Bewegung

Sport mal auf anderem Weg: Übungsleiterin Sonja Riede und die TGO bieten Online-Sport für Grundschüler an

Sport auch digital: Sonja Riede zeigt per Internet einige Übungen.
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Sport auch digital: Sonja Riede zeigt per Internet einige Übungen.

Ein glänzend gewienerter Holzboden, eine ausgerollte Isomatte und eine Trainerin in Jogginghose, die erwartungsvoll die Hände in die Seiten stemmt. Dazu Sprühflaschen mit Desinfektionsmittel, ein aufgeklappter Laptop, Lautsprecherboxen und Leitungen auf dem Parkett, aber weit und breit kein einziger Schüler. Auch nicht auf dem Bildschirm, wo jetzt eigentlich die Kursteilnehmer aus der Joseph-von-Eichendorff-Schule auftauchen sollten.

Obertshausen – Es ist Übungsleiterin Sonja Riede, die im Programm der Turngemeinde Obertshausen (TGO) vor allem Yoga-Kurse anbietet, aber auch die brasilianische Tanz- und Kampfsportdisziplin Capoeira und Wassergymnastik lehrt. Jetzt will sie die Grundschüler von der Waldstraße mit gymnastischen Übungen fit halten – über Kameralinsen und Internet-Zugänge. Die Schüler sind den virtuellen Unterricht längst gewöhnt, auf Sportstunden mussten jedoch viele seit Beginn der Pandemie verzichten. Das wollen Rektorin Alexandra Hahn, TGO-Vorsitzender Thomas Zeiger und Sportlehrerin Riede nun ändern.

Lockdown und Homeschooling lassen Bewegung vermissen, die für die Gesundheit und die Entwicklung des Nachwuchses so wichtig sei, betonen die Pädagogen. Trotzdem erscheint kein einziges Gesicht auf dem Display des Notebooks, das zwischen Vorturnerin und Spiegelwand thront. Zeiger schreitet ein, und rasch wird klar, dass die angemeldeten Mädchen und Jungen allein wegen eines technischen Fehlers ausbleiben.

Technischer Fehler verzögert den Start

Den kann der Hausherr des Treffpunkts an der Badstraße nach mehreren Anläufen und Neustarts beheben. Nacheinander erscheinen mehrere Köpfe auf dem Monitor, auch die von Müttern und Vätern, die ausdrücklich zum Mitmachen eingeladen sind.

Leiterin Riede begrüßt die kleine Gruppe und beginnt mit ein paar Dehnübungen zum Aufwärmen. Dann beginnt sie, die erste Figur zu erläutern: Die Zuschauer sollen im Ausfallschritt mit dem Körper wippen, mit ausgestreckten Armen und auf einem Bein das Gleichgewicht stärken oder auf der Stelle rennen.

Übungen vor der Kamera sind schwieriger

Später kommen Tanzschritte hinzu, verrät die Leiterin, die schließlich zu einer Choreografie verbunden werden sollen. Auf Sportgeräte und andere Hilfsmittel verzichtet Riede im Bewusstsein, dass manchen Kindern nur ein beengtes Zimmer zur Verfügung steht. Flott gibt die einstige Inhaberin eines Fitness-Studios und Mitarbeiterin eines Augenarztes die Kommandos.

„Vor der Kamera ist es schwieriger als live“, lautet ihre Erfahrung, „die Reaktionen fehlen, ich sehe nicht, was die Schüler umsetzen können“. Die Technik sei eine Herausforderung, „ich frage immer nach, aber die zugeschalteten Kinder sind nicht so redselig, fühlen sich eher wie im Fernsehen“. Das System funktioniert, aber nur wenige der jungen Obertshausener sind dabei. „Vielleicht, weil Freitagnachmittag ist“, tippt Thomas Zeiger. Macht nix, Sonja Riede startet schon die nächste Übung. (Von Michael Prochnow)

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