Vom Schlager zum Krimi

Musiker Oliver Dillen hat Spaß am Schreiben und mit „Nicht jeder Clown ist lustig“ ein neues Werk

Startschuss vor zehn Jahren: Oliver Dillen veröffentlichte sein Erstlingswerk in einer Zeitschrift.
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Startschuss vor zehn Jahren: Oliver Dillen veröffentlichte sein Erstlingswerk in einer Zeitschrift.

Kurz bevor sie schließt, betritt ein Clown die Bank. „Das ist ein Überfall!“, brüllt er und haut kurz darauf mit einer stolzen Summe Geld ab. Szenenwechsel. In einer Kneipe wird der unmaskierte Räuber von einem Polizisten verhaftet. – Wie geht das? Aufklärung leistet das jüngste Werk aus der Feder von Oliver Dillen. Der Name ist in der Schlagerbranche der 1970er und 1980er Jahre ein Begriff, auch in der Rock’n’Roll-Welt. Aber als Krimi-Autor?

Obertshausen – Vor zehn Jahren reichte er beim Burda-Verlag „Keine Zeugen“ ein. Die Story gefiel der Redaktion, sie bat den Musiker, weitere Kurzgeschichten einzuschicken – eine davon wurde noch im selben Jahr in der Freizeit-Revue mit einer Auflage von vier Millionen Exemplaren publiziert. Seitdem bereichern Dillen-Krimis dieses Blatt und die Glücks-Revue mehrmals im Jahr.

Wie sie beim Publikum ankommen, testete der Hausener vor der Pandemie regelmäßig mit seinem Band-Kollegen Norbert Heil am Keyboard. Dabei lockerten den Reigen spannend-witziger „Fälle“ fetzige Rhythmen von Peter Kraus, „Fats & His Cats“ oder „Adam und die Mickys“ auf, von denen einige ebenfalls Dillen geschrieben hat. Mehr als 200 Musiktitel hat der Mann veröffentlicht, der in diesen Tagen seinen 77. Geburtstag feierte und mit bürgerlichem Namen Erich Kratz heißt.

Den Namen fand er für eine Künstler-Karriere wenig klangvoll, also ergänzte er den Mädchennamen seiner Mutter, einer geborenen Dill. Noch vor der Einschulung hatte sie ihm ein Akkordeon geschenkt. „Ich hab damals auf der Straße gespielt und aus den Fenstern haben sie mir Groschen zugeworfen“, erinnert er sich.

1972 beginnt Erich Kratz als Verwaltungsangestellter bei der Stadt Offenbach tritt aber stets nebenher auf und komponiert. Für die Kollegen hat er immer wieder Texte verfasst, „ich war also schon geübt im Geschichten-Ausdenken“, verrät er mit einem Schmunzeln. 2003 traf er im Hessischen Hof den Sohn der Wirtin und Chef des Oldie-Clubs Offenbach (OCO), Wolfgang Boltes. Der Musikfreund ermutigte den Gast, sich mal an andere Text-Genres zu wagen.

In der OCO-Vereinszeitschrift „Was Issen Los?“ druckten sie 2003 seinen ersten Krimi: „Verdammt freundliche Polizei“. Das Thema: Kindesentführung. Der Kidnapper wird von Beamten angehalten, weil ein Rücklicht seines Autos kaputt ist, das soll vor Ort ausgetauscht werden. In „Keine Zeugen“ hat ein Jäger seinen Geschäftspartner betrogen, der erschießt seinen Kumpel, wird dabei aber beobachtet. Der Zeuge erpresst den Mörder, der schlägt erneut zu, wird aber wieder gesehen.

„Manche Geschichten sind in einer Stunde im Laptop, bei anderen wird viel gefeilt“, schildert der Autor seine Arbeit. Ideen sammelt er beim Spazierengehen, „ein Rezept für eine erfolgreiche Geschichte gibt es allerdings nicht“, sagt der Senior. „Wenn das Gerüst steht, geht’s schnell“. Seine Arbeitstitel, aber auch einzelne Formulierungen werden von der Redaktion manchmal geändert. Und zu jedem Roman wird ein Szenenfoto mit Statisten gestellt.

„Nicht jeder Clown ist lustig“, das neue Stück, bietet Kratz jetzt mehreren Verlagen an. Auf jeden Fall wird es in der Januar-Ausgabe der Oldie-Zeitschrift erscheinen. Der „Mord im Hühnerhof“ ist mit weiteren Beiträgen bereits als Hörbuch veröffentlicht, die der Autor mit einem weichen Offenbacher Dialekt selbst vorträgt.

Gerne würde er auch mal einen Liebesroman schreiben, „man müsste mich nur fragen“, fordert er auf.  (Von Michael Prochnow)

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