld soll Ort der Trauer und der emotionalen Nähe sein, aber auch die Anerkennung durch die Gesellschaft fördern.

Besonders schwer sei der Tod, wenn ein Kind in der ersten Hälfte der Schwangerschaft sterbe, wenn das Umfeld nichts von der Existenz mitbekommen habe. Durch die Bestattung werde öffentlich zum Ausdruck gebracht, dass die Eltern einen Grund hätten zu trauern.

Mürell lobte die Jugendlichen, die sofort bereit waren, die Initiative aus dem Rathaus umzusetzen.

Zunächst solle es einen jährlichen Termin im Herbst geben, kündigte Mürell an. Die Toten würden in natürlich abbaubaren Urnen beigesetzt.

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