Die ältesten Siedlungsreste

Nach Ausgrabungen stand die Rekonstruktion der Burg im Hain zur Debatte

Die letzte künstlerische Rekonstruktion, gezeichnet vom Dietzenbacher Maler Günther Eppmann, aus dem Jahr 1997 zeigt vermutlich das realistischste Bild. 
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Die letzte künstlerische Rekonstruktion, gezeichnet vom Dietzenbacher Maler Günther Eppmann, aus dem Jahr 1997 zeigt vermutlich das realistischste Bild.

In der Chronik der Stadt Obertshausen berichtet der Heimat- und Geschichtsverein (HGV) über viele frühere Orte, zählt Fakten aus der Vergangenheit auf und sammelt einige interessante Anekdoten.

Obertshausen – So wie die lange erforschte Frage, wie die einstige Burg im Hain wohl ausgesehen haben könnte.

Die schriftlichen Überlieferungen zu der mittelalterlichen Befestigungsanlage in Obertshausen sind relativ dürftig – ein Zeichen für die recht geringe Bedeutung des Bauwerks. Der Heimat- und Geschichtsverein berichtet, da Obertshausen der Gerichtsbarkeit des Steinheimer Zentgerichts zugehörig war, findet sich im Steinheimer Salbuch aus dem Jahr 1576 folgende Eintragung: „item der Hayn umb die Borgk ist 9 morgen und stosst uff Epenstein“. Demnach umgab die Burg ein neun Morgen großes Waldgebiet, das an die Eppsteiner Besitzungen in Obertshausen, ein Hofgut mit 150 Morgen landwirtschaftlicher Nutzfläche und 30 Morgen Wiesen, grenzte.

Obertshausener Burg war vermutlich der Stammsitz der Herren von Hausen

Die Erbauer der Obertshausener Burg bleiben im Dunkeln. Allerdings dürften Wigger und Gottfried von Hausen, deren Namen aus Schriftquellen des zwölften Jahrhunderts bekannt sind, in Zusammenhang mit der „Burg im Hain“ stehen. Diese war vermutlich der Stammsitz der Herren von Hausen. Unter den nachfolgenden Hainhausenern und Eppsteinern verlor die Burg allerdings ihre Bedeutung, berichtet der HGV. Während der Turm der vergleichbaren Anlage im nahen Dreieichenhain als Eckturm in die staufische Befestigung integriert wurde, wurde die Obertshausener Burg aufgegeben.

Über die Jahrhunderte diente die Burg als Steinbruch und die Bevölkerung bediente sich ihres Baumaterials. Aus den Ergebnissen der in den Jahren 1964 und 1974 stattgefundenen Grabungen und Untersuchungen wissen die Geschichtsinteressierten dennoch einiges über ihr Aussehen.

Als typische Turmburg besaß die Befestigungsanlage in ihrer Mitte einen runden Turm. Eine aus unterschiedlichen Gesteinen wie Basalt und Arkosesandstein errichtete, gemörtelte Mauer umschloss eine Gesamtfläche von etwa 28 mal 31 Metern.

Obertshausen: Burggelände als Ausweichquartier für Weinfest

Rund um die Ringmauer erstreckte sich eine ein Meter breite Berme – ein horizontaler Absatz –, danach schloss sich ein vorgelagerter Graben an, der aufgrund des damals hohen Grundwasserspiegels ständig mit Wasser gefüllt war. „Alles in allem war die kleine Anlage kein imposantes Märchenschloss“, resümiert der HGV. Trotzdem hat die Burg im Hain für Obertshausen Bedeutung: Es handelt sich dabei um die ältesten noch existierenden Siedlungsreste der Stadt.

Nach den ersten Ausgrabungen 1964 gab es Überlegungen, wie man das Gelände um die Burg gestalten könnte. Die Ideen des damaligen Rektors der Joseph-von-Eichendorff-Schule und Ortschronisten Heinz Kahl reichten dabei von einer vollständigen Rekonstruktion bis zu den 1975 verwirklichten Mauerresten, die nur einen Grundriss der ehemaligen Anlage darstellen. Die letzte künstlerische Rekonstruktion des Dietzenbacher Malers Günther Eppmann aus dem Jahr 1997 zeigt wohl das realistischste Bild der Burg im Hain.

Im vergangenen Jahr diente das Gelände dem Weinfest als Ausweichquartier und belebte es so neu.

VON YVONNE FITZENBEREGER

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