9000 Mark für den ersten Traktor

Bernhard Rudolph schildert Geschichte der Landwirtschaft in Hausen beim Babbel-Stammtisch

Die Geschichte der Landwirtschaft in Hausen schilderte Bernhard Rudolph beim jüngsten Obertshausener Babbel-Stammtisch im Wiesenhof. Foto: PROCHNOW
+
Die Geschichte der Landwirtschaft in Hausen schilderte Bernhard Rudolph beim jüngsten Obertshausener Babbel-Stammtisch im Wiesenhof.

Bernhard Rudolphs Berufswunsch stand schon fest, als er eingeschult wurde. Er wollte, wie sein Vater Georg, Bauer werden und hütete selbst schon ein Schaf. Daheim in der Lämmerspieler Straße züchtete die Familie Schweine und verkaufte Hausmacher Wurst.

Obertshausen -  Bernhard begann eine Ausbildung zum Landwirt. Beim jüngsten Obertshausener Babbel-Stammtisch auf dem Wiesenhof schilderte der Unternehmer die Geschichte der Landwirtschaft in Hausen und auch seine eigene.

Fast 60 Teilnehmer, doppelt so viele als üblich, hatten sich in der urigen Atmosphäre des Hofs am Ende der Birkenwaldstraße eingefunden. Der Gastgeber erläuterte, ein Bauer verdiene mit der Tieraufzucht heute weniger Geld als vor 50 Jahren. Vor den Stallungen hatte er schweres Gerät vorgefahren: Der erster Traktor der Rudolphs kostete damals 9 000 Mark, ein modernes Gerät stelle heutzutage eine Investition von 180 000 Euro dar.

Wurde damals noch auf fast jedem Grundstück Landwirtschaft betrieben, sei die Familie Rudolph mittlerweile das einzige Unternehmen in Hausen. In Obertshausen sind es noch die Familien Becker und Winter auf der Hochbeune.

Rudolph gab mit Bildern einen Überblick: Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Hausen rund 150 Bauern, nach der Währungsreform 1949 noch 17 Betriebe, die je zwischen zwei und zehn Hektar Fläche bewirtschafteten. 1965 waren es nur noch sechs Höfe mit je zehn bis 20 Hektar Land. Die Familie Rudolph hatte einen größeren Hof, verfügte über sechs Kühe, vier Rinder und 50 Schweine. Die Böden waren längst nicht mehr geeignet für den Anbau von Spargel, Gemüse und Gurken. Die Landwirte stellten um auf Kartoffeln, Milchwirtschaft und Hausmacher Wurst.

Obertshausen: Stammtisch seit fünf Jahren

Georg Rudolph und sein Sohn Bernhard meldeten bereits 1960 einen Garten- und Landschaftsbaubetrieb an. 1969 starteten sie wieder mit fünf Schafen, 1970 besaßen sie kein Rind mehr, dafür schon 100 Schafe und wieder 60 Schweine, dazu 30 Hektar Land.

1972 gab’s keine Kuh mehr in Hausen, hielt der Gastgeber fest. Im Jahr 1976 baute die Familie den Wiesenhof, der bald 250, 1996 gar 350 Schafe und 100 Schweine beherbergte. Die Schweinezucht gaben sie schließlich auf und sattelten um auf Pferde. Seit vier Jahren stehen wieder Kühe im Stall, dazu beackern Rudolphs 70 Hektar Wiese und Felder.

Vor fünf Jahren hatte TGO- und Theatermann Thomas Zeiger den Stammtisch ins Leben gerufen. Ältere Hausener und Obertshausener tauschten sich aus über frühere Geschäfte, Straßennamen und Handwerksbetriebe. Jochen Roth verfügt über viele historische Bilder, die er eingescannt hat und je nach Thema präsentiert. Die Gruppe plaudert auch mit Schülern, übt mit ihnen die Herstellung von Brot. 

Am Mittwoch. 4. Dezember, um 18 Uhr trifft sich der Stammtisch wieder, diesmal in der Krippen-Ausstellung im Karl-Mayer-Haus.  

von Michael Prochnow

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare