Sport und Bildung

„Mehr Straßenkicker fördern“: RTL besucht Sportklasse der Hermann-Hesse-Schule mit Schwerpunkt Fußball

Unter Beobachtung: Die Hesse-Schüler werden von einem RTL-Kamerateamgefilmt.
+
Unter Beobachtung: Die Hesse-Schüler werden von einem RTL-Kamerateamgefilmt.

Sie stehen in drei Reihen am Spielfeldrand und schauen hoch konzentriert auf ihren Trainer und die Mitspieler. Drei Jungs rennen gleichzeitig los, sollen einen anderen abschlagen, aber selbst nicht getroffen werden. Das funktioniert auch mit einem Ball. Der Mann vom Fernsehen hat seine Kamera schon abgekabelt, sie ist jetzt nicht mehr mit dem Mikrofon am Galgen verbunden. So rennt er mit den Spielern über Platz C im Sportzentrum, die Linse immer auf Ballhöhe.

Obertshausen – 60 Fünft- und Sechstklässler wieseln mit ihren Lehrkräften und Übungsleitern in vier Gruppen über den gepflegten Rasen. Für die Kinder aus den Sportklassen der Hermann-Hesse-Schule (HHS) mit Schwerpunkt Fußball ist das Treffen der Anpfiff zu einem neuen Talentförderprogramm, erläutert Sebastian Hix. „Nach unserer Aufnahme in den Regionalverbund der DFB-Eliteschule im Mai bieten wir jetzt für talentierte Fußballer und Fußballerinnen zusätzliche Angebote“, präsentiert der Sportkoordinator der Hesseschule einen weiteren Schritt im Konzept der Gesamtschule.

Zu den Kooperationspartnern zählen die Offenbacher Kickers. Der Leiter ihres Leistungszentrums, Trainer Alfred Kaminski, sitzt ebenso im Boot wie Alexander Schwarzenberger, Athletiktrainer der U19 beim OFC, und Sportpsychologe Tim Botschek. Er hat die psychische Belastung der Schüler im Blick, achtet darauf, dass der Leistungsdruck nicht zu hoch wird.

Das Team vom Bieberer Berg bietet ein spezielles Training für Talente an, berichtet Hix. Weil die auserwählten Kicker dann vielleicht in Mathe oder Englisch fehlen, geben Lehrkräfte der HHS Kompensationsunterricht, in dem die Inhalte der Hauptfächer wiederholt werden. Derzeit werden 14 Talente aus den Jahrgängen fünf und sechs gefördert, weitere 40 aus den Klassenstufen sieben und acht.

Viele der Spieler besuchen Nachwuchsleistungszentren von Eintracht Frankfurt, SV Darmstadt, Mainz 05 und Kickers Offenbach. Beim OFC hat Hix Gespräche mit Eltern geführt, neue Schüler geworben – und gewonnen. Bis aus Rödermark, Frankfurt und Seligenstadt kommen die Mitglieder der Sportklassen mittlerweile.

Im Interview: Kickers-Jugendtrainer Jonas Werner ist an der Hesse-Schule angestellt.

Und das Engagement führt weiter: „Nächste Woche steht Leistungsdiagnostik auf dem Stundenplan“, kündigt der Sprecher an. Parallel werden Pädagogen von der Partnerschule ins Boot geholt. „An der Graf-von-Stauffenberg-Oberstufe in Rodgau gibt es einen Sport-Leistungskurs“, informiert Hix weiter. Gemeinsam mit Lehrkräften in Dudenhofen wollen die Obertshausener eine „nachhaltige Talentförderung“ entwickeln, gute Schüler testen und ihre Entwicklung beobachten. So sollen individuell Schnelligkeit, Technik und Koordination gestärkt werden.

„Wir wollen mehr Straßenkicker fördern“, formuliert Hix, „starten Kleinfeldspiele mit fünf gegen fünf“. Jonas Werner von den Kickers bekleidet eine Vollzeitstelle an der HHS, steht den Lernenden als Trainer und nach dem Unterricht als Gesprächspartner bereit, damit der Nachwuchs nicht überfordert wird, betont der Koordinator. Unterstützung finde die Schule obendrein durch OFC-Frau Ana Rekic, die den Mädchenfußball aufbaue.

Qualifizierte Kräfte von OFC und Teutonia Hausen begleiten die HHS-Fußballer, Gespräche laufen derzeit mit Kickers Obertshausen, heißt es. Auch im Tennis arbeitet die Schule mit der Teutonia zusammen, ferner mit dem Turnverein. Die Tischtennis-Talente werden von Übungsleitern der Turngesellschaft begleitet, die Leichtathleten von Aktiven der Turngemeinde, die Volleyballer von Mitgliedern des VC Ober-Roden und die Turner vom TV. Die Einrichtung führt sieben Sportklassen mit 180 Schülerinnen und Schülern. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare