„Man fühlt sich ohnmächtig“

Obertshausen: Trotz Gerichtsurteil kein Kindergartenplatz für Elias

Hoffen auf einen Kita-Platz in Obertshausen: Tamara und Patrick Bertram und ihr dreijähriger Sohn Elias. 
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Hoffen auf einen Kita-Platz in Obertshausen: Elias (3) und seine Eltern Tamara und Patrick Bertram. 

In Obertshausen ist kein Platz im Kindergarten mehr frei. Der kleine Elias Bertram muss deswegen zu Hause bleiben - trotz eines Gerichtsurteils.

Obertshausen – Ernüchtert, verzweifelt, frustriert – so beschreibt Patrick Bertram seinen Gemütszustand, wenn er daran denkt, dass sein Sohn in Obertshausen (Landkreis Offenbach) noch immer keinen Kindergartenplatz bekommen hat. Seit Langem beschäftigt das Problem den jungen Familienvater und seine Frau Tamara bereits, eine Lösung ist indes nicht in Sicht. 

„Wenn Elias Pech hat, bekommt er erst mit fünf Jahren einen Platz“, fürchtet Bertram. Daran konnte auch der erfolgreiche Gang vor Gericht nichts ändern. Denn das Verwaltungsgericht Darmstadt hat den Obertshausenern zwar die Rechtmäßigkeit ihres Anspruches bescheinigt, doch da es aktuell in der Stadt nun mal keine freien Plätze gibt, ging der kleine Elias wieder leer aus.

Obertshausen: Kein Platz im Kindergarten frei

Angemeldet haben sie ihren Sohn bereits wenige Wochen nach der Geburt über das städtische Webkitasystem. „Damals haben wir gesagt bekommen, das gehe dann alles seinen Weg und etwa ein halbes Jahr, bevor er drei wird, bekommen wir dann Bescheid, welche Kita es werden wird“, erinnert sich Bertrams Frau Tamara. 

„Wir haben zwar immer mal wieder nachgefragt, aber immer gesagt bekommen, dass es da kein Problem geben sollte“, ergänzt ihr Mann. Im März schließlich die für jungen Eltern nicht ganz unerwartete Wendung: Der angekündigte Brief kam nicht, für Elias gibt es keinen Platz.

Obertshausen: Kein Platz im Kindergarten - „Man fühlt sich ohnmächtig“

„Man fühlt sich ohnmächtig, weil man irgendwie die ganze Zeit nur in der Luft hängt“, beschreibt Mutter Tamara das Gefühl der jungen Eltern. Dabei sah es die ganze Zeit eigentlich gut für die kleine Familie aus. „Wir sind in der glücklichen Lage, dass wir bewusst sagen konnten, wir brauchen keinen U3-Platz und lassen unseren Sohn bis zum Kindergarten zu Hause“, erläutert Vater Patrick.

Den U3-Platz – vorausgesetzt Elias hätte damals einen bekommen – haben andere Familien bestimmt besser brauchen können, ist er sich sicher. Doch genau dieser Verzicht wird den Bertrams nun teilweise mit zum Verhängnis. Denn Kinder, die in Obertshausen bereits in der U3-Betreuung sind, bekommen beim Übergang in den Kindergarten automatisch einen Platz.

Obertshausen: Kindergarten voll - Kind bleibt zu Hause

„Ich bin ein Jahr daheim geblieben und habe dann wieder in Teilzeit angefangen, zu arbeiten, allerdings nur im Nachtdienst, damit ich tagsüber für meinen Sohn da sein kann“, erzählt die gelernte Krankenschwester. Doch nun – Elias ist im August drei Jahre alt geworden – brauche er einen Kita-Platz. „Das ist wichtig für seine soziale und sprachliche Entwicklung“, betont sie.

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Auch Vater Patrick befürchtet negative Auswirkungen für die Zukunft, sollte Elias erst mit viereinhalb oder fünf Jahren einen Kitaplatz in Obertshausen bekommen. So wurde es den Bertrams von der Stadt im März signalisiert. Denn da die Wartelisten lang sind und die wenigen freien Plätze streng nach Alter besetzt werden, waren Kinder, die zu diesem Zeitraum aufgenommen wurden, in etwa so alt, erläutert er.

Obertshausen: Trotz Gerichtsverfahren keinen Kitaplatz

Zu spät, wie die Eltern finden. „Es kann doch nicht sein, dass die Kinder erst in der Grundschule mit der sozialen Interaktion in einer Gruppe konfrontiert werden, dann, wenn sie sich eigentlich auf den Schulstoff konzentrieren sollen“, befürchtet Vater Patrick. Aus diesem Grund habe man sich an den Kreis Offenbach gewandt, gegenüber dem rechtlich gesehen der Betreuungsanspruch besteht. Da man ihnen auch dort nicht weiterhelfen konnte, haben sich die Bertrams schließlich entschieden, den Klageweg zu beschreiten.

Im Eilverfahren bestätigt das Verwaltungsgericht Darmstadt in einer einstweiligen Verfügung den Anspruch auf einen Betreuungsplatz. „Wir waren wohl eines der ersten Verfahren in Hessen, in dem das Gericht pro Eltern entschieden hat“, berichtet der Familienvater. Der Kreis Offenbach habe gegen den Beschluss zwar Beschwerde eingelegt, sei damit vor dem Senat jedoch gescheitert. „Wir mussten uns sogar vorwerfen lassen, warum wir überhaupt einen Platz wollen, meine Frau arbeite ja schließlich ohnehin nur nachts“, schildert Patrick Bertram.

Kein Platz im Kindergarten in Obertshausen

Nach dem Eilverfahren soll der Fall der Bertrams nun in der Hauptsache verhandelt werden. Kommentieren möchte der Kreis Offenbach den Fall jedoch nicht. Auf Anfrage teilte eine Sprecherin lediglich mit, es handele sich um ein schwebendes Verfahren, zu dem man keine Auskunft geben könne.

Derweil haben die Bertrams sich vorläufig selbst behelfen müssen. So springt derzeit Tamaras Mutter für die Betreuung ein, mit der das Paar auf Anraten einen Vertrag auf 450-Euro-Basis geschlossen hat. Die Kosten dafür will der Familienvater nun dem Kreis in Rechnung stellen. „Den Anspruch hat uns das Verwaltungsgericht mit seiner Entscheidung bescheinigt“, sagt er.

VON THOMAS HOLZAMER

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