Diskussionsveranstaltung der Offenbach-Post

Obertshausen sucht einen neuen Rathauschef: Bewerber-Trio diskutiert im Bürgerhaus

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Rund 600 Interessierte verfolgten die Diskussion im Bürgerhaus. 

Das Trio, das aktuell um die Herrschaft über die beiden Rathäuser in Obertshausen kämpft, biegt auf die Zielgerade ein. Noch sind es vier Wochen bis zur Wahl am 8. März und noch bleibt Zeit, Stimmen zu gewinnen.

Obertshausen – Bei der Podiumsdiskussion unserer Zeitung im Bürgerhaus Hausen jedenfalls haben Manuel Friedrich (unabhängig), Rudolf Schulz (Bürger für Obertshausen) und Manfred Schmutzer (CDU) ausreichend Sitzdisziplin bewiesen.

In rund zweieinhalb Stunden galt es, nicht nur die Fragen von Obertshausen-Redakteur Thomas Holzamer zu parieren, sondern auch die des Publikums. Ein Favorit als Nachfolger auf Amtsinhaber Roger Winter scheint sich bei etlichen unter den rund 600 Zuschauern nach dem Abend nicht hervorgetan zu haben. Zumindest blieb der Eindruck bei vielen im Anschluss Befragten hängen, dass trotz der Überlänge der Veranstaltung längst nicht alle Fragen von den Kandidaten ausreichend beantwortet wurden. Wie wird man Herr über den Verkehr auf der Bahnhofstraße? Wie ist die Parkplatznot zu beheben? Wann zahlt DHL Gewerbesteuer? Und wie bekommt die Stadt die Erzieher, die so bitter nötig sind? Nur einige Fragen, auf die sich mancher Obertshausener konkretere Antworten seitens der Bürgermeisterkandidaten gewünscht hätte.

Obertshausen: Bürgermeister gesucht

Ein 65-jähriger Obertshausener meint im Anschluss, „keiner hat mich so richtig überzeugt, da kam nicht viel“. Und auch ein 56 Jahre alter Hausener wusste nach der Diskussionsrunde nicht so recht, einen Favoriten auszumachen: „Ich habe klare Antworten vermisst.“ Von der Nähe der Wahl, war wenig zu spüren. Hitzige Debatten und tiefe Gräben? Fehlanzeige. Die eingangs aufgestellte Regel, keine persönlichen Scharmützel auszutragen, verfolgten die Kandidaten wohl so sehr, dass sie Holzamers Aufforderung, inhaltlich hart zu diskutieren, weniger Folge leisteten.

In der Publikumsrunde konnten die Besucher den drei Kandidaten auf den Zahn fühlen.

Aber der Reihe nach. Nach jeweils zweiminütiger Selbstvorstellung der Kandidaten, macht der erste von sechs Themenblöcken schon recht deutlich, dass einige Ideen der Aspiranten noch sehr abstrakt ausfallen. Stichwort Erziehermangel: Ex-Priester Schmutzer, der seine zwischenmenschlichen Fähigkeiten als Plus für sein angestrebtes Amt in den Ring wirft, will als Rathauschef vorausschauender planen und auf „kreativem Weg“ versuchen, mehr Erzieher zu gewinnen. Awo-Waldkindergarten-Geschäftsführer Schulz will mit „guten Rahmenbedingungen, Mitarbeiterzufriedenheit“ und kreativen Werbemaßnahmen Anreize für Erzieher schaffen. „Eine große Liste, die es abzuarbeiten gilt“, sieht SPD-Fraktionschef Friedrich, der losgelöst vom roten Parteilabel ein Bürgermeister für alle sein möchte. Der 33-Jährige fordert „transparente Zahlen“ und will „konstruktive Lösungen“ erarbeiten. Holzamers Frage, ob eine halbe Stelle in der Kitafachberatung genug sei, verneinte das Trio.

Und die Besucher hatten viele Fragen an die Kandidaten.

Dem wilden Müll in der Stadt will Event-Manager Friedrich durch Stärkung des bürgerschaftlichen Engagements und eine höhere Bekanntheit des städtischen Mängelmelders in den Griff bekommen. Christdemokrat und Versicherungskaufmann Schmutzer meint, dass es eine Bewusstseinsveränderung in der Bevölkerung brauche. Sein Ansatz: Eine Erziehung hin zu mehr Ordnung und Sauberkeit. Schulz ist sich dagegen sicher, ein Bürgermeister könne nicht 25 000 Einwohner umerziehen und plädiert für ein „Bündel von Maßnahmen“, unter anderem mehr Kontrollen und härtere Strafen.

Obertshausen: Bürgermeisterwahl offen

Wenn es um die Sicherheit der Bürger geht, will Schulz nicht beim Status quo verbleiben. In vielen Gesprächen mit Obertshausenern während des Wahlkampfes seien „Angsträume“ in der Stadt thematisiert worden – am Bahnhof, im Beethoven- oder im Waldpark etwa. Mit dem 63-Jährigen als Bürgermeister sollen Polizei und Ordnungsamt vor allem abends und am Wochenende mehr kontrollieren. Schulz wirft in den Saal, dass es derzeit in Obertshausen 17 Plätze gebe, an denen gedealt werde. „Da müssen wir handeln und uns nicht wegducken.“ Auch Friedrich berichtet von Angsträumen, von denen er im Wahlkampf gehört habe. „Betreuung und Bildung müssen gut sein, sonst entstehen solche Situationen.“ Er regt an, besagte Plätze über den Mängelmelder der Stadt zu dokumentieren und anschließend gemeinsam mit der Polizeistation in Heusenstamm nach Lösungen zu suchen.

Das Kandidaten-Trio musste bei der Diskussion im Bürgerhaus ausreichend Sitzdisziplin beweisen.

Das Angebot der Cura GmbH, die zwei Rathäuser in das mehrstöckige Verwaltungsgebäude auf dem Ymos-Gelände umzuziehen, lehnen alle drei Bürgermeisterkandidaten ab. Dafür gibt es Applaus aus dem Publikum. Friedrich wünscht sich einen zentralen Standort und wirft die Frage auf, wie sieht ein Rathaus der Zukunft aus? Stichwort Digitalisierung: Diese Frage traue er sich zu, als Bürgermeister beantworten zu können. Schulz favorisiert ein zentrales Rathaus, „Stichwort Doppelstrukturen abschaffen“. Schmutzer will sich nicht festlegen, sondern erst prüfen, welche der drei Varianten die „günstigste und beste Entscheidung für Obertshausen“ sei. Hinter der Entwicklung des Ymos-Geländes sieht Friedrich noch „viele Fragezeichen“, ein reines Gewerbegebiet dort wäre für ihn wünschenswert. Ebenso sieht es Schulz. Schmutzer findet, „alles, was dort passiert, ist besser als es jetzt ist“. Er spricht sich gegen ein Gewerbegebiet aus: „Das ist nicht der richtige Weg.“

Obertshausen: Keine Steuererhöhungen - vorerst

„Steuererhöhungen sollten nicht das erste sein, womit die Haushaltsplanungen beginnen“, betont der Christdemokrat. Vielmehr wolle er abwarten, bis die Grundsteuerreform vollzogen ist, anstatt an den Stellschrauben hin und her zu drehen. Friedrich möchte sich als Rathauschef für eine stärkere Ausstattung der Kommunen einsetzen und nach seinem Amtsantritt alles auf den Prüfstand stellen, um Steuererhöhungen zu vermeiden. Schulz möchte erstmal alle Einsparpotenziale ausschöpfen, „und nur das ausgeben, was wir uns leisten können“.

Rund 600 Interessierte verfolgten die Diskussion im Bürgerhaus. 

Die wohl ungewöhnlichste Frage hat sich Moderator Holzamer als Schlussakt aufgespart: Warum würde Schulz Friedrich wählen? Großes Gelächter im Publikum. „Weil ich ihn sehr lange kenne, schätze und ich ihm abnehme, dass er das, was er sagt, auch bewegen möchte.“ Friedrich würde sein Kreuz bei Schmutzer setzen, weil dieser „zwischenmenschlich starke Fähigkeiten und eine Verbindung zu Obertshausen hat“. Er könne ein Bürgermeister der Stadt werden, sagt Friedrich über den Christdemokraten. Der wiederum würde bei Schulz das Kreuzchen setzen, weil dieser in der Lage sei, Probleme beim Namen zu nennen. „Er stellt Fragen, die nicht leicht zu beantworten sind und auch wehtun.“ Allerdings würde sich Schmutzer von Schulz „manchmal mehr Antworten, als Fragen wünschen“.

VON RONNY PAUL

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