Verein holt das Fest nach Hause

Nach Corona-Absage: TGS Hausen feiert Kerb im eigenen Biergarten

Mit der Feier der Hausener Kerb im eigenen Biergarten knüpften die Organisatoren der Turngesellschaft an frühere Zeiten an.
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Mit der Feier der Hausener Kerb im eigenen Biergarten knüpften die Organisatoren der Turngesellschaft an frühere Zeiten an.

„Lieber Kerbborsch, liebe TGS, liebe Kerbgemeinde, willkommen zu Hause!“ So begrüßte Vereinsvorsitzender und Kerbvadder Steffen Bogdahn die Besucher im TGS-Biergarten. Mit der Feier der Hausener Kerb im eigenen Biergarten knüpften die Organisatoren der Turngesellschaft an frühere Zeiten an.

Obertshausen – Der Borsch, Hüter über die Hausener Kerb, hockte wieder da, wo er herkommt, an der Aachener Straße – wenn auch nur für zwei Stunden. Aber das Orchester der TGS und sein Jugendensemble pflegten ihn und damit eine der ältesten Traditionen am Ort.

Die Blaujacken vom Vereinsring-Vorstand sahen sich diesmal in der Zuschauer- statt der Gastgeber-Rolle. Sie hätten am Wochenende die 10. Hausener Kerb eröffnen sollen, hatten sich jedoch für die Absage entschieden. Bürgermeister Manuel Friedrich musste so kein Bierfass anstechen, lobte dafür aber das Engagement der Musiker in den höchsten Tönen als vorbildlich: „Ihr macht was in der Krise!“

„Corona? Ein Grund aufzugeben ist das noch lange nicht“, stichelte die Antwort der Aktiven auf den Absagen-Hagel. Bogdahn warb für gutes Essen und Getränke der griechischen Wirtsleute in der Waldschänke, dankte dem Event-Kultur-Club mit Michael Fischer für die Mitorganisation, dem Marli-Kaffee-Mobil und allen, die das Fest möglich gemacht haben.

„Wir waren von Anfang an Feuer und Flamme für die Idee“, versprühte der Sprecher Begeisterung, „auch wenn man nicht tanzen und singen und der Kerbborsch nicht mit Mädels rummachen darf“. Musikalisch ließ Christian Sporn ein Willkommen im voll besetzten Biergarten erklingen. Das Orchester durfte wochenlang nicht proben. Also hatte jeder daheim seine Stimme aufgenommen. Die Dateien wurden später am Computer zusammengeschnitten ins Netz gestellt. Nun ertönten „Nesaja“ aus „Tabaluga“ und „Everybody Needs Somebody“ wieder live.

Das Jugendorchester befand sich mit einer Projektgruppe mitten in den Vorbereitungen für ein Konzert zum Muttertag als der Lockdown kam. Geprobt wurde unter der Pergola für „Musik ist Trumpf“, ein Programm mit Titeln aus „Grease“ unter Leitung von Peter Ripkens. „Das hat nicht geklappt, umso froher sind wir, dass es mit nur drei Proben fürs Kirchweihfest gereicht hat.“

Kerbvadder Steffen Bogdahn schwor die versammelte Festgemeinde auf die Kerb ein.

In der dritten Stunde seiner Regentschaft, „nach kurzem, aber heftigem Leiden, ist der Kerbborsch von uns gegangen“, verkündete Bogdahn kurz nach 21 Uhr. Der Regent habe es „zu doll getrieben“, nun möge man ihm die letzte Ehre erweisen, bat der Kerbvadder. Also, das Taschentuch in die linke Hand und „aller armen Obertshäuser gedenken, die nie in ihrem Leben richtig Kerb gefeiert haben“.

Der Borsch, verlas der Mann im eleganten Schwarzen die „letzten Worte“ des Verschiedenen, fand es „schee’, wieder daheim im Wohnzimmer zu feiern“. Erinnerungen kreisten um Maibaum mit Krone, der zur Kerb „auf einem der berühmtesten Pilgerplätze“ aufgestellt wurde, um Weihnachtsmarkt und Bürgermeister-Wahl, „den Posten vom Alt-Bürgermeister aus dem Winterschlaf zu holen“. Trotz einem Trio gab es keine Stichwahl. Vielleicht weil Marathonläufer Friedrich noch immer „von Haus zu Haus läuft“, sei er jetzt der jüngste Rathauschef „und hat gar nicht mitbekommen, dass er die Wahl gewonnen hat“.

Durch Corona darbe das öffentliche Leben, die Zeitung werde „von Woche zu Woche dünner, es gibt einfach nichts mehr zu berichten“. Im Stadtteil Obertshausen falle nicht nur die Kerb aus, dabei sei die Veranstaltung kein Problem, gebe es dort doch „auch in normalen Zeiten kaum zehn Besucher“, stichelte der TGS-Chef. „Am Ende lebt dieser Ort vom Engagement der Ehrenamtlichen“, und dazu zähle die Lagerleitung der Katholischen Jugend, die Ferienspiele für 60 Kinder auf die Beine gestellt habe. „Aber für einen Ehrenbrief muss man Berufspolitiker sein, es reicht nicht, für Kinder oder Flüchtlinge da zu sein oder Müll zu sammeln“, wurde er konkret. Und mahnte: „Am Ende liegt es an uns, diesen Ort zu gestalten, ihn gern und voller stolz Zuhause zu nennen“. (Von Michael Prochnow)

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