Bullenreiten und fliegende Stiefel

300 Schüler mit Behinderung beim Spiel- und Sportfest dabei 

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Ausdauer und Geschicklichkeit gefragt: Mit den Gefährten geht es durch den Hindernisparcours, am Wendepunkt wartet das Ringewerfen.

Es sind die strahlenden Augen in glücklichen Gesichtern, die sie anschauen. Aber für Lea ist es sowieso schon klar: Die 16-Jährige will Sonderpädagogik studieren, wie ihre Mutter.

Obertshausen – Auch Luca, Emilie und Mira könne n sich vorstellen, Menschen mit Behinderungen zu unterrichten. Die Teenager besuchen das Berufliche Gynasium an der Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS) mit Schwerpunkt Gesundheit. Gestern begleitete jede von ihnen beim Spiel- und Sportfest im Sportzentrum eine Schülerin mit Handicap.

Es war vor 15 Jahren. Da trafen sich der damalige Gymnasialzweigleiter der GKS, Uli Brand, und der Obertshausener Edi Schneider, seines Zeichens Sportkoordinator der Schulen in der Stadt Offenbach. Ergebnis der Begegnung ist das Spiel- und Sportfest, dass seitdem vom Fachdienst Förderung des Ehrenamts, Sport und Kultur ausgerichtet wird.

Das wäre nicht möglich ohne das Engagement der GKS-Schüler und des Obertshausener Kreises „Freunde für Freunde“: Einmal im Jahr statten Sponsoren eine Party im Pfarrgarten der Gemeinde Herz Jesu aus, Speisen und Getränke sind frei, auch das Programm, das auch Musiker mit Behinderungen mitgestalten. Die Gäste spenden großzügig, sodass Spielmaterial, Bewirtung und vor allem der Transport mit den speziell ausgestatteten Kleinbussen zum Sportfest finanziert werden können.

Etwa 280 Jugendliche der GKS betreuen entweder eine Station auf dem Gelände an der Badstraße oder einen Schüler mit oder ohne Rollstuhl. „Sie melden sich manchmal klassenweise“, beschreibt Sportkoordinator Sven Voigt die Begeisterung für den Job an einem Vormittag. Er führt sogar eine Warteliste mit Namen derer, die diesmal keine Aufgabe mehr bekamen. Wer einen Schüler betreuen soll, hospitierte zuvor an einem Tag in dessen Klasse, um ihn und seine Beeinträchtigung sowie dessen Bedürfnisse kennenzulernen.

„Die Kinder sind so lieb und gut gelaunt“, schwärmt Luca. Die Spielmöglichkeiten erlauben es allen Schützlingen mitzumachen, lobt Emilie und erklärt: „Wir sind selbst glücklich, wenn sich die Kinder freuen, das ist eine gute Bestätigung.“

Der Ritt auf dem „Stier“ lässt die Reiter juchzen, einige ängstliche Schüler aber weinen, die Betreuer reden ihnen gut zu oder nehmen sie sofort wieder aus dem Sattel. Basketbälle werfen sie in Körbe am Boden, Gummistiefel schleudern sie über den Rasen, dort schlagen sie auch Bälle im Baseball-Stil. Gleich am Eingang wird in Gruppen Fußball gespielt und auf einer Slackline balanciert.

Neu ist der Hindernisparcours für Rolli-Fahrer, der über kleine Hügel führt. In den geräumigen Tretmobilen können zwei Leute gemeinsam fahren oder sich schieben lassen, um am Wendepunkt Ringe über eine Stange zu werfen. Auf der Tartanbahn tanzt eine Gruppe der Rodgauer Bodelschwingh-Schule, animiert die Zuschauer, es ihr gleichzutun.

„Unsere Schüler sind noch Tage danach glücklich“, berichtet Matthias Sauer, Lehrer an der Heusenstammer Schule am Goldberg. Sie sprechen über das Fest, zeigen ihre Freude sehr emotional, in ihrer Mimik oder mit Lachen, schildert der Pädagoge. Viel Lob zollte am Morgen der Vorsitzende des Kreistags, Bernd Abeln, den Mitarbeitern und Ehrenamtlern.

Insgesamt tummeln sich 300 Mädchen und Jungen auf dem Gelände. Manche Lehrer sprechen die GKS-Schüler an, ob sie nicht ein Freiwilliges Soziales Jahr an ihrer Einrichtung leisten wollen. Und einige Helfer informieren sich auch, ob sie ein Praktikum absolvieren können.

VON MICHAEL PROCHNOW

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