Spiel- und Sportfest

„Das ist gelebte Inklusion“

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Auch beim Bullenreiten wurden die Kinder mit Behinderung von Georg-Kerschensteiner-Schülern (links) betreut.

Obertshausen - 300 Schüler mit Behinderung aus Stadt und Kreis Offenbach probierten sich beim 14. Spiel- und Sportfest am Sportzentrum in verschiedenen Disziplinen. Betreut wurden sie dabei vom Nachwuchs der benachbarten Georg-Kerschensteiner-Schule (GKS). Von Patrick Eickhoff 

Es ist schon ein besonderer Anblick, der sich an diesem Morgen auf dem Rasen des Sportzentrums an der Badstraße bietet. 300 Schüler mit Behinderungen unterschiedlicher Art lachen, tanzen und feuern sich gegenseitig an. Mit oder ohne Betreuer fahren sie im Rollstuhl durch einen Parkour, balancieren über Bänke oder Werfen ein paar Basketbälle in die verschiedenen Körbe.

Sie alle nehmen am 14. Spiel- und Sportfest, organisiert von Kreis und Stadt Offenbach, der Stadt Obertshausen, dem Staatlichen Schulamt und dem hiesigen Verein „Freunde für Freunde“, teil. Bevor das Treiben auf und um das Grün am Sportzentrum beginnt, richtet Bürgermeister Roger Winter ein paar Worte an die Anwesenden. „Das was wir hier heute erleben ist gelebte Inklusion“, betont er und bedankt sich bei allen Organisatoren und Sponsoren. Allen voran bei Thomas Zeiger, der stellvertretend für den Verein „Freunde für Freunde“ aus Obertshausen anwesend ist. Dieser veranstaltet jährlich ein Fest und generiert so Spenden für das Sportereignis. „Uns war damals wichtig, dass auch diese Kinder ihre eigene Veranstaltung bekommen – das wollen wir weiterhin unterstützen“, sagt er.

Doch alle Redner halten sich kurz. „Ihr steht ja heute im Mittelpunkt“, sagt Winter und blickt in aufgeregte Kindergesichter. Sie halten verschiedenfarbige Karten in der Hand. „Das ist der Stationspass, darauf steht welche Stationen sie absolvieren müssen“, erläutert Marcel Subtil von der Sportförderung Kreis Offenbach. „Da die Kinder verschiedene Behinderungen haben, können nicht alle die gleichen Übungen machen“, verdeutlicht er.

Direkt am Einlass steht Bullenreiten auf dem Programm. Zwei Schüler in gelben Shirts helfen den Kindern auf den Koloss. Während so mancher ganz schön lange auf dem rotierenden Tier sitzen bleibt, steigt der ein oder andere ab und springt wie auf einer Hüpfburg umher.

Für die Betreuung der Kinder an den Stationen sind diesmal nur einige Lehrer zuständig. Hauptsächlich kümmern sich die Schüler in gelben T-Shirts um den Nachwuchs. Sie alle besuchen die benachbarte Georg-Kerschensteiner-Schule. Insgesamt sind rund 300 ehrenamtliche Helfer vor Ort, bauen auf und unterstützen die behinderten Kinder. „150 davon waren bereits in den vergangenen Tagen an den jeweiligen Einrichtungen, um die Schüler kennenzulernen“, sagt Sven Voigt, Sportkoordinator der GKS. Einige würde sich auch deshalb für ein Freiwilliges Soziales Jahr in der jeweiligen Schule entscheiden. „Und da sich heute die Kinder untereinander kennen, ist das ein gutes Vertrauensverhältnis untereinander.“

Von diesem Konzept begeistert zeigt sich Achim Knecht vom Staatlichen Schulamt. „In dieser Kombination aus Spiel- und Sportfest und dem inklusiven Gedanken über die Schüler-Betreuer alles zu organisieren ist in dieser Größe in Hessen nahezu einmalig“, betont der Schulamtsdirektor für Förderschulen. Voigt erläutert, dass man 2004 mit 80 Helfern angefangen habe. „Mittlerweile sind wir konstant bei 300“, sagt er.

Und diese haben alle Hände voll zu tun. An 15 Stationen spielen, rennen und werfen die Kinder um die Wette. Sei es an den Fußballtoren, beim Balancieren auf der Slackline oder beim Medizinballweitwurf – der Spaß kommt nicht zu kurz.

Zum Abschluss gibt’s für alle Kinder eine Teilnehmermedaille. „Die ist mittlerweile heiß begehrt“, erläutert Subtil. „Viele Schüler haben die Medaillen aus den vergangenen Jahren aufgehoben und freuen sich immer auf die in einer neuen Farbe.“

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