Ärzte entlasten

Keine Attestpflicht in Obertshausens Kitas: Das müssen Eltern künftig vorlegen

Ein Attest vom Kinderarzt war für die Aufnahme in die Kita bisher Pflicht. Ab sofort müssen die Eltern nur noch das U-Heft und den Impfpass vorlegen.
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Ein Attest vom Kinderarzt war für die Aufnahme in die Kita bisher Pflicht. Ab sofort müssen die Eltern nur noch das U-Heft und den Impfpass vorlegen.

Keine Attestpflicht mehr in Kitas in Obertshausen. Bei der Aufnahme in die Kita müssen Eltern ab sofort etwas anderes für ihr Kind vorlegen.

Obertshausen – Dabei ging es vor allem um die Attestpflicht, die bisher in der städtischen Kita-Satzung festgeschrieben war. So mussten Eltern innerhalb der ersten zwei Monate nach Aufnahme des Kindes eine ärztliche Bescheinigung „über eventuell gesundheitliche Beeinträchtigungen“ in der Kindertagesstätte vorlegen. Diese Attestpflicht fällt künftig weg, der entsprechende Passus wurde auf Vorschlag des Magistrats in einer Satzungsänderung ersatzlos gestrichen. Diese wurde mehrheitlich beschlossen. Dagegen gestimmt hatte lediglich die Fraktion der Sozialdemokraten, die in dem Verzicht auf ein Attest eine unnötige Gefährdung der übrigen Kinder sowie des Personals sieht.

Auslöser für den Vorstoß des Magistrats war unter anderem die Beschwerde einer Kinderärztin aus Obertshausen, hatte Erster Stadtrat Michael Möser zuvor im Haupt-, Finanz-, und Wirtschaftsausschuss erläutert. Diese könne inzwischen den allgemeinen Ansturm an Patienten kaum noch bewältigen, habe daher regelmäßig bis in die späten Abendstunden geöffnet. Zudem sei eine Attestpflicht für Kinder nach Ansicht der Medizinerin ohnehin obsolet, die Prüfung des U-Heftes, in dem die gesetzlich vorgeschriebenen U-Untersuchungen der Kinder dokumentiert werden müssen, ausreichend. Auch die Fachaufsicht des Kreises Offenbach, so Möser, habe bestätigt, dass die Vorlage von Impfpass und U-Heft reiche.

Attestpflicht für Kinder: Stadt will Ärzte mit der Streichung entlasten

Umgekehrt biete zudem eine Bescheinigung, die zum Zeitpunkt der Vorlage bis zu zwei Wochen alt sein dürfe, keine Gewähr, dass sich das Kind nicht in der Zwischenzeit etwa mit Masern oder einer anderen Krankheit angesteckt habe, ergänzte der Erste Stadtrat. Mit der Streichung der Attestpflicht wolle die Stadt daher vor allem die Kinderärzte entlasten und den Eltern und ihren Kindern den zusätzlichen Besuch in der Praxis und den damit möglicherweise verbundenen Kontakt zu erkrankten Kindern im Wartezimmer ersparen.

Dem hatte Joachim Zweigler (SPD) widersprochen: „Wir sind der Ansicht, ein solches Attest ist wichtig und es ist auch zumutbar, wenn Eltern dafür gegebenenfalls zu einem anderen Arzt fahren müssen, wenn sie vor Ort keinen Termin bekommen.“ Zumal es sich dabei, so betonte SPD-Fraktionschef Walter Fontaine während der Sitzung, nicht zwingend um einen Kinderarzt handeln müsse, da das Attest auch der Hausarzt ausstellen könne. Auch das Argument der möglichen Ansteckung gesunder Kinder im Wartezimmer ließ er nicht gelten, „Schließlich sind auch die U-Untersuchungen mit einem Arztbesuch verbunden.“

SPD-Fraktionschef sieht fehlende Attestpflicht als Gefahr für Kita-Mitarbeiter

Zugleich erinnerte Fontaine, der bis zu seinem Ruhestand als Leiter des Fachbereichs Soziale Dienste bei der Kreisstadt Dietzenbach auch für die Kindertagesstätten zuständig war, an den Schutz der Mitarbeiter in den Kitas. Dort habe man über die Abschaffung der Attestpflicht für Kinder in der Vergangenheit bereits besprochen, die Idee jedoch wieder verworfen. „Ich habe unsere Kitamitarbeiterinnen gefragt und diese waren über das Ansinnen empört“, betonte er.

Die Bedenken der Sozialdemokraten zur Streichung der Attestpflicht für Kinder teilten die übrigen Fraktionen jedoch nicht, die Satzungsänderung wurde mit breiter Mehrheit verabschiedet. (Thomas Holzamer)

Kita-Plätze sind auch in Obertshausen rar. SPD fordert eine Änderung der Kitasatzung und damit der Kriterien zur Platzvergabe.

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