Höckertier im Rathausflur

Sternsinger bringen Bürgern und Stadtverwaltung frohe Kunde

+
Besuch bei der Stadtverwaltung: Gemeinsam wurden die vier Gruppen von Bürgermeister Roger Winter im Rathaus empfangen.

„Ferdi will’s wissen“ – Roger auch: Bürgermeister Roger Winter fand sich gestern Mittag in Gesellschaft eines leibhaftigen Kamels und mitten in einer Talkshow wieder.

Obertshausen – Die Hausener Sternsinger hatten ihm diesmal nicht die Sicht vernebelt und ihm auch nicht die Feuerwehr auf den Hals geschickt – der Weihrauch blieb beim Besuch der Stadtverwaltung vor der Pforte. Im vergangenen Jahr hatte der Rauch der göttlichen Gabe noch die Brandmelder ausgelöst und einen Einsatz der Floriansjünger ausgelöst. Diesmal trabten zwei Gruppenleiter im Kostüm eines Höckertiers zusammen mit den orientalisch gewandeten, Sängern ein.

Begleitet von Pfarrer Christoph Schneider, Gemeindereferentin Carina Caterina und fünf Gitarrenspielern hatten sich die vier Gruppen zu einer starken Gefolgschaft vereint. So reisten sie mit ihren „Heiligen Drei Königen“ gestern Vormittag zunächst durch die Kindergärten in Hausen. Auch den Mädchen und Jungen, Erziehern und Eltern spielten sie Ferdinands Befragung mit der Flüstertüte vor. Bruno, Paula und Sophie schlüpften dabei in die Rollen von Gleichaltrigen in verschiedenen Ländern. Verfügt die Schülerin aus europäischen Gefilden über ein weißes Kaninchen, einen Hund und ein Pflegepferd, hat die Zehnjährige in Bangladesch nicht einmal ein Dach über dem Kopf, auch kein Bett und keine Heizung in der Hütte.

Stattdessen musste die kleine Asiatin mit dem gebundenen Tuch auf dem Kopf schon im Alter von drei Jahren das Nähen lernen. Heute hilft sie mit ihrer Arbeit, die Familie durchzubringen. Für Schule und Ausbildung bleibt da freilich keine Zeit, erfuhren die Teilnehmer an der Sternsingeraktion zuvor im Pfarrer-Schwahn-Haus. Die Runde hatte sich auf ein Projekt in dem bevölkerungsreichen Land im Schatten Indiens entschieden und sich über das Leben der Kinder dort informiert.

Segensreicher Qualm: Das Weihrauchfass mussten die Weisen in diesem Jahr vor der Rathaustür lassen. © m

Die Träger der Aktion Dreikönigssingen im deutschsprachigen Raum sind das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ in Aachen und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ). Seit dem Start 1959 hat sich der Einsatz zur weltweit größten Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder entwickelt. Rund 1,14 Milliarden Euro wurden seither gesammelt, mehr als 74 400 Projekte für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa unterstützt. Dabei ging es um die Förderung von Bildung, Gesundheit, Pastoral, Ernährung und soziale Integration.

Und während zeitgleich 108 Sternsinger in Berlin die Kanzlerin besuchten, bedankte sich der Obertshausener Rathauschef für den Segen, den einer der „Weisen“ über den Eingang zum Sitzungssaal klebte. Der Beistand möge den Politikern nutzen, hoffte Winter. Er lobte die Gäste, weil sie „Gutes in die Welt tragen“. Ausgestattet mit einer süßen Stärkung zog die gekrönte Truppe von dannen, wieder die Botschaft mit einem frohen Lied auf den Lippen verkündend.

Neben Familien, Kitas und Rathaus besuchten die jungen Sänger auch das Freizeitpädagogische Zentrum der Waldschule sowie die Treffpunkte für Senioren in Horst-Warnecke- und Ingeborg-Kopp-Haus. Bei ihrem Engagement gehe es schließlich nicht allein darum, Geld für Hilfsbedürftige in aller Welt zu sammeln, betonte Leiter David Eberhardt. Der Brauch diene zunächst dem Ziel, die frohe Kunde von der Geburt Jesu Christi zu verbreiten, verbunden mit dem Segenswunsch „Christus mansionem benedicat“, „Christus segne dieses Haus“. Und wie endet Ferdis Talkshow? „Wir hoffen, ihr schaltet auch nächstes Mal wieder ein.“

VON MICHAEL PROCHNOW

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare