Lokalpolitik

„Verschwenden damit Steuergelder“: Koalition beschließt Prüfantrag zu zweitem Bahnübergang

Zurzeit ist der Omega-Tunnel die einzige Möglichkeit für PKW die Gleise in Obertshausen zu überqueren.
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Zurzeit ist der Omega-Tunnel die einzige Möglichkeit für PKW die Gleise in Obertshausen zu überqueren.

Trotz des Regens ging es heiß her in der Sitzung der Stadtverordentenversammlung am vergangenen Mittwoch im Bürgerhaus. Die Koalition aus CDU und Bürger für Obertshausen (BfO) hatte einen Antrag eingebracht, in dem die Möglichkeit eines zweiten Bahnübergangs für Kraftfahrzeuge geprüft werden soll. Bei der Opposition stieß der Antrag auf wenig Gegenliebe.

Obertshausen – „Sie haben mich mit Ihrem Antrag wirklich geschockt“, verkündete Alexander Roth (Grüne). Schließlich habe es 2019 bereits einen Prüfantrag gegeben. Damals habe man sowohl von der Unteren Naturschutzbehörde als auch von der Deutschen Bahn deutliche Ansagen bekommen, dass ein solcher Übergang nicht gewünscht sei. „Wenn wir den Antrag noch einmal prüfen, bekommen wir nicht nur die selben Antworten, sondern verschwenden auch noch Steuergelder“, fasste Roth zusammen und bezeichnete den Antrag als populistisch. Vor allem, da die Ausgangslage für den Antrag die Sperrung des Omega-Tunnels gewesen sei. Die daraus resultierende Verkehrssituation war aus Roths Sicht nur an zwei Tagen besonders kritisch gewesen. Diese Aussage brachte dem Grünenpolitiker Aufschreie von Seiten der Koalition ein.

Doch Matthias Krug von der FDP schloss sich seinem Vorredner an und ging sogar so weit, den Antrag als „Segmented Approach“ („breitere Verteilung des Anflugs“ Anm. d. Red.) auf der Straße zu bezeichnen.

FDP und SPD äußern Kritik an dem Vorhaben

Auch die Sozialdemokraten äußerten Kritik. Joachim Zweigler (SPD) ließ die Geschichte eines möglichen weiteren Bahnübergangs Revue passieren und kam zu dem Schluss, dass der Prüfantrag überflüssig sei.

Elke Kunde, Fraktionsvorsitzende der FDP, ging bei ihrer Analyse der Situation einen Schritt weiter. Sie sah mit einem weiteren Bahnübergang sogar die Gefahr, dass der Verkehr innerhalb Obertshausens zunehme und applaudierte zynisch am Rednerpult: „Statt Ideen zu suchen, um die Umgehungsstraße wieder attraktiver zu machen, holt man den Verkehr wieder in die Stadt.“

Rudolf Schulz (BfO) war sichtlich aufgebracht von den Reden der Opposition. Er warf den Grünen die Verbreitung von „Fake News“ vor, wenn diese behaupteten, dass es keinen Stau während der Sperrung gegeben habe. Auch gehe es nicht darum, den Verkehr in die Stadt zu holen, sondern den Schwerlastverkehr herauszuhaben.

Koalition beharrt auf dem Prüfantrag

In den Augen von Schulz hatte man 2019 den Prüfantrag zu schnell abgearbeitet und sich bewusst nur bei Stellen erkundigt, von denen eine Absage zu erwarten gewesen sei. Daher warb er noch einmal für den Prüfantrag. „Es könnte daran scheitern, dass das Geld nicht da ist – aber ich möchte wissen, ob es überhaupt möglich ist“, fasste Schulz zusammen.

Auch Peter Wichtel von der CDU sprach sich für den Antrag aus. Selbst ohne Sperrung des Omega-Tunnels und ohne Stau auf der A3 gebe es oft zu viel Verkehr im Stadtgebiet. Wieso solle man also nicht nach Alternativen suchen?

Im Endeffekt setzte sich die Koalition mit 19 zu 15 Stimmen durch, schickte den Prüfantrag somit auf den Weg und lies einige frustrierte Gesichter zurück. (Von Jan Max Gepperth)

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