Obertshausen

Masken, Handschuhe, Blumensträuße: Wenn ein Bürgermeister in der Krise ins Amt kommt

Gruppenfoto mit Corona-Abstand: Bürgermeister Roger Winter (links) gibt die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Manuel Friedrich (Mitte) weiter.
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Gruppenfoto mit Corona-Abstand: Bürgermeister Roger Winter (links) gibt die Amtsgeschäfte an seinen Nachfolger Manuel Friedrich (Mitte) weiter.

In Obertshausen wurde Bürgermeister Manuel Friedrich ins Amt eingeführt – aber dank Corona unter befremdlichen Bedingungen.

Obertshausen – Maskenpflicht im Saal, Stühle auf Mindestabstand und ein behandschuhter Handschlag – es ist ein Amtswechsel unter besonderen Bedingungen, den sich wohl alle Beteiligten noch vor ein paar Wochen ganz anders erträumt hatten. Doch die Pandemie macht natürlich auch vor der Amtseinführung eines Bürgermeisters nicht halt. Und so wirken sich das Coronavirus und die damit einhergehenden Beschränkungen nicht nur auf den festlichen Rahmen der Amtseinführung von Obertshausens neuem Bürgermeister Manuel Friedrich aus. Es prägt an diesem Abend auch die Grußworte und guten Wünsche der geladenen Gäste für den neuen Rathauschef, der sein Amt in einer denkbar schwierigen Zeit übernimmt.

„Wenn ich ehrlich sein soll, meinen Amtsantritt habe ich mir wenige Tage nach der Wahl tatsächlich etwas anders vorgestellt“, sagt Friedrich kurz nach der Vereidigung in seiner ersten Rede. Beinahe täglich habe sich die Situation in den vergangenen 15 Wochen geändert. „Wir treffen uns in derselben Stadt wie kürzlich, aber in einer anderen Welt“, fasst er seine Empfindungen zusammen. Auf eine solche Situation könne man sich nicht vorbereiten. Er fühle sich daher aktuell eher als Getriebener, denn als Treiber. Doch kein Politiker der Welt suche sich die Krisen, die er zu bewältigen habe, aktiv aus.

Davon kann auch sein Vorgänger Roger Winter ein Lied singen, der sich schon zu Beginn seiner Zeit als Rathauschef mit der Flüchtlingskrise 2015 befassen musste. Diese Herausforderung – auch da herrscht unter den Rednern des Abends Einigkeit – haben der scheidende Rathauschef, das Team der Verwaltung und die vielen ehrenamtlichen Helfer gemeinsam gut gemeistert. Dabei seien es vor allem die kleinen Dinge, an die er sich gerne zurückerinnere und die ihn glücklich machen, betont Winter. „Wie oft haben wir auch in unserem Dezernatsteam gelacht trotz aller widrigen Nachrichtenlagen und konnten somit mit neuen Elan die Aufgaben anpacken“. Ob dies letztlich mehr an seinem „göttlichen Humor“ oder am schauspielerischen Talent seines engen Teams gelegen habe, lässt er offen. Ebenso wie seine beruflichen Pläne für die Zukunft – ein gut gehütetes Geheimnis, über das gleich mehrfach spekuliert wurde.

Vielleicht laufe man sich ja demnächst einmal in Wiesbaden über den Weg, hofft Dr. Jürgen Dieter, geschäftsführender Direktor des Hessischen Städtetags, in dem Obertshausen sei dem vergangenen Jahr Mitglied ist. Sportreporter – ein Kindheitstraum, den Winter einmal im Interview einer Schülerzeitung genannt hatte – tippt Kreisbeigeordneter Carsten Müller, der dem scheidenden Rathauschef für „sechs spannende Jahre“ und gemeinsam mit dem Kreis erreichte Erfolge, wie die Beilegung des Streits um das Gelände der ehemaligen Fröbelschule oder die Bewältigung der Flüchtlingskrise dankt. Mit seiner unaufgeregten Art habe Roger Winter auch die nahezu täglichen Telefonkonferenzen zwischen Kreisverwaltung und den Bürgermeistern in den vergangenen Wochen der Corona-Krise bereichert. Die Krise stelle die Verwaltungen auch weiterhin täglich vor neue Herausforderungen. „Alles zu schließen war einfach, aber die schrittweise Öffnung ist es nicht“, betont er.

Das weiß auch Friedrich, der sich nichtsdestotrotz kämpferisch gibt. Er wolle die Krise auch als Chance sehen und die Punkte seines Wahlprogramms engagiert angehen. „Ich könnte es mir einfach machen und Ihnen sagen, da sind nicht viele Punkte so geblieben, wie gedacht, das ist aber nicht mein Arbeitsstil.“ Gleichzeitig appelliert der neue Bürgermeister aber auch an die Fraktionen im Stadtparlament: „Es wird keine einfachen Aufgaben geben und manche Entscheidungen werden auch unangenehm. Mir ist jedoch wichtig, dass wir diesen Weg gemeinsam und im Zusammenspiel mit den Bürgern Obertshausens gehen“.

Grüße und die besten Wünsche sowohl für den neuen Rathauschef als auch seinen Vorgänger kommen an diesem Abend auch von den Vorsitzenden der fünf Fraktionen, Langens Bürgermeister Frieder Gebhardt, der stellvertretend für die Amtskollegen im Kreis gekommen ist und dem Direktor des Hessischen Städte- und Gemeindebunds, Karl-Christian Schelzke, der an diesem Tag selbst aus dem Amt scheidet.

VON THOMAS HOLZAMER

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