An Armin Paul

Nach 40 Jahren übergibt Hartmut Nitzsche seine „Bücherkiste“

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Dauerbrenner, auf dem und am Tisch: Hartmut Nitzsche und Armin Paul.

Obertshausen - Welches Schriftwerk lief nach der Erfindung der Druckkunst zuerst durch? Natürlich die Bibel. Und so verwundert es nicht, dass Leseratten in der evangelischen Kirchengemeinde bis heute gut bedient werden. Nur die Leitung der Bücherkiste hat gewechselt.

„Fünf Freunde erforschen die Schatzinsel“, sind „Auf geheimnisvollen Spuren“, „Im Zeltlager“ und „In Schwierigkeiten“ - Hartmut Nitzsche kennt praktisch alle 22 Titel der legendären Kinderbuchreihe von Enid Blyton. Die Bestseller waren ein weiterer Grund, sonntags den Weg zur Waldkirche anzutreten. Aus dem treuen Leser wurde ein christlicher Buchhändler. Fast 40 Jahre führte er die Bücherkiste im Gemeindehaus. Jetzt gab er die Leitung ab an Armin Paul.

Schon Pfarrer Johannes Schilling ließ Einbauschränke im Gemeindesaal, dem hinteren, damals abtrennbaren Teil der Waldkirche, installieren. Sie bargen das Lesefutter einer Leihbücherei, die mit Jugendliteratur punktete, aber auch eine stattliche Auswahl christlicher Bände bereithielt. Mit Pfarrer Volker Lotz kam 1968 der Wandel. Die Werke wurden zum Kauf angeboten, erinnert sich Nitzsche.

„Da gab’s viele kleine, sehr günstige Exemplare“, weiß er noch. 1976 hatte er den „Büchertisch“ übernommen und zwei Jahre später als Gewerbe angemeldet. Das hatte Vorteile: „Die Buchpreisbindung legt die Preise fest, du bist also darauf angewiesen, was der Verlag an Margen gibt, in der Regel zehn Prozent.“ Ein professioneller Händler aber habe andere Einkaufsmöglichkeiten, bekomme bis zu 30 Prozent Gewinn“, erläutert der scheidende Geschäftsmann.

Der Verdienst floss keineswegs in die eigene Tasche. „Davon haben wir Inventar gekauft oder Jugendgruppen unterstützt“, erzählt der einstige Mitarbeiter des Computer-Riesen IBM. Die Buchhaltung übernahm seine Frau Ruth, die Erfahrung aus der Arbeit in einem Steuerbüro mitbrachte. Im Gemeindehaus hatten sie einen eigenen Raum, mussten die Ware aber zur Öffnungszeit alle 14 Tage aus den Schränken holen, auf- und abbauen.

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Wie das zukünftig aussieht, weiß Armin Paul noch nicht. Er übernahm die Bücherkiste, nachdem er schon seit vielen Jahren mitgearbeitet hat. Die Einrichtung soll künftig im neuen Foyer an jedem Sonntag öffnen. Das Geschäftsmodell übernimmt der Betreuer von Computer-Programmen einer Bank nicht, um die Verwaltungsarbeit seiner Vorgänger zu vermeiden. Er möchte ein Team bilden, um ab Mitte des Jahres vielleicht auch unter der Woche im künftigen Café öffnen zu können.

Paul wuchs mit den „Drei vom Ast“ auf, drei Tieren, die die Bibel erklärt haben. Als Kassette wurden die Geschichten hundertfach verkauft. Für Kinder war der „Schlunz“ der Renner. Harry Voss vom Bibellesebund erzählte da die Geschichten eines Zehnjährigen, der Abenteuer erlebt, die Vergebung, Dank und Barmherzigkeit lehren. „Jesus, unser Schicksal“, eine Sammlung von Predigten des Pfarrers Wilhelm Busch, seien heute noch gefragt.

Der eindeutige Hit sei aber nach wie vor die Bibel. Zehn verschiedene Übersetzungen haben sie in bis zu 30 Aufmachungen im Sortiment. „Heute ist die Auswahl viel größer, aber die Leute bestellen mehr im Internet“, sagt Paul. Tun sie das über die Homepage der Gemeinde, bekommt sie wenigstens noch die Provision.

M.

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