Sensible Pflege hoch im Kurs

Obertshausen - Nicht nur die Deutschen werden immer älter, das ist nichts Neues. Dass qualifizierte Fachkräfte in der Altenpflege Mangelware sind – ebenfalls nicht. Von Lena Marie Jörger

Mit einem Ausbildungsangebot speziell für arbeitssuchende Migranten will der Malteser Hilfsdienst Offenbach mit Sitz in Obertshausen in Zusammenarbeit mit der Berlitz Sprachschule etwas gegen diesen Notstand tun. Die Ausbildung zur Fachkraft für Gesundheits- und Sozialdienstleistungen in der interkulturellen Pflege soll den Teilnehmern die Chance bieten, in der Altenpflege zu arbeiten.

Das Problem: Die Teilnehmerzahl für den Kurs war so gering, dass der eigentlich für kommenden Montag geplante Start bis auf Weiteres verschoben werden musste. Möglicherweise wird er im September nachgeholt, doch nur unter der Voraussetzung, dass sich dann mehr Lernwillige finden.

Anja Beil, Ausbildungsleiterin beim Malteser Hilfsdienst, kann sich das mangelnde Interesse nicht erklären: „Wir haben diesen Kurs schon drei Mal angeboten. Da war er immer gut besucht.“

Schlechtes Image des Berufs

Vielleicht liegt es am Image des Pflegeberufs, das trotz zahlreicher Kampagnen immer noch negativ behaftet ist. Zu hohe Belastung, zu niedrige Bezahlung und wenig Akzeptanz in der Bevölkerung, so die üblichen Vorurteile. Dabei stehen die Chancen auf dem Arbeitsmarkt gut. Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen suchen händeringend nach geeignetem Fachpersonal. Schließlich gibt es in Deutschland immer mehr pflegebedürftige Senioren und damit steigt auch der Anteil älterer Menschen mit ausländischer Herkunft.

Für die Altenpflege ergibt sich daraus ein neues Arbeitsfeld: kultursensible Pflege heißt das Geheimnis. Das bedeutet, dass Pflegekräfte auf die individuellen Bedürfnisse eines Patienten eingehen und dabei dessen kulturellen und religiösen Hintergrund beachten müssen. Besonders in Bezug auf Ernährung, Schmerzlinderung und Umgang mit dem Tod gibt es deutliche Unterschiede innerhalb der Kulturen, die häufig zu Missverständnissen zwischen Patient und Pfleger führen. Vor allem für Migranten mit einer Demenzerkrankung ist das wichtig, denn sie vergessen mit Fortschreiten der Krankheit zuerst die deutsche Sprache und können sich nur noch in ihrer Muttersprache verständigen.

Deutschunterricht und Bewerbungstraining

Der sechsmonatige Kurs des Malteser Hilfsdienstes richtet sich daher in erster Linie an Menschen mit Migrationshintergrund, die ihre Zukunft in der Pflege sehen. So stehen auch Deutschunterricht und ein Bewerbungstraining auf dem Stundenplan. Ebenfalls Teil der Ausbildung ist ein Lehrgang für Schwestern- und Pflegehelfer, ein Behandlungspflegelehrgang sowie Module zu Ernährung, kultursensibler Pflege und zu Demenz. Für Arbeitssuchende und ALG II-Empfänger übernimmt die Arbeitsagentur die Ausbildungskosten. Auch Fahrtkosten werden erstattet.

Weitere Informationen gibt es bei Anja Beil unter Tel. 0641944645520 oder Anja.Beil@malteser.org sowie auf der Malteser-Homepage.

Rubriklistenbild: © dpa

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