Leidenschaft und „Irre Typen“

Musikschullehrer Jürgen Weiss unterrichtet seit 25-Jahren in Obertshausen

 Bürgermeister Manuel Friedrich gratuliert Musiklehrer Jürgen Weiss zu 25 Jahren Dienstzeit.
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Seit 25-Jahren ist Jürgen Weiss (links) bereits Teil der Musikschule Obertshausen. Dank für sein Engagement gab es nun auch von Bürgermeister Manuel Friedrich.

Ein Klezmer-Projekt zur Ausschwitz-Befreiung vor 75 Jahren schwebte ihm vor, ein Konzert der Holzbläser und natürlich das „Combo-zert“ der „Irren Typen“. So hätte Jürgen Weiss seine 25 Jahre im Dienste der Musikschule Obertshausen gefeiert. Viele Auftritte muss er wie seine Kollegen wegen Corona begraben. Seinen Mut hat der „Musiker mit pädagogischer Berufung“, wie er sich selbst erklärt, aber nicht verloren.

Obertshausen – „Ich habe mich bewusst für den pädagogischen Aspekt entschieden“, betont der Jubilar, „ich kann mit der Musik dicht am Menschen sein“. Weiss sieht sich vielmehr als Pädagoge denn als Künstler, „mir liegt der Lehrerberuf ganz stark am Herzen“. Bei der üblichen Eins-zu-eins-Beziehung lerne man einen Schüler gut kennen. „Du begleitest seinen Lebensweg, anders als in einer Schulklasse mit 30 Kindern“.

Diesen Blickwinkel hat er aus Battenberg mitgebracht. Seine Eltern pflegten ein „offenes Haus“, in dem er Nachbarn mit Behinderungen als „besondere Menschen“ schätzen gelernt hat. „Die Erfahrung, wie schön es ist, mit ihnen zu leben, schafft einen anderen Zugang zur Gesellschaft.“ Das spürt der Liedermacher immer wieder, wenn er mit seinen Musikerkollegen Farid Faust und Uwe Schneider von den „Irren Typen“ als Band „triOH“ auf Tour ist. „Die Arbeit mit Menschen mit Behinderungen übt einen positiven Effekt auf meine Musikschul-Arbeit aus, wird nie langweilig und ist eine der schönsten Erfahrungen“, fasst Weiss zusammen. Traurig stimmt ihn, dass seine „Irren Typen“ in den jetzt isolierten Wohnheimen die Beziehungen fehlen.

Mitarbeiter der größten Musikschule der Region zu sein, weiß er zu würdigen: „Du bist vernetzt, hast einen Austausch und kannst voneinander lernen“, sagt der Fachbereichsleiter der Holzbläser. Das Institut arbeite „sehr strukturiert“ und genieße eine hohe Wertschätzung, sei vielseitig präsent, auch in Schulen und Kitas. Weiss freut sich stets, wenn er ehemalige Schüler trifft. (Michael Prochnow)

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