Kultur und Bildung

Mit Kreativität durch die Krise: Musikschule Obertshausen lässt die vergangenen Monate Revue passieren

Für die Musikschule im Einsatz: Dietmar Schrod (links), pädagogischer Leiter, und Jürgen Hofmann, Fachbereichsleiter Sport, Kultur und Bildung.
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Für die Musikschule im Einsatz: Dietmar Schrod (links), pädagogischer Leiter, und Jürgen Hofmann, Fachbereichsleiter Sport, Kultur und Bildung.

Die Restaurants sind wieder geöffnet, die ersten Veranstaltungen können stattfinden. Es scheint, als ob man langsam zurück zur Normalität übergehen kann. Auch bei der Musikschule Obertshausen ist fast wieder alles beim Alten. Doch, dass es ein langer Weg bis dorthin war, berichten Dietmar Schrod, pädagogischer Leiter der Musikschule und Jürgen Hofmann, Fachbereichsleiter für Sport, Kultur und Bildung.

Obertshausen – Alles nahm seinen Anfang im März 2020, als der erste Lockdown in Deutschland ausgerufen wurde. „Wir haben dann aber natürlich geschaut, wie wir weiter unterrichten können“, erinnert sich Schrod. Dabei sei man stets in einem engen Austausch mit dem Verband Deutscher Musikschulen (VDM) gewesen, der sich im Gespräch mit der Politik befunden habe.

Recht schnell ging die Musikschule dann dazu über, ihre Einzelschüler online zu unterrichten. Gruppen- oder Ensembleveranstaltungen wurden hingegen auf Eis gelegt. „Der Online-Unterricht war für manche Kollegen schon ziemliches Neuland“, sagt der pädagogische Leiter. „Doch nach einer kurzen Einarbeitungszeit hat es gut geklappt.“

Von Vorteil sei vor allem der Zeitpunkt des Lockdowns gewesen, gesteht Jürgen Hofmann. „Wir haben natürlich durch die Osterferien etwas Zeit gewonnen, um alles vorzubereiten, da zu dieser Zeit ohnehin kein Unterricht stattfindet.“

Man wollte kein Risiko beim Gesang eingehen

Im Mai vergangenen Jahres konnte die Musikschule dann wieder Präsenzunterricht anbieten. Da die Schulen jedoch immer noch nicht als Unterrichtsraum verfügbar waren, nutzte man städtische Räume für den Unterricht wie zum Beispiel das Bürgerhaus. „Durch die Pandemie sind viele Veranstaltungen ausgefallen und somit Räumlichkeiten verfügbar gewesen“, erläutert der Fachbereichsleiter. „So konnte eine gute Synergie erzeugt werden.“

Der Präsenzunterricht bezog sich jedoch weiterhin auf Einzelpersonen. Wobei auch hier auf den Gesang verzichtet wurde. „Wegen der fortlaufenden Diskussion wollten wir da kein Risiko eingehen“, sagt Schrod.

Im zweiten Lockdown Ende des Jahres konnte recht schnell wieder, unter entsprechenden Auflagen, Einzel- und Gruppenunterricht stattfinden, wobei sich Letzteres auf maximal drei Personen beschränkte. „Bei der musikalischen Früherziehung (ab vier Jahren) haben wir jedoch darauf geachtet, dass Kinder, die gemeinsam eine Kita besuchen, nicht neu gemischt werden“, sagt der pädagogische Leiter im Hinblick auf das Infektionsrisiko.

Neue Erfahrungen beim Konzertstream

Wegen des Risikos und der Auflagen konnten auch viele Veranstaltungen, die für die Musikschule eine große Relevanz haben, nicht stattfinden. „Wir haben uns dann gefragt, wie wir trotzdem Öffentlichkeit herstellen können“, schildert Schrod die Überlegungen. Daher entschied man sich, einen musikalischen Adventskalender zu erarbeiten. Dabei wurde für jedes Türchen ein eigenes Video mit den Musikschülern produziert, das anschließend auf der Internetseite der Musikschule veröffentlicht wurde. „Wir waren sehr überrascht, wie viele Leute sich das angesehen haben“, gesteht Hofmann, der von Abrufzahlen im dreistelligen Bereich spricht. Da es zusätzlich zu den Zuschauerzahlen auch viele positive Rückmeldungen gab, laufen schon Überlegungen diese Aktion zu wiederholen.

Eine große Rolle spielte das Internet auch für den Fachbereich Klavier, wie Schrod berichtet: „Wir haben dort ein Konzert unserer Schüler ins Internet gestreamt.“ Sollte es erneut zu einem Lockdown kommen, so stellt dies auch für andere Bereiche der Musikschule eine ernsthafte Alternative dar. „Die Erfahrung und das Know-how sind ja jetzt da“, meint Schrod.

Vorbereitungen für Veranstaltungen laufen

Diese Überlegungen zeigen vielen Eltern und Schülern, dass man sich große Mühe gibt, den Unterricht stattfinden zu lassen. „Man hätte erwarten können, dass eine Kündigungswelle losgetreten wird – aber das ist nicht passiert“, freut sich der pädagogische Leiter. Stattdessen äußerten Schüler und Eltern stets ihr Verständnis und unterstützten die Bemühungen.

Zurzeit läuft die Anmeldezeit für das neue Schuljahr. „Das einzig negative, das man merkt: Die Leute sind verhaltener geworden“, analysiert Jürgen Hofmann die Anmeldungen für das neue Schuljahr, die sich nicht so stark wie in den Vorjahren entwickelt hätten.

Trotzdem arbeitet man bei der Musikschule an neuen Konzepten, um das Angebot stetig zu erweitern. „Wir wollen auch anstreben für 2022 wieder Veranstaltungen zu planen“, verkündet Dietmar Schrod abschließend. (Von Jan Max Gepperth)

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