Nach 25 Jahren

Beliebter Wirt hört auf

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Nach 25 Jahren stellt Miron Mioc am 30. Juni zum letzten Mal die Stühle im Restaurant des Bürgerhauses hoch.

Er hat vier Rathauschefs bedient und wird noch den fünften empfangen, dann nimmt der Pan Tau der „gut’ Stubb“ seinen Hut. Wirt Miron Mioc übergibt die Schlüssel fürs Bürgerhaus-Restaurant.

  • In Obertshausen (Kreis Offenbach) ist er Stadtbekannt
  • Nach 25-Jahren hört der Wirt auf
  • Aber das bekannte Restaurant bleibt weiter geöffnet

Obertshausen - Juli seinem Nachfolger, der bereits im Juni da ist und mitarbeitet, um den Betrieb kennenzulernen. Mioc selbst wird nach der Übernahme noch eine Weile als Partner an Theke und Tischen bleiben.

Kreis Offenbach: Beliebter Wirt dankt ab – „Schritt war schon seit Längerem geplant“

„Der Schritt war schon seit Längerem geplant“, erläutert der langjährige Pächter. Die neue Zeit biete „einen guten Anlass für den Wechsel“. Enttäuschung bleibt trotzdem: „Ich habe nie so viele Buchungen gehabt wie für April, Mai und Juni“, ärgert sich der Unternehmer über das Coronavirus.

Der freundliche Gastgeber und erfahrene Geschäftsmann wurde 1955 in Sujica in der Herzegowina geboren. Er besuchte die Gastgewerbeschule in Dubrovnik, arbeitete bald im namhaften Hotel Mlini-Plat im Service. 1975 bildete er sich an der Hotelfachschule in Zagreb weiter, bekam eine Stelle im Intercontinental-Hotel. Zwei Jahre später wechselte der Kellner auf die Insel Pag.

Obertshausen (Kreis Offenbach): Verhalten der Gäste hatte sich schon vor Corona verändert

1979 begann er im „Zwölf Apostel“ in Aschaffenburg, ging dann in die Kupferkanne nach Hausen. Zwei Jahre später machte er sich selbstständig, übernahm den Balkan-Grill, den er später in Zagreb-Grill umbenannte. 13 Jahre führte er die Gaststätte, 1995 übergab er sie seinem älteren Bruder Ivan und übernahm schließlich das Bürgerhaus-Restaurant, heiratete 1982 seine Frau Marija aus seinem Heimatort. Sie, die vier inzwischen erwachsenen Kinder, Bruder und Schwägerin packten bei Bedarf stets mit an. „Ohne die Unterstützung der Familie geht es in unserer Branche nicht mehr“, betont Miron Mioc. Daneben seien Qualität und faire Preise wichtig.

Die jüngere Generation bevorzuge Tapas und Antipasti, südländisch-leichte Vorspeisen, „nicht so schwere Kost wie früher“. Eine „gesunde Küche“ sei also gefragt, viel Gemüse, Nudeln, Fisch und gute Steaks vom Lava-Stein. „Die Gäste kommen nicht mehr so häufig, sie verzehren weniger und bleiben kürzer“, beobachtete der Gastronom schon vor der Krise. Vor allem Bier und andere Alkoholika werden mit Blick auf Fahrerlaubnis und Gesundheit weniger bestellt.

Kreis Offenbach: Obowhl der beliebte Wirt seinen Hunt nimmt bleiben viele Angestellte im Restaurant 

Die Familie Mioc pflegt eine internationale Küche, „aber man merkt, woher ich komme“, lächelt der Mann mit dem dunklen Anzug und denkt an Cevapcici, Raznici und Palatschinken auf der Karte. Dass sich die Mieter des Bürgerhaus-Saals selbst verpflegen können, schade freilich dem Umsatz. Früher lockte auch die Kegelbahn im Keller noch Kunden an.

Die meisten der sieben Festangestellten bleiben. Mioc bildete junge Leute zu Köchen und Kellnern aus und bot Praktikumsplätze. Neue Wege beschritt er mit Kooperationen, veranstaltete zuletzt mit Tom Jet den Silvesterball, organisierte Maskenball und X-Mas-Party. „Die schönsten waren die ersten zehn Jahre“, blickt er zurück. „Um den 40. Geburtstag fühlte ich mich jung, aktiv und war am erfolgreichsten. Mit der D-Mark hatte ich mehr in der Tasche“.

In angenehmer Erinnerung behält er das gute Verhältnis zu Vereinen und städtischen Mitarbeitern, auch wenn die „Auflagen strenger wurden“. So sei der Brandschutz für Veranstalter kostspielig. Mioc empfiehlt, „der Wirt sollte unterstützt werden, viele Dinge sollte man nicht zu eng sehen“. Als positives Beispiel sieht er den flexibel genutzten Innenhof, den er gerne mit Gastgebern von Konzerten teilte. Im Juni lädt „der Miro“ alle Stammgäste ein, mit ihm anzustoßen.

VON MICHAEL PROCHNOW

Gastronomen und ihre Mitarbeiter in Obertshausen stehen wegen der Corona-Krise mit wenigen oder gar keinen Einnahmen da. Einige von ihnen erleiden sogar herbe Verluste.

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