Fest-Gemeinde

Kiez wird zur Partymeile – „Pommern-Gang“ feiert ihr 20. Straßenfest

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Egal, ob noch da oder längst weggezogen: Einmal im Jahr kommen die Pommernsträßler zusammen, um ihr Straßenfest zu feiern.

Gibt es sie noch oder sind sie jetzt wieder „in“? Die Erinnerung führt in die 80er-Jahre, als Nachbarn – eher spontan als generalstabsmäßig geplant – ein paar Campingstühle und Tische von der Terrasse auf die Stichstraße gestellt, den Grill angeworfen, Salate gemacht und Kuchen gebacken haben: Fertig war das Straßenfest.

Obertshausen – Heute ist die Organisation viel aufwendiger, wissen die Köpfe der „Pommern-Gang“, wie sich die verschworene Gemeinschaft der Nachbarn im Hausener Norden nennt. Am Samstag feierten sie ihr inzwischen 20. Straßenfest. .

Die Zutaten für eine erfolgreiche Tradition unter freiem Himmel sind offensichtlich, sammeln ein paar Anwohner Voraussetzungen für eine funktionierende Fest-Gemeinde. Den Organisatoren kommt etwa zugute, dass viele derselben Generation angehören. Sie zogen zur selben Zeit Kinder groß, und der Nachwuchs ist wohl ein Garant dafür, dass sich Eltern kennenlernen. Viele Familien leben in den Reihenhäusern am Eingang der Straße. Und die älteren Häuser auf der Westseite hatten damals ebenfalls junge Eltern übernommen.

Inzwischen sind die Sprösslinge längst flügge geworden und ausgezogen, einige Gründer haben ihre Immobilien gegen eine kleinere Einheit getauscht, haben also gar keine Adresse in der Pommernstraße mehr. Aber sie kommen trotzdem mit Salatschüsseln und Kuchenblechen zum Fest. OP-Redakteur Peter Schulte-Holtey ist einer von ihnen, der den Kontakt zu den alten Nachbarn pflegt. Und das nicht nur bei der Open-Air-Sause Ende Juni.

Lagerfeuerromantik auf der Straße: Zum gemütlichen Ausklang sammelt sich die „Pommern-Gang“ um die Flammen.

Die „Gang“ ist auch beim Pub-Quiz im Bürgerhaus gefürchtet, räumte mit geballtem Wissen schon so manchen Preis ab. Zum Team gehört auch Dieter Baumgartl. Der Radsportler der TGS holt ein Kellertrübes aus seiner Garage und schwelgt in Erinnerungen: Ein paar der Kinder haben gemalt, wie sie sich ihre Straße wünschen. Das Bild gelangte ins Rathaus, und dort haben sie beschlossen, die Fahrbahn zu einer Spielstraße umzubauen.

Seit einigen Jahren wohnt auch Martin Keller, Mitglied der Hausener Rock-Band Jay-K, in der Pommernstraße. Vor ein paar Jahren hat er noch mit einigen Kumpels in der Garage musiziert, jetzt schleppt er aus einer solchen Eis zu den Wannen mit Bier und Sekt. Das Zelt dient diesmal nicht als Regen-, sondern als Sonnenschutz. Jochen Faust, der zwei Straßen weiter wohnt, hat es organisiert. Kommunalpolitikerin Martina Biehrer wohnt auch nicht direkt in der Straße, kann sie von ihrem Haus aus aber überblicken.

Dann gehört noch ein kleiner Tischkicker zum Feiern sowie indische Spezialitäten auf dem Büfett, die Mitbewohner von dem Subkontinent zubereitet haben. Und, weil es ja eine Gang ist, später auch ein Feuer in einer schweren Metallwanne. Die Kinder, die bisher auf Matratzen in einer Garageneinfahrt Filme auf dem Smartphone geschaut haben, halten nun lange Stöcke mit Marshmallows an den Spitzen über die Flammen und genießen das Abenteuer. Und zum Finale wird ein kleines Feuerwerk gezündet, das von der guten Laune im Hausener Norden kündet.

VON MICHAEL PROCHNOW

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