Konsequenzen für Obertshausener 

Mann bedroht seinen Opa am Telefon: „Ich bombe das Heim weg“

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Ein Mann aus Obertshausen bedroht seinen Opa am Telefon: Er will das Heim seiner Oma in die Luft sprengen, wenn er nicht mit Geld versorgt wird.

Ein Mann aus Obertshausen bedroht seinen Opa am Telefon: Er will das Heim seiner Oma in die Luft sprengen, wenn er nicht mit Geld versorgt wird. Jetzt kassiert er für die Bedrohung die Konsequenzen. 

Obertshausen – Vor dem Schöffengericht ging es am Montag in Offenbach um die Frage, ob es sinnvoll ist, einen mehrfach vorbestraften Drogenabhängigen in den Knast zu stecken, obwohl er sich inzwischen das erste Mal auf der Gesetzesspur bewegt.

Im Fall des 30-jährigen Angeklagten aus Obertshausen hatte die Staatsanwältin 27 Monate Haft wegen Bedrohung gefordert, der Rechtsanwalt plädierte auf neun Monate mit Bewährung. Richter Manfred Beck und die Schöffen folgten am Ende dem Verteidiger.

Mann aus Obertshausen bedroht Opa am Telefon

Die Staatsanwältin wirft dem Angeklagten vor, im November letzten Jahres seinen Großvater telefonisch bedroht zu haben. Der 30-Jährige verkündete dem älteren Mann, das Pflegeheim, in dem die Großmutter liegt, in die Luft zu sprengen, wenn der Opa ihn nicht mit 500 Euro versorge. Außerdem wirft die Staatsanwältin dem Mann vor, im Januar 2018 einer Bekannten in deren Wohnung eine Tasche mit Wertgegenständen entrissen zu haben, wobei diese stürzte und sich verletzt haben soll.

Ein Polizist sagt später aus, „seit ich in dem Beruf arbeite, kenne ich den Angeklagten“. Seit 2004 taucht der Mann immer wieder vor Gericht auf. Delikte wie Körperverletzung, Diebstahl, Drogenbesitz, Widerstand gegen die Staatsgewalt und immer wieder Beleidigungen füllen sein Vorstrafenregister mit 15 Einträgen.

Prozess gegen Mann aus Obertshausen: Angeklagter in Therapieeinrichtung

Seit April lebt der Angeklagte aus Obertshausen in der Frankfurter Dependance der Selbsthilfeorganisation „die Fleckenbühler“, eine anerkannte Therapieeinrichtung. In der selbstverwalteten Gemeinschaft leben 70 Bewohner mit massiver Drogenvergangenheit. Die Regeln der Fleckenbühler gelten als in Stein gemeißelt: keine Gewalt, keine Drogen, kein Alkohol. Noch nicht mal Zigaretten sind erlaubt, dafür steht ein fester Tagesablauf mit Arbeit im Programm.

Der groß gewachsene Angeklagte etwa schleppt im Umzugsunternehmen der Einrichtung Kisten. Richter Beck liest ein Arbeitszeugnis vor. Der Obertshausener habe sich gut eingefügt, trete höflich gegenüber Kollegen und Kunden auf. „Die Fleckensteiner leisten gute Arbeit“, konstatiert der Richter. Verteidiger Thorsten Peppel ergänzt, viele, die dort anfingen, strichen nach spätestens drei Wochen die Segel. „Wer fünf Monate durchhält, wie mein Mandant, der bleibt bei der Stange.“ Verlassen müsse die Lebensgemeinschaft niemand, der sich benehme.

Mann aus Obertshausen soll reinen Tisch machen

Der Richter rät dem Angeklagten aus Obertshausen, nicht zu lavieren. Wenn er unter den Umständen die Chance auf eine abermalige Bewährungsstrafe bekommen wolle, „dann müssen sie reinen Tisch machen“. Die Staatsanwältin indes hält von einer erneuten Bewährungsstrafe nichts. Seit 15 Jahren beschäftige der Angeklagte die Gerichte, „irgendwann ist Schluss“. Weil das mutmaßliche, ebenfalls drogensüchtige, weibliche Opfer auf unabsehbare Zeit in der Psychiatrie sitzt und eine weitere Zeugin krankgeschrieben ist, trennt Beck die Verfahren. Der Angeklagte gesteht, den Großvater so bedroht zu haben, wie es in der Anklage steht. Der angebliche Raub in der Wohnung der Bekannten wird ein andermal verhandelt.

Anwalt Peppel argumentiert auf die Gefängnisforderung der Staatsanwältin, „auf der rein formellen Ebene haben sie recht“. Der Angeklagte ziehe aber das erste Mal in seinem Leben etwas durch, das ihm Struktur gebe. Sicher, sein Mandant habe in seiner Biografie „einen Kessel Buntes“ angestellt. Schwächere wie den Opa zu bedrohen, „das ist nicht nett“.

Mann aus Obertshausen konsumierte enorme Mengen Kokain und Haschisch

Gerade zu der Zeit habe er enorme Mengen Kokain und Haschisch konsumiert. Wirklich schlimme Delikte habe sein Mandant nie begangen, „nie floss ein Tropfen Blut“. Der geschädigte Großvater sei extra gekommen, um seinen Enkel zu sehen. Wegen einem absurden Telefonat, „Ich bombe das Heim weg“, fordert die Staatsanwältin 27 Monate Gefängnis. Peppel plädiert auf neun Monate Haft, ausgesetzt zur Bewährung.

Dem folgt das Gericht in seinem Urteil. Richter Manfred Beck wertet nicht nur den Aufenthalt bei den Fleckenbühlern als positiv, sondern auch die Aussöhnung mit dem Großvater. Die Staatsanwältin werde sicher in Berufung gehen. Wenn er die Therapie nicht beende, „spricht das Landgericht bestimmt keine Bewährung aus“.

VON STEFAN MANGOLD

Ein 30-jähriger Ex-Obertshausener musste sich jüngst ebenfalls vor dem Schöffengericht in Offenbach verantworten. Es ging um eine Ohrfeige, einen Unfall und eine Belastungszeugin, die plötzlich ganz anders aussagt.

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