Brandschutz und kaputtes Dach

Trotz Neubau-Plänen: Obertshausen muss viel Geld in alte Rathäuser stecken

Eine unter die Decke geklemmte Regenrinne soll bei Regen das eindringende Wasser im zweiten Stock des Rathauses Schubertstraße auffangen.
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Eine unter die Decke geklemmte Regenrinne soll bei Regen das eindringende Wasser im zweiten Stock des Rathauses Schubertstraße auffangen.

Die Rathäuser in Obertshausen sind marode, die Kosten einer Sanierung gehen in die Hunderttausende.

Obertshausen – Zwei Stützen, ein Stück Regenrinne und dazu ein großer Eimer: Das Provisorium im zweiten Stock des Rathauses an der Schubertstraße in Obertshausen wirkt auf den ersten Blick ein wenig wie eine Kunstinstallation. Und wie ein solche steht die Konstruktion, die nach starkem Regen jenes Wasser auffangen soll, das durch das undichte Dach ins Innere dringt auch sinnbildlich für etwas: Den nicht unbeträchtlichen Sanierungsstau, der den meisten städtischen Gebäuden inzwischen zu schaffen macht.

Rund 645.000 Euro müsste die Stadt eigentlich in die beiden Rathäuser investieren. Bei beiden Gebäuden, vor allem jedoch an der Schubertstraße, sind nach Angeben der Verwaltung dringend nötige Anpassungen an den Brandschutz vorzunehmen. Mit rund 80 .000 Euro würde zudem die Dachsanierung am Hausener Bau zu Buche schlagen, erläuterte Thomas Kirschner, Fachdienstleiter Gebäudemanagement, den Mitgliedern des Ausschusses für Bauen, Umwelt und Verkehr nun in einer außerordentlichen Sitzung. Denn, die nötigen Mittel für die Sanierungsarbeiten hatten die Stadtverordneten im vergangenen Jahr zwar in den städtischen Haushalt eingestellt, jedoch mit einem Sperrvermerk versehen, sodass das Geld nur nach deren Zustimmung für die Maßnahmen ausgegeben werden darf.

Und diese, das dürfte bereits nach den Diskussionen in den vergangenen Haushaltsberatungen absehbar sein, gilt keinesfalls als sicher. Denn bereits vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie und deren finanziellen Folgen für die Stadt waren die Mittel knapp (wir berichteten). Zudem hatten die Politiker bereits bei der Haushaltsdebatte im vergangenen Jahr die Frage aufgeworfen, ob sich größere Investitionen in die beiden rund 60 Jahre alten Bauten angesichts des geplanten Rathausneubaus noch lohnen. Wie lange es jedoch bis zu dessen Fertigstellung dauern wird, ist wegen der noch ungeklärten Standortfrage nicht absehbar.

Ein weiteres Sorgenkind von Rathauschef Manuel Friedrich ist der in die Jahre gekommene Aufzug, der regelmäßig nicht funktioniert.

Im Zentrum der Diskussion hatte bereits der größte Posten gestanden. Rund 500 000 Euro würde die geplante Investition in den Brandschutz des Hausener Rathauses kosten. Diesen hatte ein seit 2018 vorliegendes Gutachten bemängelt. Da sich der zentrale Treppenbereich als einziger Rettungsweg wegen der offenen Bauform im Brandfall schnell mit Rauch füllen und damit für die Mitarbeiter unpassierbar würde, müssten nach Auskunft Kirchners an beiden Seiten des Gebäudes außen liegende Stahltreppen angebracht werden. Damit diese erreichbar seien, müssten zudem alle Büros durch sogenannte Bypass-Türen verbunden werden, die den Mitarbeitern die Flucht ermöglichen, ohne durch die verrauchten Korridore zu müssen. Diese seien jedoch im Großteil der Räume bereits vorhanden.

Darüber hinaus müsste auch die Empore des Sitzungssaals durch einen Steg mit dem Dachgeschoss verbunden werden, da auch die vorhandene Wendeltreppe nicht den aktuellen Anforderungen des Brandschutzes an öffentliche Gebäude entspreche. Letzteres gelte für das Rathaus Beethovenstraße. Für die Prüfung und Ausführung der notwendigen Maßnahmen rechne man mit etwa 60 000 Euro, erläutert Kischner.

Neben 2000 Euro für die Reparatur des einzigen Aufzugs im Gebäude würde zudem die dringend notwendige Dachsanierung am Rathaus Schubertstraße mit rund 80 000 Euro zu Buche schlagen. „Insgesamt haben wir etwa 50 Leckagen festgestellt“, beziffert Kirschner den Schaden. Fraglich sei daher, ob man auf die Reparatur des Daches verzichten und stattdessen auf den baldigen Neubau setzen sollte, ergänzt Bürgermeister Manuel Friedrich. So bestehe etwa die Gefahr, dass bei einem künftigen Starkregenereignis Wasser in die Büroräume im Obergeschoss eindringen und diese unbrauchbar machen könnte. Daher plane man für die kommenden Sitzungsrunde mehrere Vorlagen, über die die Stadtverordneten entscheiden müssen. (Von Thomas Holzamer)

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