Ehrenamtliches Angebot „Obertshausen hilft“ wächst weiter

Obertshausen: Netzwerk auch für Zeit nach Corona

Besuch beim Wohnverbund für Menschen mit Behinderung gab es von der Akustikgruppe Simpatico.

Obertshausen – Vereine dürfen ihre sportlichen und kulturellen Aktivitäten nicht in gewohnter Form pflegen, für viele Menschen gilt selbst der alltägliche Einkauf als Risiko. In dieser Zeit zeigen die Einwohner der Kleinstadt mit Herz: „Obertshausen hilft“. 

Obersthausen - Es war Freitag, der 13. März, unmittelbar vor Eintritt der Beschränkungen, als sich ein Dutzend Bürger verschiedener politischer Couleur im Internet trafen, um Hilfsangebote und Hilfesuchende zusammenzuführen. Innerhalb weniger Stunden haben sich in einem sozialen Netzwerk mehr als 300 Personen gefunden, die bis heute das ehrenamtliche Netzwerk mittragen.

Inzwischen ist die Gruppe auf rund 1300 Mitglieder angewachsen, informiert Mitgründerin Katy Walther. Die Landtagsabgeordnete und die Administratoren Fabian Bleisinger, Corina Retzbach, Marius Kroh, Annette Boldt, Nevzat Tuyan, Sylvia Hornung, Steffen Rödiger, Marc Fischer und Alexander Roth achten zunächst darauf, wer sich ihnen anschließen möchte. Dazu schauen sie sich die die Profile der Bewerber im Internet an, bei Minderjährigen nehmen sie Kontakt mit den Eltern auf, „aber die meisten sind uns persönlich bekannt“.

Obertshausen: Große Bereitschaft während Corona

Die große Bereitschaft ermöglichte es, Kategorien einzurichten. Unter „Infos“ beispielsweise aktualisieren die Aktiven Mitteilungen von Land, Kreis sowie Gesundheitsbehörden und unter „Geschäfte“ finden Interessierte Öffnungszeiten und Bestellangeboten von Fachgeschäften. Die Rubrik „Schule, Abi und Studium“ umfasst alles rund um Unterricht zu Hause, Nachhilfe-Institute, Neuigkeiten vom Kultusministerium.

Die Kategorie „Finanzhilfen“ beinhaltet Programme für Wirtschaft, Künstler, Familien wie erhöhtes Kindergeld, aber auch Ausfüllhilfen. „Ärzte und Apotheken“ zeigt Praxis-Sprechstunden und Notdienste auf. Die Abteilung „Challenges“ fordert zum Mitmachen auf. Schließlich steht in „fremdsprachige Informationen“ alles zu Corona auf Arabisch, Türkisch, Farsi, Polnisch, Rumänisch, Russisch, Italienisch und Spanisch. „Wir haben pro Tag 25 bis 30 Kontakte“, sagt Mitinitiatorin Walther, „überwiegend Senioren und Leute aus der Risikogruppe ohne nahe Angehörige“. Für sie holen Helfer Rezepte beim Arzt ab, Medikamente in der Apotheke oder gehen mit dem Hund spazieren.

Schutz vor Corona: Vorbereitungen auf Maskenpflicht

Angesichts der nun bundesweit bevorstehenden Maskenpflicht organisiert der Kreis Stoff, den viele zu Mund- und Nasenschutz vernähen. Mathilde Wolf zum Beispiel hat 50 Masken für die AWO-Tagespflege und das Hospiz am Wasserturm in Rodgau abgegeben.

Mitglieder des Seniorencafés telefonieren regelmäßig mit Betroffenen. Eine Altenpflegerin steht auf Abruf bereit. „Richtig angelaufen ist die Sache, als wir Faltblätter verteilt haben“, resümiert Walther, „damit hat unser Angebot auch die Älteren erreicht. Wir rechnen mit mehr Hilfsbedürftigen“.

Immer wieder rufen aber auch Leute einfach an, um das Team zu loben: „Ich bin froh, dass ihr das macht.“ Andere wollen Geld spenden, das im Moment nicht benötigt wird. Der „harte Kern“ der Administratoren verabredet sich täglich zu einer Telefonkonferenz und steht über eine Plattform im Internet permanent in Kontakt.

Weiterführung der Aktion auch nach Corona-Krise

Künftig wollen die jüngeren Leute vielleicht in der Oase einspringen, der Lebensmittelausgabe für Bedürftige, da viele Mitglieder der Belegschaft der Risikogruppe angehören. Auch die Abstimmung mit dem Rathaus laufe vorbildlich. „Manche wollen, dass die Aktion bleibt, auch wenn die Krise tatsächlich beendet werden kann“, blickt die Sprecherin in die Zukunft und spricht von einem spürbaren Wir-Gefühl. „Wenn alles vorbei ist, machen wir eine riesige Party.“

Aktive gesucht:

Wer der Gruppe helfen will oder selbst Hilfe benötigt, findet alle Informationen online auf obertshausenhilft.de oder erhält diese per Mail an hilfe@obertshausen-hilft.de und unter z 06104 953073 – einfach auf den Anrufbeantworter sprechen.

VON MICHAEL PROCHNOW

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