Mehr Umweltbewusstsein gefordert

See in Obertshausen erstickt im Müll – Ärger bei den Anglern 

Bild
+
Beinahe täglich sieht ASV-Urgestein Arnold Lang am Angelsee nach dem Rechten. Vor allem nach den Wochenenden findet er dort sehr viel Müll.

„Bei schönem Wetter ist die Hölle los“ , sagt Arnold Lang über den Angelsee in Obertshausen. Der große Andrang hat leider auch seine Schattenseiten.

Obertshausen – Was den Mühlheimern der Grüne See, ist den Obertshausenern das Rabenhaus: Wenn die Sonne vom Himmel lacht und die Temperaturen steigen, zieht es viele Menschen ans Wasser. Das bereitet dann oft denen Mühe, die sich für die Natur in und an den Gewässern engagieren, wie der Angelsportverein (ASV). Der Sprecher der Gruppe hinter den Herbäckern kennt die Formel: „Wenn am Wochenende schönes Wetter herrscht, ist bei uns die Hölle los!“.

Arnold Lang, Pressebeauftragter des ASV Obertshausen, füllt montagmorgens schon mal dreieinhalb blaue Müllsäcke. Auf dem Gelände zwischen der Vereinsgaststätte Seeblick und dem Ufer des Angelsees pickt er zahllose Mund-Nasen-Bedeckungen und Gummihandschuhe auf, auch „kleine Gummis“, die sich am Waldrand bis über den Parkplatz verteilen.

Obertshausen: Wodka, Bierflaschen und Pizza-Kartons vermüllen Angelsee

Daneben hinterlassen Picknick-Partys Pizzakartons und Hamburger-Schachteln, halb volle Wodka- und leere Bierflaschen, obwohl es zumindest auf Letztere Pfand gibt. Lang fischt sie aus dem Gebüsch und aus dem seichten Wasser, obwohl die Abfallbehälter direkt neben der Bank stehen: „Leute, die da sitzen, müssten nur den Arm ausstrecken“, klagt der Rentner. „Wenn man da nicht regelmäßig reinigen würde, hätten wir einen schlimmen Anblick.“

„Er ist unser Umweltengel“, lobt ASV-Vorsitzender Ralf Peters den eifrigen Mitstreiter. „Viele Leute fahren nicht in den Urlaub, weil das Verreisen wegen der Pandemie bis vor Kurzem nicht möglich war“, analysiert der Vereins-Chef. „Dazu hatten wir im April und Mai traumhaftes Wetter, da tummelten sich sonntags bis zu 100 Leute auf dem Gelände.“

Obertshausen: Angler holen Müll aus den Tiefen des Sees

Verhindern können und wollen die Angelsportler die Besucher keineswegs. „Es ist ein Naherholungsgebiet, jeder darf es betreten, sich hier aufhalten und wohlfühlen“, macht Peters klar. „Die Leute können die Natur genießen, die Kinder sollen sie kennenlernen, aber manche Menschen verhalten sich nach dem Motto, nach mir die Sintflut.“

Regelmäßig organisiert der Vorstand einen „Mülldienst“, dann fahren Mitglieder mit einem Boot raus, weil sich die Abfälle im Schilf nur von der Seeseite einsammeln lassen. „Wie viel Glas auf dem Grund liegt, ist uns gar nicht bekannt.“ Alljährlich legen die Aktiven des Unterwassersportclubs Obertshausen (USCO) das An- und Abtauchen ins Rabenhaus, berichtet der Vorsitzende. „Dabei haben sie sogar schon mal einen Tresor herausgeholt.“

Dankbar sind die ASVler auch dem Bauhof, der immer flott zur Stelle sei, wenn es gilt, Kühlschränke, Altreifen, Küchenplatten und andere Möbelstücke vom Gelände zu holen. „Corona hat aber auch viele nette Leute hergeführt“, betont Peters, „vor allem Familien mit Kindern“. Mehr als zuvorkommen sie zu Fuß und mit dem Fahrrad. „Viele wussten gar nicht, dass es bei uns einen so schönen See gibt“, sagt Peters.

Obertshausen: Füttern verboten am Angelsee

Immer wieder werden er und seine Kameraden angesprochen. Die Feierabend-Ausflügler wollen wissen, welche Fische im Gewässer schwimmen, was Angler so tun. Darüber könnte Arnold Lang Bücher schreiben. Er ist oft draußen, meistens zweimal am Tag, und muss immer wieder Zeitgenossen aufklären, die die 32 Kanadagänse und das einzige Paar Nilgänse mit Brot füttern. Das greifen die Tiere zwar gierig auf, vertragen es jedoch nicht. Die Hinterlassenschaften auf den Uferflächen zeugen davon.

„Ein Ganter ist ein ganz böser“, plaudert Lang, „der lässt keine Artgenossen landen, der See ist seit Langem sein Revier“. Anfang des Jahres führte er zehn Junge, nur drei überlebten, und die habe der Papa vor 14 Tagen verjagt. An der Gemarkungsgrenze zu Heusenstamm zu Hause seien auch Blesshühner, Haubentaucher und Teichrohrsänger, außerdem Stockenten.

„Wir wollen keinen Rasen mehr mähen“, erläutert er die Absperrungen unterhalb der Terrasse. Ziel des Vereins sei es, mit einer Blumenwiese Insekten, Bienen und Schmetterlinge anzulocken. Margeriten, Nachtkerzen, Klatschmohn und wilde Katzenminze blühen schon, Winterheide, Klee, Borretsch und Buchweizen sind zu erkennen. Darum bleibe das Areal dauerhaft gesperrt. Den Besuchern in den Liegestühlen auf der Wiese gefällt das. (Von Michael Prochnow)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare