Rathausneubau in Obertshausen

Standort für neues Rathaus: Unternehmen macht Stadt ein unerwartetes Angebot

Einer von vier potenziellen Standorten: Das Areal neben dem Rathaus an der Schubertstraße.
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Einer von vier potenziellen Standorten: Das Areal neben dem Rathaus an der Schubertstraße. 

Seit Jahren ist umstritten, wo das neue Rathaus für Obertshausen hinkommen könnte. Nun tut sich unerwartet eine attraktive Option auf. 

  • Option für neues Rathaus in Obertshausen
  • Eine unerwartete Standort-Option hat sich aufgetan
  • Denn ein Unternehmen machte der Stadt jetzt ein attraktives Angebot

Obertshausen - Schubertstraße, Badstraße oder doch Schönbornstraße – die Frage, wo das neue Rathaus in Obertshausen entstehen könnte, beschäftigt die Lokalpolitik schon viele Jahre. Jetzt kommt eine neue Option dazu. Drei Standorte stehen bisher in der engeren Auswahl und sollten nach einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im Februar einer detaillierten Vergleichsanalyse unterzogen werden. Doch seit deren jüngster Sitzung am Donnerstag (25.06.2020) sind es nun vier. So beschlossen die Parlamentarier mit breiter Mehrheit, ein weiteres Areal mit untersuchen zu lassen: Ein Grundstück an der Friedensstraße, das sich im Besitz der Firma Lederwaren Picard befindet.

So sei das Unternehmen, das derzeit schwer mit den Folgen der Corona-Krise zu kämpfen hat, unlängst auf die Stadt zugekommen. Man habe signalisiert, sich bedingt durch die angespannte finanzielle Situation des Unternehmens von Teilen seines Standortgeländes trennen zu wollen, berichtete Erster Stadtrat Michael Möser den Stadtverordneten.

Obertshausen: Picard-Areal möglicher neuer Standort für Rathaus?

Der Magistrat sehe in dem Areal in Obertshausen vor allem aufgrund seiner verkehrsgünstigen Lage in der Mitte der Stadt ein mögliches Potenzial für einen geplanten Rathausneubau. Daher habe man sich entschlossen, den Stadtverordneten die Erweiterung der ohnehin geplanten Vergleichsanalyse um eben jenes Gelände vorzuschlagen. Die dazugehörige Beschlussvorlage hatten die Parlamentarier ob ihrer Dringlichkeit per Zweidrittelmehrheit nachträglich auf die Tagesordnung gehoben. Denn die Ausschreibung für deren Beauftragung war bereits formuliert und sollte vor der nächsten Sitzungsrunde starten.

„Mit der Vorlage wollten wir Ihnen die Chance bieten, diese Möglichkeit noch in die Analyse aufzunehmen“, begründete Möser die kurzfristige Einbringung des Vorschlags durch den Magistrat. Und betonte: „Wir treffen damit noch keine Standortentscheidung, sondern erweitern lediglich die Vergleichsprüfung um einen vierten Standort.“ Man habe sich jedoch hinterher nicht vorwerfen lassen wollen, nicht tätig geworden zu sein.

Obertshausen: Diskussion um Standort von neuem Rathaus

Dem Vorschlag des Magistrats schloss sich nach einer Sitzungsunterbrechung, in der sich zunächst das Präsidium und schließlich die Fraktionen noch einmal besprochen hatten, letztlich eine Mehrheit der Stadtverordneten an.

Nicht, ohne jedoch zuvor eifrig diskutiert zu haben. Dabei hatten unter anderem die Bürger für Obertshausen (BfO), SPD und FDP die kurzfristige Einbringung des Vorschlags kritisiert. Vor allem die BfO hatten zwischenzeitlich angeregt, das Thema noch einmal in die kommende Ausschussrunde nach der Sommerpause zu schieben, scheiterten jedoch mit dem Änderungsvorschlag. „Wir könnten es uns zwar prinzipiell vorstellen, aber es stellt sich auch die Frage nach den Kosten“, erläuterte BfO-Fraktionsvorsitzender Rudolf Schulz und ergänzte, „da hätten wir schon gerne noch einmal in Ruhe gesprochen.“ Ähnlich sah es Sylvia Hornung (SPD). „Wir haben die bisherigen Standorte nach langen Überlegungen ausgewählt“, erinnerte sie. Zudem befänden sich diese bereits im Besitz der Stadt, müssten also nicht erst erworben werden.

Obertshausen: Picard-Grundstück eröffnet der Stadt neue Möglichkeiten

Keinen Grund, die Entscheidung noch einmal zu vertagen sah derweil CDU-Fraktionschef Anthony Giordano. „Hätten wir diese Möglichkeit schon früher geboten bekommen, wir hätten sie vermutlich schon von Anfang an mit in die Prüfung genommen“, war er sich sicher. Dem schloss sich auch das Gros der Grünen an, die zugunsten dieser neuen Möglichkeit anregten, stattdessen den Standort neben der Waldkirche aus der Prüfung zu streichen, was jedoch abgelehnt wurde. 

„Das ist ein Filetstück, das uns sicher nicht so bald wieder angeboten wird“, sagte deren Fraktionsvorsitzender Klaus-Uwe Gerhardt zum Picard’schen Angebot. Das ständige Schieben von Entscheidungen in immer neue Sitzungsrunden wirke langsam lächerlich. „Wir müssen auch mal nach außen zeigen, dass wir es ernst meinen“, betonte der Grünen-Chef.

Über den Beschluss, die zusätzliche Variante ebenfalls prüfen zu lassen, zeigten sich gestern sowohl Möser als auch Bürgermeister Manuel Friedrich erfreut. „Wir müssen die aktuelle Krise auch als Chance sehen und sollten künftig schneller und mutige Entscheidungen treffen“, ist der neue Rathauschef überzeugt. (Von Thomas Holzamer)

Schon 2019 gab es für die Stadt eine Überraschung. Damals machte Cura Obertshausen ein Angebot fürs neue Rathaus.

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