Schichtarbeit oder Familie

Magna-Mitarbeiter fordern mehr Gehalt und kürzere Arbeitszeiten

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Die IG Metall hat die Mitarbeiter des Automobilzulieferers Magna zu einem einstündigen Streik aufgefordert. Mit Flaggen, Transparenten und Warnwesten gehen die Betroffenen des Betriebs auf die Straße.

Obertshausen - Sechs Prozent Entgelterhöhung und eine 28-Stunden-Woche fordert die IG Metall. Mitarbeiter der Magna GmbH haben dafür gestern demonstriert. Von Lisa Schmedemann 

Ausgestattet mit Trillerpfeifen, Fahnen und Bannern sind die Arbeitnehmer der Magna Exterior Systems GmbH dem Aufruf der IG Metall zum Warnstreik gefolgt. Am Montagmittag haben sich rund 120 Beschäftigte des Automobilzulieferers vor dem Standort an der Feldstraße zusammengefunden. Die erste Bevollmächtigte der IG Metall Marita Weber macht ihren Standpunkt klar. „Wir treffen uns nicht am Tor der Magna, wir gehen in die Öffentlichkeit“, sagt sie und deutet auf die von Polizeiautos abgesperrte Straße. Die Magna GmbH ist einer der ersten Betriebe, die am Montag gestreikt haben. „Ihr seid der Opener für die Warnstreiks“, sagt Weber und verweist auf den heute folgenden Streik der GKN Driveline Deutschland GmbH. Weitere folgen diese Woche.

Die Streikenden blasen ihre Trillerpfeifen und schwenken die Fahnen.

Die IG Metall stellt klare Forderungen: Sie verlangt sechs Prozent höhere Entgelte und Ausbildungsvergütungen für die Dauer von zwölf Monaten. Sie fordert die Arbeitgeber auf, die Arbeitszeit auf 28 Stunden pro Woche zu reduzieren. Im Zuge dessen soll es einen Entgeltzuschuss geben. Dieser kommt Menschen zugute, die Schicht arbeiten, zu Hause Kinder oder pflegebedürftige Angehörige betreuen. Uwe Zabel von der Bezirksleitung Mitte der IG Metall richtet seine Worte an die Arbeitgeber. „Wir fordern mehr Gehalt, um unsere Kinder versorgen zu können und weniger Wochenstunden, um das Rentenalter überhaupt zu erreichen“, sagt der 60-Jährige. In seinem Alter sei Schichtarbeit unmöglich. Dass wechselnde Schichten auch einem jungen Körper zusetzen, weiß Wladislaw Druzinin. Er hat selbst fünf Jahre lang in Schichten gearbeitet und ist froh, nun bei der IG Metall mit festen Arbeitszeiten angestellt zu sein. „Man hat keinen Schlafrhythmus mehr. Dann sagt der Körper einfach irgendwann Nein“, berichtet er. Darüber hinaus sei ein normales Familienleben nicht möglich. Ein Magna-Mitarbeiter fügt hinzu: „Ich sehe meine beiden Kinder nicht aufwachsen, weil ich entweder arbeiten bin oder tagsüber schlafen mus, das tut weh.“

„Wir brauchen die sechs Prozent und dafür stehen wir heute hier“, sagt Zabel weiter und erntet von der Menge Applaus. Die Trillerpfeifen gewinnen an Lautstärke, als der Bezirksleiter weiter erklärt, dass es das gute Recht der Arbeitnehmer sei, zu streiken. „Und wenn uns bis zum 26. Januar kein annehmbarer Vorschlag vorliegt, werden wir unsere Arbeit für 24 Stunden niederlegen“ sagt er und die Menge wird noch lauter. Des Weiteren fordert Zabel, dass Arbeitnehmer – wenn sie auf 28 Wochenstunden reduzieren – ein Recht darauf haben sollen, nach zwei Jahren ihre Vollzeitstelle mit 35 Stunden wieder antreten zu können.

Ein anderer Mitarbeiter der Magna GmbH geht für kleinere Konzerne auf die Straße. „Bei der Magna haben wir es gut. Wir haben immer dann profitiert, wenn bei Porsche und dergleichen neue Tarife ausgehandelt worden sind.“ Nun sei es an der Zeit, dass die neuen Regelungen auch in kleinen Betrieben ankommen. Redner Achim Scherscher betont außerdem: „Wir wollen keinen wirtschaftlichen Schaden damit erzielen, dass wir unsere Arbeit niederlegen, davon hat keiner was.“ Aus der Menge kommt die Antwort: „Wir fordern das, was uns zusteht!“

Archivbilder

Bilder: Warnstreik der IG Metall

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