Alternative Planungskonzepte

Langer Weg zur Flaniermeile

+
Eng wird es vor allem im Übergang von der Heusenstammer in die Bahnhofstraße. Eine Einbahnstraßenlösung könnte dort für Platz sorgen.

Obertshausen - Ein neuer Bebauungsplan soll langfristig dafür sorgen, dass Heusenstammer und Bahnhofstraße attraktiver werden. Den Entwurf stellt derzeit die Verwaltung auf. Von Thomas Holzamer 

Verkehrsflüsse, Wohnqualität und eine hohe Standortqualität für das lokale Gewerbe – wohl kaum ein Feld städtischen Handelns ist so spannend, wie die Stadtentwicklung. Denn nicht selten treffen die Ideen und Visionen der Planer auf eine Realität, die sich – wenn überhaupt – nur sehr langfristig beeinflussen lässt. Die gilt vor allem für jene Bereiche einer Kommune, die bereits vor Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten entstanden sind. Denn während der Entwurf eines neuen Stadtteils auf der „grünen Wiese“ noch eine Vielzahl an Planungsmöglichkeiten offenlässt, sind die Möglichkeiten der Gestaltung im Bestand gering.

Das trifft auch auf die Heusenstammer und Bahnhofstraße im Ortsteil Obertshausen zu. Für diese hat das Stadtparlament vergangenen Herbst die Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes für den Bereich bis zum Omega-Tunnel beschlossen. Ziel des Antrags von CDU und SPD ist auf lange Sicht, die Gestaltung einer attraktiven „Einkaufsmeile“ im Obertshausener Stadtkern. Doch das dürfte nicht einfach zu machen sein, wie die Mitglieder des Ausschusses Umwelt, Bauen und Verkehr in ihrer jüngsten Sitzung erfuhren. Dabei gab es vom Fachbereich Planen und Bauen einen Zwischenbericht.

Schwierig werde es demnach vor allem, entlang der Straße für mehr Platz zu sorgen, wie Fachbereichsleiterin Cornelia Holler erläuterte. So sei beispielsweise die Idee, die angrenzende Bebauung über lange Sicht zurückzuverlegen in der Realität kaum zu erreichen. Zwar könne durch einen neuen Bebauungsplan der Abstand der Bebauung zur Straße künftig erhöht werden. Dies würde jedoch nur jene Gebäude betreffen, die nach einem Abriss neu gebaut würden. Doch das werde in vielen Fällen Jahrzehnte dauern, zumal an mehreren Stellen gerade erst neu gebaut wurde. Zudem gebe es aktuell auch viele neue Eigentümer, die die erworbenen Häuser nicht abreißen, sondern sanieren. Doch auch im Fall eines Abrisses wäre das Zurückverlegen der Bürgersteige, um mehr Platz zu gewinnen, nur mit der Unterstützung der Eigentümer möglich – vorausgesetzt, man wolle diese nicht enteignen.

Dem schloss sich auch Architekt und Stadtplaner Stephan Kaczmarek an, dessen Darmstädter Büro die Stadt zur Beratung mit ins Boot geholt hat. Mitgebracht hatte der Experte eine erste Analyse der beiden Straßen. Hauptproblem ist demnach vor allem der begrenzte Platz. Die Straßenräume seien mit einer überwiegenden Breite von etwa 12 bis 13 Metern sehr begrenzt. Zwar sei die Fahrbahnbreite, die zwischen 6,5 und 7,5 Metern schwanke ausreichend – mit Tempo 30 würden sogar sechs Meter ausreichen – den aktuellen Anforderungen an eine Hauptstraße, wie man sie beispielsweise in einem neuentstehenden Stadtteil planen würde, genüge das jedoch nicht. Gerade die Bürgersteige seien mit teils gerade einmal einem Meter je Straßenseite zu schmal.

Bilder: Besucher strömen auf das Weinfest in Obertshausen

Als mögliche Alternativen zu einer kompletten Umgestaltung riet Kaczmarek, alternative Planungsansätze in Betracht zu ziehen. So sei eine flexible Aufteilung der Straße ebenso denkbar wie die Umgestaltung einzelner luftiger Bereiche entlang der Straße oder die bereits in der Vergangenheit vorgeschlagene Einbahnstraßenregelung. Bei werde eine der beiden Fahrtrichtungen beispielsweise über die Ringstraße und den Rembrücker Weg geführt. Auch die Entwicklung einer „neuen Mitte“ sei durchaus denkbar. Dies sei jedoch ein größeres Projekt und bedürfe wie die meisten städtebaulichen Entwicklungen einer breiten Zustimmung unter der Bevölkerung, weiß der Planer. „Die Idee, die Straße aufzuwerten ist richtig, aber die Frage ist, mit welchem Ansatz“, fasst Kaczmarek zusammen.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare