Katholische Kirche

„Sie braucht einen Mutausbruch“: Katholikin Antonia Maria Papenfuhs studiert evangelische Theologie

Antonia „Toni“ Papenfuhs aus Obertshausen engagiert sich für Veränderungen in der Katholischen Kirche.
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Antonia „Toni“ Papenfuhs aus Obertshausen engagiert sich für Veränderungen in der Katholischen Kirche.

Viele junge Menschen scheinen keinen Bezug mehr zur Kirche zu haben. Doch für Antonia Maria Papenfuhs, genannt Toni, ist der Glaube ein wichtiger Bestandteil ihres Lebens. Die junge Katholikin stellt die Strukturen der Römisch-katholischen Kirche in Frage und fordert Veränderungen in der mehr als 2000 Jahre alten Institution.

Obertshausen – Weil sie mit diesem Anliegen nicht allein ist, war sie eine von vier Protagonistinnen der ZDF-Dokumentation „Frau.Macht.Kirche“, die noch in der Mediathek abrufbar ist. Nach ZDF-Angaben wolle der Film vier Frauen und ihren Kampf um eine gerechtere und menschlichere Kirche porträtieren. Aufmerksam geworden sei man auf Papenfuhs, weil sie ins Buchprojekt „Weil Gott es so will“ involviert gewesen war. Darin schrieben 150 Frauen von ihrer ganz persönlichen Berufungserfahrung zur Priesterin oder Diakonin.

Antonia Papenfuhs ist in der Katholischen Kirche groß geworden, sie war Ministrantin und ist bis heute in der Jugendarbeit aktiv. Nach mehreren Aufenthalten in Klöstern und durch ihre erste Begegnung mit einer Pfarrerin der „Church of England“ wuchs in ihr die Sehnsucht, selbst eines Tages diesen Beruf zu ergreifen. Aus diesem Grund lebte sie nach ihrem Abitur für ein Jahr in Cambridge und machte dort ein Praktikum in der anglikanische Kirche „Great St Mary’s“. Dort durfte sie unter anderem zum ersten Mal predigen, half bei Kindergottesdiensten, besuchte ältere Menschen, begleitete einen Seelsorger, der auf einem Wochenmarkt arbeitete und unterstütze ein Projekt für wohnungslose Menschen in einer Synagoge. Schnell verstärkte sich ihr Herzenswunsch, in der Kirche zu arbeiten und Menschen verschiedenen Alters in allen Etappen und Farbtönen des Lebens in ihrem Leben zu begleiten. „Es schmerzt mich, dass mir die Katholische Kirche keine Möglichkeit bietet, mich als Priesterin auszubilden, nur weil ich eine Frau bin. Das ist Diskriminierung“, meint die 21-Jährige.

Kirche müsste „über die Kirchenmauern sehen“

Darüber hinaus ist sie schockiert über die aktuellste Botschaft der Glaubenskongregation aus Rom, die homosexuellen Menschen die Segnung verwehre. „Da könnte ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. Für mich gibt und wird es niemals ein Argument geben, welches Segen verbieten könnte. Der Segen kommt von Gott, nicht von den Menschen“, stellt sie klar.

Ihrer Meinung nach muss Kirche immer wieder bewusst „über die Kirchenmauern sehen und die eigene Komfortzone, das gewohnte Kirchengebäude, verlassen.“

Um dies zu leben entschied sich die junge Frau schließlich, selbst Theologie zu studieren – jedoch evangelische, weil sie für sich keine Zukunft in der Katholischen Kirche sieht. „Mutausbrüche“ zu haben und bewusst Umwege zu gehen sei für sie dabei wichtig, auch wenn sie häufig erlebt, dass ihre Entscheidung für Diskussionen sorgt.

Papenfuhs „Mir liegt die Ökumene und der interreligiöse Dialog am Herzen“

„Generell würde ich niemals sagen, dass die Kirche bleiben soll, wie sie bereits ist. Ein offener Diskurs auf Augenhöhe ist unumgänglich und Grundvoraussetzung dafür, dass die Kirche immer wieder bewusst hinhört, was die Menschen ihr zu sagen haben und welche Fragen sie beschäftigten. Gesellschaftliche Debatten, die für Menschen lebensrelevanten Themen müssen dabei immer im Blick bleiben“, so die Obertshausenerin.

Doch die junge Frau, die in einem ökumenischen Haushalt aufgewachsen ist, möchte keinesfalls so verstanden werden, dass Katholische und Evangelische Kirche Gegenspieler für sie seien. „Mir liegt die Ökumene und der interreligiöse Dialog am Herzen“, stellt sie klar. „Der christliche Glaube ist mein persönliches Fundament, über den ich jederzeit gerne spreche, aber als erstes begegne ich meinem Gegenüber mit dem, was er oder sie mitbringt und beschäftigt. Ich will meine Mitmenschen ermutigen und bin davon überzeugt, dass wir Gott so im Alltag, beispielsweise in einem ungeplanten Gespräch, begegnen können.“ Ob sie eines Tages evangelische Pfarrerin sein wird und damit auch konvertieren würde, weiß Papenfuhs noch nicht. „Ich bin auf der Suche und nehme dafür unbequeme Wege in Kauf.“ (Von Jan Max Gepperth)

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