Bei der Verbindung wird es eng

Arbeit und Corona: Homeoffice stellt Rathaus vor einige Probleme

Seit rund vier Monaten wartet man im Rathaus an der Schubertstraße auf eine schnellere Leitung.
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Seit rund vier Monaten wartet man im Rathaus an der Schubertstraße auf eine schnellere Leitung.

Die Corona-Pandemie hat auch vielerorts das Arbeiten im Homeoffice mit sich gebracht. Der Stadtverwaltung in Obertshausen bereitet dies allerdings noch technische Probleme.

Obertshausen – Strikte Kontaktbeschränkungen, FFP-2-Masken-Pflicht in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie nachdrückliche Forderung an Unternehmen, ihren Mitarbeitern wo immer möglich die Arbeit im Homeoffice zu ermöglichen. Die jüngsten Coronaregelungen beginnen langsam ihre Wirkung zu zeigen. Doch wie sieht es eigentlich bei der Stadt mit dem Homeoffice aus, geht die Verwaltung mit gutem Beispiel voran?„Nein“, findet Max Altmann und spricht in einem Leserbrief an unsere Redaktion von Ausreden.

Der Obertshausener führt ein kleines Unternehmen und ist nach eigenen Angeben schon vor fast einem Jahr dem Aufruf der Politik gefolgt alle möglichen Kontakte, auch im Arbeitsleben, zu reduzieren. „Für sehr viel Geld habe ich die Möglichkeit geschaffen meinen Angestellten mobiles Arbeiten anbieten zu können“, berichtet er. Für ihn als Kleinunternehmer in Krisenzeiten eine große Belastung. „Nun fast ein Jahr später muss ich sagen, dass es sich ausgezahlt hat“, zieht der Geschäftsmann Bilanz.

Corona in Obertshausen: „Verwaltung arbeitet, als gäbe es keine Pandemie“

Nach einem vereinbarten Termin im Rathaus ärgert sich Maximilian Altmann nun darüber, dass „unsere Verwaltungen weiterhin arbeiten, als hätten wir keine Pandemie.“ „Ich finde, es ist wirklich beschämend, dass die Politik an uns Unternehmer Forderungen stellt, die sie an sich selbst anscheinend nicht stellt“, erklärt der Geschäftsmann.

Diesen Eindruck habe er zumindest bei seinem Termin im Rathaus gewonnen: „Ein voll besetztes Rathaus mit vollen Büros. Es sah so aus, als wären wir wieder im Jahr 2019. Leicht irritiert habe ich den Mitarbeiter gefragt, ob es denn kein mobiles Arbeiten bei der Stadt geben würde. Er schaute mich etwas verwundert an, grinste dann und sagte: ,Wir sind hier bei der Stadt, ich bin froh wenn ich Mails mit mehr als 5 MB Anhang empfangen kann, vom Homeoffice sind wir noch Jahrzehnte entfernt’.“ In einem kurzen Gespräch habe er erfahren, dass sein Gegenüber zwar potenziell bei Schaffung technischer Möglichkeiten einen Großteil der Arbeit zuhause erledigen könnte, aber dass dies eben nicht gewünscht sei, erzählt Altmann. Zudem werde als Argument dafür der Datenschutz genannt. „Hierfür habe ich kein Verständnis; und wenn selbst teilweise Justiz- und Strafverfolgungsbehörden mobil arbeiten können müsste es für die Datenschutz-Thematik ja auch eine Lösung geben“, führt er an.

Rathaus-Mitarbeiter in Obertshausen: „Vom Homeoffice noch Jahrzehnte entfernt“

Dass die strengen Vorgaben des Datenschutzes die Verwaltung tatsächlich in vielen Fällen vor Probleme stelle, bestätigt Bürgermeister Manuel Friedrich. Den Vorwurf, es sei seitens der Verwaltung nicht gewünscht, die Mitarbeiter nach Möglichkeit von zu Hause arbeiten zu lassen, weist der Rathauschef jedoch entschieden zurück. „Seit Beginn der Krise versuchen wir, unsere Mitarbeiter so gut es geht zu schützen“, betont er. Überall da, wo ein mobiles Arbeiten möglich sei, versuchte man dies den Mitarbeitern der Verwaltung anzubieten. Zahlreiche städtische Aufgaben ließen sich jedoch nicht vom heimischen Schreibtisch erledigen. Dies gelte beispielsweise für die Mitarbeiter des Bauhofes, Feuerwehr, Ordnungsamt oder die Gebäudemanager, aber auch für zahlreiche Stellen der Kernverwaltung, wie den Bürgerservice oder ähnliches, ergänzt Fachbereichsleiter Sebastian Zimmer. Anhand dieser Kriterien blieben von den aktuell insgesamt 371 Mitarbeitern der Stadt – 450-Euro-Kräfte inbegriffen – noch rund 70 Mitarbeiter übrig, für die ein mobiles Arbeiten infrage käme, für 20 davon habe man diese bereits realisieren können, zählt er auf. „Und man darf auch nicht vergessen, dass wir in ein paar Wochen eine Kommunalwahl haben, die wir als Verwaltung auch in Präsenz durchführen müssen“, erinnert Zimmer.

Das größte Hindernis sei aktuell jedoch die Technik, betont Zimmer. Denn für die Zahl der Anwender seien die städtischen Leitungen und Serverkapazitäten bisher nicht ausgelegt gewesen. „Wir sind im ersten Lockdown zunächst quasi im Krisenmodus mit unserem Back-up-System gestartet“, berichtet er. Diese Lösung funktioniere zwar mit einer kleinen Anzahl von Anwendern wie die Mitglieder des regelmäßig tagenden Krisenstabs gut, eigne sich jedoch nicht für den Regelbetrieb. Auch habe die Stadt, unterstützt mit rund 50 000 Euro vom Land, kräftig in die IT-Hardware und zusätzliche Serverkapazitäten investiert und die Infrastruktur angepasst.

Rathaus Obertshausen: Keine Beschwerden von Mitarbeitern bekannt

„Jetzt warten wir seit mittlerweile vier Monaten auf die beauftragte bessere Internetleitung“, ärgert sich der Hauptamtsleiter, in dessen Fachbereich auch die IT fällt. Denn ohne schnelle Verbindungen bringt auch die zusätzliche Ausstattung nichts. In diese investiert die Stadt noch mal rund 10 000 Euro. Wegen der Verzögerung habe man zudem bei anderen Anbietern nachgefragt, jedoch ebenfalls ohne Erfolg.

Beschwerden seitens der Mitarbeiter habe es in Bezug auf das Thema mobiles Arbeiten bisher auch noch nicht gegeben, ergänzt der Rathauschef. Diese seien nach der jüngsten Verordnung vor zwei Wochen auch noch einmal abgefragt worden und auch mit dem Personalrat sei man im Gespräch. „Der ein oder andere Mitarbeiter kam schon mit dem Wunsch nach Homeoffice auf uns zu, Beschwerden, hat es aber noch keine gegeben“, bestätigt auch dessen Vorsitzender, Erik Schulze. (Von Thomas Holzamer)

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