Ohrfeige und Fahrzeugcrash

Obertshausen: Prozess bringt pikante Beziehungsdetails ans Licht

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Eine turbulente Beziehung wurde vor dem Offenbacher Schöffengericht ausgebreitet (Symbolbild).

Ein 30-jähriger Ex-Obertshausener muss sich vor dem Schöffengericht in Offenbach verantworten. Es geht um eine Ohrfeige, einen Unfall und eine Belastungszeugin, die plötzlich ganz anders aussagt. 

Obertshausen – Im Fokus standen Beziehungsstreitigkeiten. Die Belastungszeugin sagt vor Gericht jedoch anders aus als zuvor bei der Polizei. Deshalb stellte das Schöffengericht in Offenbach am Montag das Verfahren gegen den früheren Obertshausener vorläufig ein, bis er 400 Euro bezahlt.

Vor drei Wochen stand der Prozess schon einmal in den Kalendern. Doch der Angeklagte wähnte sich anderweitig terminiert, weshalb Richter Manfred Beck auf Antrag der Staatsanwaltschaft einen Haftbefehl aussprach. Deshalb erscheint der Angeklagte diesmal in Handschellen.

Staatsanwalt Dirk Schillhahn wirft dem 30-Jährigen vor, seiner nun Exfreundin im August 2017 in Mühlheim auf der Hanauer- und auf der Wingertstraße mit Absicht in den Pkw gefahren zu sein. Zudem soll ihr der Angeklagte einen Tag später in einer Kneipe in Offenbach eine heftige Ohrfeige gegeben haben. Ein ärztliches Attest belegt eine Trommelfellverletzung. Den Vorwurf räumt der Angeklagte über Rechtsanwältin Ariane Iversen ein, "er hatte ihr mit der flachen Hand gegen den Kopf geschlagen". Kurz danach hatte die Geschädigte ihren Freund angezeigt.

Obertshausen: Wiederholte Anzeigen

Nicht zum ersten Mal. Im Zeugenstand erzählt ein Polizist, wie die 37-Jährige ihren Freund einmal wegen Freiheitsberaubung und sexueller Nötigung meldete. Das sollte sich in dessen Wohnung in Obertshausen abgespielt haben, "ihre Ausführungen hörten sich chaotisch an".

Hinterher habe er den Beschuldigen mit den Vorwürfen konfrontiert. Der habe alles bestritten, erinnert sich der Beamte. Der Obertshausener konnte seine Unschuld mit einem Filmdokument belegen. Das zeigte Aktivitäten des Paares in besagter Nacht, die sich partout nicht als Nötigung interpretieren ließen. Damit konfrontiert, habe die Frau die Anzeige verschämt zurückgezogen.

Bleibt der Vorwurf, der Angeklagte habe das Auto seiner Freundin absichtlich gerammt, wie sie damals erklärt hatte. Der Mann betont, es habe sich um ein Versehen gehandelt. Er sei im Stress gewesen, habe mit ihr dringend reden wollen und zu spät realisiert, dass sie an der Ampel halte. Ob er ihren Wagen in der Seitenstraße noch einmal rammte, lässt sich nicht mehr eruieren. Niemand kann sich erinnern.

Partner in flagranti erwischt

Einen möglichen Grund für den damaligen Gesprächsbedarf bringt Richter Manfred Beck ins Spiel. Laut Aktenlage hatte die Freundin des Angeklagten ihren Partner in der Wohnung ihrer besten Freundin mit eben dieser in flagranti erwischt. Daraus resultierte wohl die Ereigniskette: Wegfahren, Hinterherfahren, Auffahren.

Die Ex-Freundin sagt jetzt aus, der Angeklagte sei ihr unabsichtlich drauf gefahren, "er war auch nicht mehr ganz nüchtern". Beck vermutet anhand der Bilder, dass dieser wohl tatsächlich nicht mit Vorsatz handelte, "bei 40 oder 50 km/h wäre viel mehr kaputt gewesen". Der Schaden lässt sich jetzt nicht mehr feststellen. Der Pkw steht angeblich in Serbien.

Einen Tag später habe man sich in der Kneipe in Offenbach wieder versöhnen wollen, sagt die 37-Jährige. Das misslang. Statt dessen entwickelte sich ein erneuter Streit, der im Schlag des Angeklagten gipfelte. Einen bleibenden Schaden habe sie nicht erlitten. Mittlerweile pflege sie mit ihrem damaligen Freund zwar kein intimes Verhältnis mehr, "aber wenn wir uns sehen, reden wir miteinander".

Keine Vorstrafe, keine Haftentschädigung

Bis auf die Körperverletzung lässt sich nichts mehr aufdröseln. Die Anklage wegen "gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr" lässt Staatsanwalt Schillhahn fallen. Schließlich einigen sich die Prozessbeteiligten darauf, das Verfahren wegen Körperverletzung gegen eine Zahlung von 400 Euro für den Verein "Frauen helfen Frauen" einzustellen. Im Gegenzug erklärt die Verteidigerin, ihr weiterhin nicht vorbestrafter Mandant verzichte auf Haftentschädigung.

Stefan Mangold

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