Erste Frau an der Vorstandsspitze

Turnverein Hausen verändert die Führung und erfindet sich neu

Der Gesamtverein und nicht nur die einzelnen Abteilungen stehen für den zum Teil neu gewählten Vorstand des Turnvereins Hausen im Vordergrund. Ihnen voran steht Heike Lehnert als erste weibliche Vorsitzende. Foto: prochnow Wenn du etwas weiterentwickeln willst, musst du in den Gremien drin sein. Heike Lehnert Vorstand TV Hausen
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Der Gesamtverein und nicht nur die einzelnen Abteilungen stehen für den zum Teil neu gewählten Vorstand des Turnvereins Hausen im Vordergrund. Ihnen voran steht Heike Lehnert als erste weibliche Vorsitzende.  

„Schön, dass du wieder da bist. “ Jedes Mitglied wurde an seinem Platz im Sporteck mit diesem Gruß und einer Süßigkeit willkommen geheißen. Der Turnverein Hausen hat dann nicht einfach einen neuen Vorstand formiert – sondern sich neu erfunden.

Obertshausen – Der Verein hat eine neue, gemeinsame Identität unter den Abteilungen geschaffen. Ein Symbol dafür ist die Wahl Heike Lehnerts als erste Frau in der Geschichte der Sportler an der Vorstandsspitze.

Trotz Maskenzwang und Abstandsregeln waren Gaststätte und Kolleg mit rund 40 Aktiven aus allen Gruppierungen gefüllt. Der bisherige Vorsitzende Alexander Fischer gab einen Überblick über die Verteilung der 1050 Mitglieder. Die stärkste Abteilung bilden die Turner mit knapp 600 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen.

Die Tanzsportler sind die erfolgreichsten TVler, die Mannschaften holten mehrfach Hessen- und Deutsche Meistertitel. Die Abteilung musste einen Aufnahmestopp verhängen, weil ihr Hallenkapazitäten fehlen, obwohl Teams bereits in Feuerwehrhaus und Fitnessstudio trainieren.

Mit Blick auf das 150-jährige Bestehen des TV im Jahre 2023 hat sich frühzeitig eine offene Projektgruppe gebildet. Fischer spricht von einem „freundschaftlichen, zielstrebigen Engagement“ von „altgedienten TV-lern“ aber auch neuen Gesichtern. „Wir erleben einen starken Zusammenhalt, viele Leute haben sich bereit erklärt und möchten den Verein mit Freude am Ehrenamt voranbringen“, sagt der Scheidende.

Auch Heike Lehnert, seine Nachfolgerin, beteiligt sich an der Projektgruppe für 2023. Sie gehört seit 20 Jahren dem Turnverein an, hat als Kind hinterm Tor des Bruders gestanden und davon geträumt, auch mal darin zu stehen.

„Ich liebe Fußball“, sagt die „Neue“, hat die Grün-weißen stets angefeuert, packt bei Spielen und Veranstaltungen mit an. „Ich bin halt als passives Mitglied aktiv“, formuliert sie. Schließlich hat sie sich für die Aerobic- und Gymnastikgruppen entschieden. „Nach langen Überlegungen und mit viel Leidenschaft für den TV“ habe sie sich den Entschluss gefasst, für das Amt zu kandidieren.

„Wenn du etwas weiterentwickeln willst, musst du in den Gremien drin sein“, lautet die Überzeugung von Heike Lehnert. „Neben Geld braucht ein Verein Leute, die mitmachen. Ich verspreche mir viel von einer Beteiligung, das beflügelt enorm.“ Darum möchte sie „mehr Kreativität herauskitzeln“, alle Altersgruppen ansprechen, „auch jene, die nicht mehr in das aktive Geschehen eingebunden sind“.

Sie selbst will aber beim Projekt 2023 jetzt kürzer treten. Ihre Aufgabe als Vorsitzende sieht sie darin, die Abteilungen besser zu vernetzen und zu stärken. „Bisher haben die Gruppierungen oft vor sich hingewurschtelt“, hat sie beobachtet. Mittlerweile stehen die Interessen des Gesamtvereins im Vordergrund.

So sei auch die Boulegruppe entstanden. Wirkte das „tote Gelände gespenstisch“, ist es jetzt häufig belebt von gemeinsam spielenden Angehörigen aller Disziplinen.

Der neue Vorstand

Vorsitzende: Heike Lehnert – Stellvertreter: Ralph Geist – Kassierer: Horst Mürell – Bau: Waldemar Rembowski – Beisitzer: Heinz Rembowski, Andreas Jäger, Christian Sowa, Sebastian Osiecki, Gerhard Sommerfeld, Klaus Lehnhäuser und Holger Bischoff – der Posten des Schriftführers ist zurzeit vakant.

VON MICHAEL PROCHNOW

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