Kriegsende in Obertshausen

Tote wegen tragischer Verwechslung

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Georg Messer war von 1937 bis 1945 Bürgermeister von Hausen. 

Gestern vor 75 Jahren hatten die Schrecken des Zweiten Weltkrieges für die Bevölkerung Obertshausens ein Ende. Am 26. März 1945 marschierten die amerikanischen Truppen in den beiden damals noch eigenständigen Gemeinden Hausen und Obertshausen ein.

Obertshausen – Von diesem Tag erzählt auch die Chronik „Unser Obertshausen – Eine Zeitreise durch unsere Heimat“ des Heimat- und Geschichtsvereins:

Das Näherrücken der Front im Februar und März 1945 hatte zu einer weiteren Verschärfung des Luftkrieges geführt. Jagdflugzeuge und Aufklärer operierten völlig ungehindert über hessischem Gebiet, tauchten überraschend schnell auf und verursachten dadurch ununterbrochen Daueralarm. „Die kümmerlichen Reste an Normalität, die der Krieg dem Leben noch gelassen hatte, verschwanden nun vollends“, heißt es dazu in der Chronik. „Die Menschen verkrochen sich in Kellern und Luftschutzräumen, die sie nur noch verließen, wenn es irgendwo Nahrungsmittel zu ergattern gab. Dumpf erwartete man die Ankunft der amerikanischen Truppen, die am 22. März 1945 bei Oppenheim den Rhein überschritten hatten und in unserer Region von Süden her, über Ober-Roden und die Tannenmühle, den Weg nach Offenbach nahmen.“

Am 26. März gegen 17 Uhr besetzten schließlich Soldaten der 71. US-Infanterie-Division Obertshausen. Der Zweite Beigeordnete Valentin Döbert, der zu diesem Zeitpunkt kommissarischer Bürgermeister war, ging den Amerikanern mit einer weißen Fahne entgegen. Kurz zuvor hatten die Nationalsozialisten noch schnell – wie in vielen anderen Gemeinden ebenso – ihre Parteiakten vernichtet.

Auch im benachbarten Hausen ging Bürgermeister Georg Messer den Soldaten der 71. US-Infanterie-Division mit einer weißen Fahne entgegen. Dem Rat des NSDAP-Ortsgruppenleiters Adam Winter, der ihm noch am Vortag zur Flucht überreden wollte, war er nicht gefolgt.

Das Einrücken der US-Soldaten blieb überwiegend friedlich. Ein letztes tragisches Unglück ereignete sich allerdings doch noch, das zum Tod von zwei Männern führte. Die Hausener Peter Adam Johann Servatius Seib waren gerade von der Gartenarbeit gekommen und standen mit ihren Schaufeln in einer Toreinfahrt an der Ecke Karl- und Seligenstädter Straße. Die Amerikaner hielten die Gerätschaften jedoch irrtümlich für Waffen und erschossen die Männer.

Mit dieser tragischen Verwechslung endete der Krieg für die Einwohner beider Gemeinden. Nach zwölf Jahren nationalsozialistischer Gewaltherrschaft und mehr als fünf Jahren Krieg sahen sie nun einem mehr als ungewissen Schicksal entgegen. Weltweit waren 55 Millionen Tote zu beklagen. In Obertshausen verloren 83 Männer bei der Wehrmacht ihr Leben, 37 gelten als vermisst. Laut dem Heimatbuch von Josef Seuffert aus dem Jahr 1969 beklagte Hausen 129 Tote sowie 41 Vermisste.

Wer mehr über die Geschichte Obertshausens und seiner zwei Stadtteile erfahren möchte, dem sei die Chronik des Heimat- und Geschichtsvereins ans Herz gelegt, die im vergangenen Jahr bereits in der zweiten Auflage erschienen ist. Diese ist während der Beschränkungen zum Schutz vor dem Coronavirus in den Onlineshops des Büchertreffs Obertshausen sowie der Buchhandlung Henzler erhältlich.

VON THOMAS HOLZAMER

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